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Graben

04.12.2020

Corona-Hotspot in Graben? Was Amazon und Gesundheitsamt sagen

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi sollen sich rund 300 der 1800 Amazon-Mitarbeiter in Graben in Quarantäne befinden. Viele davon seien mit Corona infiziert. Der Versandriese weist die Behauptung hingegen scharf zurück.
Bild: Marcus Merk

Plus Der Gewerkschaft Verdi zufolge sollen sich im Logistikzentrum Graben rund 300 Mitarbeiter in Quarantäne befinden. So reagiert Amazon auf die Vorwürfe.

Nach mehrtägigen Streiks am Logistikzentrum in Graben steht der Versandriese Amazon erneut in der Kritik: Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi sollen sich rund 300 der 1800 Mitarbeiter in Quarantäne befinden. Viele davon seien mit Corona infiziert, sagt Sylwia Lech, Gewerkschaftssekretärin im Bereich Handel für den Bezirk Augsburg. Sie spricht von einem Corona-Hotspot.

Dabei stützt sie sich auf Aussagen von Beschäftigten. Anhand derer sei die Zahl ermittelt und aus verschiedenen Arbeitsschichten zusammengerechnet worden, erklärt Lech auf Nachfrage. Fünf an Corona erkrankte Gewerkschaftsmitglieder sollen demnach auf der Intensivstation liegen, zwei von ihnen seien inzwischen wieder entlassen.

Genaue Infektionszahlen nennt Amazon nicht

Wie genau die Gewerkschaft auf die aktuelle Zahl kommt, ist allerdings unklar. Ende November verbreitete Verdi über den Nachrichtendienst Twitter noch die Zahl von rund 300 Corona-Infizierten. Inzwischen ist die Rede von vielen Infizierten und 300 Mitarbeitern, die sich in Quarantäne befinden. Amazon selbst habe dem Betriebsrat im Oktober lediglich 30 Fälle von Covid-19 gemeldet. Im Rahmen eines mehrtägigen Streiks Ende November hatte Lech auf die mangelhaften Infektionsschutzvorkehrungen in Graben hingewiesen.

Amazon weist die Behauptung, das Logistikzentrum habe sich zu einem Corona-Hotspot entwickelt, scharf zurück. Schriftlich erklärt ein Sprecher: „Diese Zahlen stimmen hinten und vorne nicht. So ein Niveau der bewussten Täuschung der Öffentlichkeit mit falschen Zahlen zu unserem Standort in Graben bei Augsburg haben wir noch nicht gesehen.“

Genaue Infektionszahlen nennt das Unternehmen nicht. Aus Unternehmenskreisen heißt es, die Zahl von 31 Infizierten bei aktuell mehr als 2000 Mitarbeitern, die auch die Süddeutsche Zeitung in einem Bericht nennt, komme der Wahrheit deutlich näher als die Verdi-Behauptungen.

Gesundheitsamt verzeichnet keine Fallhäufung bei Amazon

Nach Angaben von Amazon war das Gesundheitsamt Anfang November im Logistikzentrum und habe dem Unternehmen bescheinigt, die coronabedingten Schutzmaßnahmen gut umzusetzen. Diese umfassten unter anderem gestaffelte Schichten und Pausen, das Tragen von Masken, Temperaturmessung am Eingang, Einbahnstraßen, ein Mindestabstand von zwei Metern sowie eine erhöhte Reinigung.

Das Landratsamt bestätigt die Aussage von Amazon. Wie viele Amazon-Mitarbeiter positiv getestet wurden, kann das Landratsamt allerdings nicht sagen. Das Gesundheitsamt werde nur über Betroffene informiert, die im Landkreis leben, heißt es auf Nachfrage schriftlich.

Doch auch diesbezüglich nennt die Behörde keine konkreten Zahlen. Die Begründung: „Es wäre mit beträchtlichem Rechercheaufwand verbunden, die einzelnen Indexfälle aus der Belegschaft der vergangenen Wochen herauszusuchen.“ Das Gesundheitsamt könne den Mehraufwand momentan nicht leisten. Meldungen über Fallhäufungen bei Amazon seien nicht verzeichnet worden. Für die Kommunikation im Falle eines Ausbruchs sei das Unternehmen selbst zuständig.

Gewerkschaft fordert mehr Transparenz von Amazon

Genau das fordert nun die Gewerkschaft Verdi. „Es bedarf mehr Transparenz gegenüber den Beschäftigten und den Behörden“, sagt Sylwia Lech. Das betreffe nicht nur Amazon, sondern auch andere große Unternehmen in der Region. „Das Einzugsgebiet der Amazon-Beschäftigten ist riesig und reicht vom Allgäu bis nach München“, sagt Lech. Die Mitarbeiter würden von unterschiedlichen Ämtern abgedeckt, ein Corona-Hotspot falle deshalb nicht sofort auf. Die Gesundheitsämter müssten aus Sicht der Gewerkschafterin landkreisübergreifend besser zusammenarbeiten.

Lesen Sie auch den Kommentar: Amazon in Graben sollte die Corona-Zahlen offenlegen

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