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Königsbrunn

20.01.2020

Darum erhält die Tafel 5000 Euro

Marianne und Wolfgang Kowarschick freuen sich über die Prämie von 5000 Euro für die Königsbrunner Tafel. Foto: Adrian Bauer

Plus Die Königsbrunner Tafel hat bei einem Wettbewerb des Ernährungsministeriums 5000 Euro gewonnen. Warum die Auszeichnung fast im Geheimen verliehen wurde.

Die Einführung des Wettbewerbs „Gemeinsam Lebensmittel retten“ hat der bayerischen Ministerin für Ernährung Michaela Kaniber im vergangenen Mai heftigen Gegenwind eingebracht. Viele Menschen ärgerten sich, dass Politiker einen Wettbewerb für Tafeln und andere karitative Vereine ausloben, statt etwas gegen Armut und das Wegwerfen essbarer Lebensmittel zu unternehmen. So ist es wohl kein großer Zufall, dass die Vergabe der Preise nun in aller Stille stattfand. Zu den Preisträgern gehört auch die Königsbrunner Tafel. Die Verantwortlichen können die Aufregung nicht nachvollziehen.

Denn das Ziel des Wettbewerb sei gewesen, Ideen zu sammeln, wie man Lebensmittel vor der Mülltonne rettet, sagt Marianne Kowarschick, die Leiterin der Königsbrunner Tafel: „Nachhaltigkeit ist unser zentraler Punkt: Weitergeben statt wegschmeißen.“ So steht es auch im Leitbild der deutschen Tafeln: „Die zentrale Aufgabe der Tafeln ist, überschüssige Lebensmittel, die nach den gesetzlichen Bestimmungen noch verwertbar sind, (...) zu sammeln und diese an Bedürftige abzugeben.“ Von den negativen Reaktionen auf den Wettbewerb war sie daher überrascht.

Königsbrunner Tafel hat Bringdienst organisiert

Mitgemacht haben die Königsbrunner trotzdem: „Ich habe mit meinem Mann Wolfgang zwei Stunden investiert und das Online-Formular ausgefüllt.“ Die Königsbrunner haben gemeinsam mit der katholischen Pfarreiengemeinschaft einen wöchentlichen Bringdienst für Kunden etabliert, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Ausgabe an der Kirche St. Ulrich kommen können.

Übrig gebliebene Lebensmittel werden an andere Tafeln oder eine Anlage für betreutes Wohnen weitergegeben. Falls dann noch etwas übrig bliebe, können die ehrenamtlichen Helfer zugreifen. Dinge wie sehr altes Brot, das für menschliche Esser nicht mehr geeignet ist, nimmt ein Landwirt als Tierfutter. Zudem gibt es eine Kooperation mit dem Discounter Lidl, der regelmäßig Azubis vorbeischickt, die bei der Tafel den Wert von Lebensmitteln einschätzen und die Arbeit der Tafeln kennenlernen sollen.

Geld soll in die Vereinsarbeit investiert werden

Für die Arbeit am Online-Formular gibt es einen guten Stundenlohn. 5000 Euro Preisgeld können die Königsbrunner nun in die Vereinsarbeit investieren. Die gute Nachricht erreichte die Königsbrunner über ein schmuckloses Gratulationsschreiben aus dem Ministerium. Ausgezeichnet wurden insgesamt fünf Vereine. Eine große Übergabezeremonie, wie es sie sonst bei Wettbewerben von Ministerien gibt, hat nicht stattgefunden. Im Glückwunschschreiben vom 11. Dezember, heißt es, man werde sich wegen weiterer Details melden: „Gehört haben wir seitdem aber nichts mehr“, sagt Marianne Kowarschick. Die Freude über das Preisgeld ist trotzdem groß, braucht die Tafel doch dringend einen neuer Computer. Bislang verwalten die Königsbrunner die Daten ihrer Kunden mit einem Rechner ohne Internet-Anschluss mit einem Programm, das Wolfgang Kowarschick, Professor am Institut für Informatik an der Hochschule Augsburg, gemeinsam mit Studenten geschrieben hat. „Aber unser Rechner arbeitet noch mit Windows 7, außerdem möchte die Caritas alle Daten auf einem zentralen Rechner speichern“, sagt Kowarschick. Für die Arbeit am Internet wollen die Königsbrunner auch alle Vorkehrungen treffen, um die Daten der Kunden bestmöglich zu schützen.

Der Rest des Geldes wird für laufende Kosten genutzt, sagt Marianne Kowarschick: „Bei einem Verein wie unserem fällt immer etwas an.“ Im vergangenen Jahr brauchte man beispielsweise einen neuen Boden, weil die Betonfarbe immer abblätterte. So wurden mehrere Tausend Euro in einen haltbaren Untergrund aus Epoxitharz investiert. Nur eines dürfen die Tafel-Macher nicht: Essen für die Kunden kaufen. Denn das würde wiederum dem Geist der Tafeln wiedersprechen. Ihr Wettbewerbserfolg tut das nicht, da sind sich die Kowarschicks sicher.

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