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Bobingen

19.04.2020

Corona-Pandemie: Pfleger stehen unter psychischer Belastung

Wegen der Corona-Pandemie stehen die Mitarbeiter der Bobinger Sozialstation unter psychischen Belastungen.
Bild: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn (Symbolbild)

Plus Die Corona-Pandemie stellt Pflegekräfte vor enorme Herausforderungen. Carolyn Kreuzer leitet die Sozialstation in Bobingen und weiß, wo die Probleme liegen.

Abstand halten, Mundschutz tragen, Besprechungen nur noch per Telefon – die Corona-Pandemie stellt Pfleger vor enorme Herausforderungen. Denn das Virus schränkt nicht nur die Arbeit, sondern auch das vertraute Verhältnis zu den Patienten ein.

„Das Schlimmste ist die psychische Belastung, die unsere Mitarbeiter nun aushalten müssen“, sagt Carolyn Kreuzer. Um die Pfleger unterstützen zu können, hat sich die Chefin der Bobinger Sozialstation ein Corona-Handy zugelegt. „Auf diesem können mich die Mitarbeiter jederzeit erreichen und Probleme besprechen“, sagt Kreuzer. Es sei wichtig, den Pflegekräften zuzuhören. Denn auch sie hätten Angst, sich anzustecken und würden unter höherem Druck arbeiten.

Die Zusammenarbeit musste umstrukturiert werden

Dabei brauchen viele Patienten gerade jetzt verstärkte Zuwendung, weiß Kreuzer. Einige könnten nicht verstehen, warum ihre vertrauten Pfleger nun Abstand halten müssen und selbst eine kurze Umarmung nicht mehr möglich sei. Auch das Tragen des Mundschutzes habe einige Patienten anfangs verwirrt.

Doch das war nicht die einzige Herausforderung, die das Virus mit sich brachte. „Das Schlimmste war der Beginn der Corona-Krise“, erzählt die Leiterin der Bobinger Sozialstation. Sie seien mit Mails überflutet worden und hätten sich erst einmal durch den Berg an Informationen wühlen müssen, um die richtigen Maßnahmen einzuleiten.

Nicht nur die verstärkten Hygiene- und Abstandsregeln bei Patienten galt es einzuhalten. Auch in der Sozialstation selbst musste vieles umorganisiert werden. Inzwischen ist nur noch ein Mitarbeiter im Büro, es wird im Schichtbetrieb gearbeitet. Besprechungen fallen aus, stattdessen wird telefoniert.

Seniorenheime und Pflegedienste stehen durch die Corona-Krise vor einer großen Herausforderung.
Bild: dpa

Bislang wurde nur ein infizierter Patient verzeichnet

Durch die Inbetriebnahme eines zweiten Stützpunktes können nach Angaben von Kreuzer die Abstandsregeln nun besser eingehalten werden. „Damit fehlt aber auch ein persönlicher Austausch“, bedauert Kreuzer. Personell sei man bei der Bobinger Sozialstation immer noch gut aufgestellt. Engpässe habe es nur zu Beginn gegeben, da einige Mitarbeiter aus dem Urlaub aus Risikogebieten zurückkehrten und vorsorglich in Quarantäne geschickt wurden. „Wir wollten auf keinen Fall irgendein Risiko eingehen, auch wenn das einiges an Mehrarbeit bedeutet hat“, sagt Kreuzer.

Die Sozialstation blieb bislang von Covid-19-Fällen verschont. „Jedes Mal, wenn das Telefon klingelt, habe ich Angst, dass jemand eine Infektion meldet“, sagt Kreuzer. Denn dann müssten unverzüglich mehrere Pflegekräfte aus der Versorgung ausscheiden, was die Lage drastisch verschärfen würde. Auch wurde erst ein infizierter Patient verzeichnet. Das sei aber relativ unproblematisch gewesen, da die Sozialstation nur Essen geliefert hatte – was seit Beginn der Krise nur noch kontaktlos geschieht.

Noch ist ausreichend Schutzkleidung vorhanden

Über die Versorgung mit Schutzmaterial kann sich die Leiterin der Sozialstation derzeit ebenfalls nicht beklagen. Es sei frühzeitig ein Vorrat an Masken angelegt worden. Zudem würden ständig neue Bestellungen getätigt, sodass zwar nie die bestellten Mengen, aber doch immer wieder Nachschub eintrifft. Das Landratsamt Augsburg lieferte Schutzoveralls und Desinfektionsmittel. „Die Lage ist im Moment einigermaßen entspannt“, sagt Kreuzer. Das könne sich allerdings ändern, sobald ein Infizierter betreut werden müsse.

Doch zur Freude von Kreuzer Glück könne sich die Sozialstation auf einen breiten Rückhalt in der Gemeinde verlassen. Als zu Beginn der Krise noch nicht abzuschätzen war, wie viele Gesichtsmasken gebraucht werden, erhielt die Sozialstation innerhalb weniger Tage 300 selbst genähte Stoffmasken.

Auch über die Nachbarschaftshilfe würden sich immer wieder freiwillige Helfer für Einkaufshilfe oder Essensauslieferung melden. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn wir Wertschätzung und Anerkennung für unsere Arbeit bekommen“, freut sich Kreuzer. Auch der Vorstand des Trägervereins sowie die Mitarbeiter des Gesundheits- und Landratsamtes würden mit ihrem Einsatz dazu beitragen. „Wir werden nicht allein gelassen“, sagt Kreuzer.

Leiterin wünscht sich Umdenken auch nach Corona

Die Leiterin der Bobinger Sozialstation ist sich sicher, dass ihre Mitarbeiter und Patienten die Corona-Pandemie gut überstehen. Und sie denkt schon an die Zeit danach: „Ich hoffe, dass die Menschen aus dieser Krise lernen werden.“ Momentan höre man das Wort „systemrelevant“ sehr häufig. „Hoffentlich haben jetzt alle begriffen, was wirklich systemrelevant ist, und wer diese Gesellschaft auch in schweren Zeiten am Laufen hält“, sagt Kreuzer. Nämlich die vielen Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern, genauso wie Mitarbeiter in den Supermärkten oder Lastwagenfahrer, die die Lebensmittelversorgung aufrecht erhalten. „Ich hoffe, dass diese Erkenntnis auch über das Ende der Corona-Pandemie hinaus Bestand haben wird“, so Kreuzer.

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