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Landkreis Augsburg

10.11.2012

Bürokratiemonster mit gutem Hintergrund

Geld, um im Verein Sport treiben zu können, brauchen keine Jugendlichen, deren Eltern Sozialhilfeempfänger sind. Denn für sie übernimmt der Staat die Mitgliedsgebühr. Allerdings: Der Verwaltungsaufwand ist gigantisch.
Bild: Reinhold Radloff

Kinder von Hartz-IV-Empfängern im Verein kostenlos Sport treiben zu lassen ist gut, aber sehr aufwändig und kompliziert.

Der Ertrag steht in keinem Verhältnis zum Aufwand: Das ist das Fazit der hiesigen Sportvereine zu der Idee des Bundesverfassungsgerichts, den Beitrag für Kinder und Jugendliche von Hartz-IV-Empfängern unter anderem für Sportvereine durch den Staat zu übernehmen.

Der gute Gedanke, ihnen Sport zum Nulltarif zu ermöglichen, wird dadurch problematisch, dass ein gigantischer Arbeitsaufwand für Vereine und Jobcenter damit verbunden ist.

Die Kinder von anerkannten Hartz-IV-Empfängern sollen auf keinen Fall vom sozialen und kulturellen Leben ausgeschlossen werden. Das gilt auch und besonders für den Sport. Deshalb können ihre Eltern beim Jobcenter einen „Antrag auf Leistungen zur Bildung und Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben“ (Bildungs- und Teilhabepaket) stellen.

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Stellen die Eltern einen Antrag auf Hartz IV und wird er genehmigt, dann gilt er für sechs Monate. Die Vereine ziehen ihre Beiträge normalerweise jährlich, allenfalls halbjährlich ein. Gilt jetzt die Bedürftigkeit der Eltern von Oktober bis März, dann muss der Teilhabeantrag für die Kinder und damit die Mitgliedschaft im Verein im Oktober und im Januar gestellt werden. Sollte die Bedürftigkeit der Eltern nach März weiter bestehen, muss der Antrag wieder erneuert werden und so weiter.

Vergessen die Eltern den Teilhabeantrag für die Kinder zu stellen, endet die Mitgliedschaft der Kinder. Gehen sie aber weiterhin zu den Sportstunden, muss der Verein den Mitgliedsbeitrag bei den Hartz-IV-Empfängern einzutreiben versuchen oder sie zu einem nachträglichen Antrag bewegen.

Kommt kein Geld, muss die Vereinskündigung betrieben werden, weil Kinder ohne Mitgliedsbeitrag im Verein nicht trainieren dürfen. Denn dann würde kein Versicherungsschutz bestehen.

„Der Verwaltungsaufwand für die Vereine ist ein Irrsinn“, betont Hans Nebauer, Vorsitzender des weit über 3000 Mitglieder starken TSV Schwabmünchen, der etwa 30 „Hartz-IV-Kinder“ in seinem Verein hat. „Sinnvoll wäre nur, bedürftigen Kindern volle Kalenderjahre den Beitrag zu bezahlen.“

Doch nicht nur die Vereine sind mit der gut gemeinten Beitragsregelung geschlagen, auch die Jobcenter. In Schwabmünchen ist beispielsweise eine Kraft in Vollzeit nur mit derartigen Anträgen beschäftigt.

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