1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Daniel Köhn radelt von Westerringen nach Hongkong

Westerringen

12.02.2019

Daniel Köhn radelt von Westerringen nach Hongkong

Copy%20of%20P3100010.tif
4 Bilder
Daniel Köhn aus Westerringen fuhr mit dem Fahrrad 16000 Kilometer bis nach Hongkong - vom Mittelmeerstrand in Kroatien bis zur Pazifikküste in Hongkong.
Bild: Daniel Köhn

Daniel Köhn radelt zehn Monate lang von Westerringen nach Hongkong und erleidet einen „Rückwärts-Kulturschock“ bei seiner Heimkehr

In einer schwarz-weißen Welt gibt es diejenigen, die vor der Glotze sitzen, und diejenigen, die etwas unternehmen. Daniel Köhn (32), Sport- und Englisch-Lehrer aus Westerringen, macht beides: mit seiner damaligen Freundin sah er eine Reise-Doku auf 3 Sat und plante daraufhin mit ihr eine Tour ans andere Ende der Welt. Die Beziehung ging in die Brüche, aber die Reise hat Daniel trotzdem gemacht: Er ist von Westerringen nach Hongkong gestartet auf dem Rad. Zehn Monate lang war Köhn dann insgesamt unterwegs. Nach seiner Rückkehr hat er Vorträge über seine Tour in der Region gehalten, in Langerringen und in Schwabmünchen. Unserer Mitarbeiterin Doris Wiedemann, die selbst gerne auf motorisierten Zweirädern in der Welt unterwegs ist, hat mit Daniel Köhn über seine Erfahrungen im Ausland gesprochen.

Von Westerringen bis Kroatien begleiteten ihn sechs Freunde und Verwandte. Dann ging es – theoretisch – alleine weiter. Praktisch fuhren jedoch rund 150 andere Fahrradfahrer aus aller Welt auf dieser Route der Seidenstraße und der Westerringer war mit mehr als 40 von ihnen unterwegs, manchmal nur einen Tag, manchmal eine Woche, und mit einem Paar aus Stockholm sogar zwei Monate lang.

Aber nach der chinesischen Grenze war er wirklich auf sich gestellt, radelte ganz alleine zweieinhalb Monate lang 4000 Kilometer weit durch eines der bevölkerungsreichsten Länder dieser Welt. Ist es die chinesische Kultur, oder sind es die Erfahrungen und Einschränkungen der Diktatur? In China musste Daniel selbst aktiv werden, um Einheimische kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Und das war aufgrund der Sprachbarriere gar nicht so leicht.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ganz anders waren dagegen seine Erlebnisse in der muslimischen Welt: bereits in der Türkei begeisterte den Junglehrer die Gastfreundschaft der Einheimischen. Aber auch in Georgien, Aserbaidschan, Iran, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgistan erlebte er eine Offenheit und Hilfsbereitschaft, die er so bisher nicht kannte.

Nach seinen Erfahrungen auf dieser Reise ist Daniel Köhn sogar der Meinung: „Die islamische Kultur ist offener und friedvoller als die christliche.“ Aber er sagt auch: „Die Welt ist komplexer als ich dachte, vielschichtiger, komplizierter.“ In den meisten Ländern seiner Reise gebe es beispielsweise ganz andere Probleme als die, den Müll zu trennen, denn: „Wer nichts oder wenig hat, produziert auch weniger Müll.“

Wenn man sich mit dem jungen Lehrer unterhält wird klar, auch wenn er die meiste Zeit mit anderen Reisenden unterwegs war, hatte er doch auch viel Zeit, nachzudenken. Köhn hat in den langen Monaten der Reise festgestellt, dass man sich an fast alles gewöhnt und viele Dinge, von denen man meint, sie seien wichtig, gar nicht braucht.

Sich ein bis zwei Mal pro Woche in einem Bach, einem Hostel oder bei Einheimischen zu waschen, und das Wasser unterwegs zum Kochen und Zähneputzen einzuteilen – das sind Erfahrungen, die in Deutschland nicht jeder macht. Deshalb spricht Köhn auch von einem Rückwärts-Kulturschock bei seiner Heimkehr.

Plötzlich habe er wieder alles verstanden, was um ihn herum gesprochen wurde, und gleichzeitig war es ihm manchmal ein Rätsel, warum manche Menschen intensiv über Dinge diskutierten, die aus seiner heutigen Sicht völlig unwichtig sind.

Daniel Köhn hat auf seiner Reise viele Vorurteile abgebaut: „Ich empfindet heute gegenüber Menschen mit anderen Lebensentwürfen viel mehr Wertschätzung und Toleranz“, sagt er.

Außerdem hat ihn der Reisevirus infiziert. Im Sommer ist er von Berlin nach Stockholm geradelt, um das inzwischen verlobte schwedische Pärchen zu besuchen, mit dem er auf seiner Reise so lange unterwegs war. Und hat prompt eine Einladung zur Hochzeit bekommen. Darüber hinaus gibt es inzwischen aber auch noch viele andere Ziele in seinem Kopf: Alaska, Argentinien, Afrika, Vietnam, Kambodscha, Thailand, … wer weiß, was dieses Jahr ansteht.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20DSC_5679.tif
Schwabmünchen

Altes Rathaus: Sanierung kann bald beginnen

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen