Newsticker

Städte- und Gemeindebund fordert Ausweitung der Maskenpflicht in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Capriccio kritisiert Schlacht-Projekt

03.07.2010

Capriccio kritisiert Schlacht-Projekt

Details einer Szenerie mit Zinnfiguren für das große Diorama zur Lechfeldschlacht, die Martin Sauter für eine Ausstellung im Rathaus Königsbrunn im Mai 2009 zusammengestellt hat. Auf dem Schimmel ein Reiter mit dem Banner des Hl. Michael. Foto: Herrmann Schmid
Bild: Herrmann Schmid

Königsbrunn Die Fernsehmacher waren einige Tage vor Ort - und nun tun sie so, als wüssten sie alles Wesentliche über die Brunnenstadt. "Wer in diesen Ort kommt, will nur eins: schnell hindurch", ist in dem sechseinhalb Minuten dauernden Fernsehbeitrag zu hören, mit dem der Bayerische Rundfunk in seiner Kultursendung "Capriccio" am Donnerstagabend das geplante Museumsprojekt "955 Lechfeldschlacht" vorstellte, das in Königsbrunn realisiert werden soll.

von Marion Kehlenbach und Hermann Schmid

Es gäbe nicht viel, was einen Besucher in einer Stadt, die so aussieht, halte, betonte der Filmkommentar und fährt fort, das solle sich nun "mit einem furchtbaren Blutbad" ändern. Von der Euphorie, die bei Veranstaltungen zum Museumsprojekt in Augsburg und Königsbrunn stets zu spüren war, vermittelt der Beitrag nichts.

Vielmehr kritisierten die Fernsehjournalisten, dass aus Fördertöpfen der EU ein 150 000 Euro teures Diorama gebaut wird, bei dem sich die Geldgeber nicht gefragt hätten, welche historische Erkenntnis sich aus den 12 000 Zinnfiguren gewinnen lasse. In süffisantem Tonfall erwähnt der Bericht, dass Martin Sauter seine Vorgehensweise beim Aufbau des Dioramas mit "nachschaffender Fantasie" beschreibt. Auch den angedachten Titel "Erlebniswelt Lechfeldschlacht" nahmen die Filmer aufs Korn. "Es geht nicht um Schlachtverherrlichung", betonte dagegen Bürgermeister Ludwig Fröhlich in dem ausgestrahlten Interviewausschnitt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

In teils ironischen Formulierungen erläuterte Capriccio das Bauvorhaben und zeigte dabei im Sport- und Freizeitpark West "die Wiese, die geopfert werden soll". Tourismusdirektor Götz Beck von der Regio Augsburg erklärte in einem Interview auf der Ulrichshöhe das Gesamtkonzept der Ausstellung: Ausgehend von der Schlacht von 955 bis zum EU-Beitritt Ungarns solle die deutsch-ungarische Beziehung dargestellt werde. Doch dass die Aneinanderreihung historischer Ereignisse ein schlüssige Ausstellungskonzept darstelle, stellten die Filmemacher infrage. Den Vorschlag aus dem Augsburger Symposion, die Darstellung der Schlacht im Wandel der Zeiten zu untersuchen und zu zeigen, wie die geschichtliche Bedeutung für politische und religiöse Zwecke vereinnahmt wurde, findet der BR-Beitrag jedoch interessant.

Augsburgs Tourismusdirektor Götz Beck kann der Darstellung seines Projektes bei Capriccio durchaus positive Seiten abgewinnen: "Die Sendung hat nun mal ein kritisch-ironisches Profil", stellt er fest. Für ihn ist wichtig, dass über das Vorhaben nun überregional gesprochen wird. Kritik an einzelnen Aspekten ficht ihn nicht an: "Wir sind noch im Prozess, das Konzept wird erst erarbeitet." Die Besucher würden nicht nur über eine Schlacht, sondern über ihre Bedeutung für die 1000-jährigen deutsch-ungarischen Beziehungen informiert.

Stadtsprecher und Regio-Chef reagieren gelassen

Dass man den Königsbrunner Bau ironisch mit dem 230 Millionen Euro teuren Guggenheim Museum im spanischen Bilbao verglichen hat, rückt Beck zurecht: "Wir wollen und können nicht diesen Bau nachahmen." Einen "Bilbao-Effekt" will er aber auch auf dem Lechfeld erreichen: "Bilbao steht in der Fachwelt für die Revitalisierung einer Region über spannend inszenierte Kultur."

Die Verantwortlichen der Stadt nahmen es gelassen, dass Königsbrunn in dem Fernsehbeitrag wenig schmeichelhaft dargestellt wird. "Wir freuen uns, dass der große Bayerische Rundfunk eine Filmcrew in unser kleines Städtchen geschickt hat", sagte Wolfgang Staible, Presseamt der Stadt auf Anfrage unserer Zeitung "und wir freuen uns auf ein Wiedersehen, wenn der BR wieder kommt, um die Geschichte zu vertiefen."

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren