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Schwabmünchen

31.03.2020

Corona: Über 100 Fotos gegen eine leere Kirche

Nach der Messe begibt sich Stadtpfarrer Christoph Leutgäb zu den Fotos der Gläubigen im zur Renovierung eingerüsteten Kirchenraum. n
Bild: Uwe Bolte

Schwabmünchens Stadtpfarrer Christoph Leutgäb ist nicht alleine, wenn er am Altar steht. Wie er die Gläubigen erreichen möchte und was von Ostern übrig bleibt.

Weit über 100 Augenpaare beobachten Pfarrer Christoph Leutgäb, als er den Altarraum in der Stadtpfarrkirche Sankt Michael betritt. An den Bänken kleben Fotos von Gläubigen – ein ungewöhnliches Gesamtbild im verwaisten Gotteshaus. Stadtpfarrer Leutgäb will damit etwas Besonderes erreichen.

Er will die bestehende Gemeinschaft verdeutlichen. „Diese Art ist in Italien sehr verbreitet“, sagt Leutgäb. Er ruft die Gläubigen auf, sich in der Kirche per Bild präsent zu zeigen. Er feiere täglich stellvertretend für alle die Messe. „Es ist wohltuend vor Augen zu haben, für wen ich bete“, ist auf der Einladung zur Bilderabgabe an den Kirchenbänken zu lesen. Durch die Bilder sei er nicht allein, die Fotos stünden für die Menschen „da draußen“. „Wer möchte, kann ein Foto von sich oder der Familie in die Kirche bringen und im vorderen Kirchenschiff ablegen. Wir befestigen sie dann“, erklärt Leutgäb. Wer will, kann die Bilder auch per E-Mail an das Pfarrbüro senden.

Gebet-Läuten in Schwabmünchen eingeführt

„Hier war immer ein Ort von Begegnung und Austausch, von Angesicht zu Angesicht. Dieses hohe Gut fehlt jetzt“, sagt der Pfarrer. Man habe sich in der Pfarrgemeinschaft überlegt, die täglichen Messen über elektronische Medien für die Gläubigen erlebbar zu machen. „Es gibt jedoch schon viele Mess-Angebote in Rundfunk, Fernsehen und Internet, da wollten wir nicht noch eines draufsetzen“, erklärt Leutgäb das Fehlen von Übertragungen aus Sankt Michael. Für das stille Gebet oder ein kurzes Innehalten stünde der Haupteingang der Stadtpfarrkirche von etwa 8 Uhr bis zum Eintritt der Dunkelheit offen.

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Die Tradition des Gebet-Läutens, die in einigen Dörfern noch bekannt ist, wurde von ihm nun auch in Schwabmünchen eingeführt. „Morgens um 8, mittags um 12 und abends um 18 Uhr läuten die Glocken für drei Minuten. Damit möchte ich die Gläubigen auffordern, im Gebet eine geistige Gemeinschaft zu bilden, wo immer man sich befindet“, erklärt er den akustischen Ruf.

In den Weihwasserbecken der Kirche fehlt schon seit einiger Zeit das gesegnete Wasser. Gebettet auf weißen Tüchern liegen dort Bibelzitate zur Mitnahme aus. „Ich brauchte sie nicht selber machen, das Bistum stellt eine Sammlung zur Verfügung“, erklärt Leutgäb freimütig und ergänzt, dass die Zitate sehr gefragt sind. „So kann ich abschätzen, dass unsere Kirche häufig als Ort des Gebets und der Stille besucht wird.“ Für ihn selbst sei der Griff in die Schale nicht nur eine Handbewegung, sondern eine Fügung. „Ich denke immer: Gott lass’ mich das passende Wort für mich finden“, sagt Christoph Leutgäb.

Osterkerzen und Einkaufshilfe

Die öffentlichen Osterfeierlichkeiten sind bekanntermaßen abgesagt worden. „Dennoch werde ich die zur Kar- und Osterzeit üblichen Messen zelebrieren“, sagt der Stadtpfarrer. Am Palmsonntag würden die von den Landfrauen gefertigten Palmbüschel an den Stufen zum Altarraum für die Gläubigen ab 10 Uhr bereitliegen, am Ostersonntag werde voraussichtlich ab 7 Uhr die Osterkerze brennen, an der sich Interessierte ihr Osterlicht entzünden könnten. In den Kirchen auf den Dörfern verschieben sich die Zeiten etwas nach hinten. „Ich gehe davon aus, dass sich alle Besucher verantwortungsbewusst an die geltenden Regelungen halten“, sagt Leutgäb.

Als Unterstützung für Menschen, die nicht oder schwer in der Lage sind, die täglichen Einkäufe zu erledigen, bietet die Pfarreiengemeinschaft auch eine Einkaufshilfe an. „Hierbei geht es um eine 1:1-Hilfe von Mensch zu Mensch, wir vermitteln nur den Kontakt.


Hilfesuchende und -bedürftige können sich bei uns im Pfarrbüro melden. „Wir versuchen, die örtlich optimalen Beziehungen herzustellen. Dabei geben wir nur Namen und Telefonnummern weiter. Alle Modalitäten sind dann von den Betroffenen selbst zu vereinbaren“, sagt Pfarrer Christoph Leutgäb. Das Pfarrbüro ist telefonisch unter der Nummer 08232/4521 oder per E-Mail an pg.schwabmuenchen@bistum-augsburg.de erreichbar.

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