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11.01.2015

Das Kloster und die Soldaten

Das Franziskanerkloster in Klosterlechfeld hat stürmische Zeiten überstanden. Eine kürzlich erschienene Chronik stellt dies umfassend dar.
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Das Franziskanerkloster in Klosterlechfeld hat stürmische Zeiten überstanden. Eine kürzlich erschienene Chronik stellt dies umfassend dar.
Bild: Susanne Raffler

Die aufregende und weitgehend unbekannte Geschichte des Franziskanerklosters in Klosterlechfeld ist jetzt in einer neuen Chronik nachzulesen. Das Militär war seit dem Dreißigjährigen Krieg immer wieder Thema

Das Franziskanerkloster auf dem Lechfeld bestand noch keine 50 Jahre, da sollte es 1648 schon wieder abgebrannt werden, als zum Ende des Dreißigjährigen Krieges Truppen aus Schweden ihr Lager auf dem Lechfeld bezogen hatten. Verhindert hat dies der Befehl eines Generals, die Wallfahrt sei zu verschonen.

Viele solcher Episoden aus der wechselhaften Geschichte des Klosters kann man dem Buch „Kloster in stürmischer Zeit“ entnehmen, das Dieter Wehnert und Ludwig Wolf jetzt im Verlag Das Blinkfeuer veröffentlicht haben. Darin sind auf 108 Seiten bisher kaum bekannte historische Ereignisse der Klostergeschichte nachzulesen, die viele Berührungspunkte hatte mit der militärischen Entwicklung auf dem Lechfeld.

Über die Geschichte der Lechfelder Wallfahrt gibt es umfangreiche Literatur, die sich im Wesentlichen auf die theologischen und kunstgeschichtlichen Aspekte der Kirche und auf das Wallfahrtsgeschehen konzentriert. Neu aufgearbeitet wurde nun die weniger bekannte vierhundertjährige Geschichte des Klosters in ihren Wechselbeziehungen zur nationalen und europäischen Geschichte.

Die Chronik beginnt mit der Entstehung des Klosters um 1603, gibt einen Überblick über Baugeschichte und die Ereignisse bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, und legt dann ihren Schwerpunkt auf die Ereignisse des 19. und 20. Jahrhunderts bis hin zur Auflösung des Klosters im Jahr 1993. Zahlreichen Illustrationen bieten dem Leser Einblicke in Klosterlechfelder Zeiten, die bislang noch nicht schriftlich dokumentiert sind. Durch seine verständliche Beschreibung ist diese neue Chronik bestens geeignet, die Geschichte des Klosters, auch ohne Vorkenntnisse, gut zu verstehen.

Schon in seinen Anfängen war das Kloster betroffen von vielen Wirren in unruhigen Zeiten. Politische und militärische Ereignisse ließen das an einer Heerstraße gelegene Lechfeld nie unbehelligt. Der Dreißigjährige Krieg, der Spanische Erbfolgekrieg, die Französische Revolution und die folgenden Koalitionskriege zogen immer auch das Kloster auf dem Lechfeld in den Strudel der Ereignisse. Besetzung, Plünderung, Auflösung, Kriegstheater und Flücht-lingszuflucht berührten das Kloster ebenso, wie die Kriegskatastrophen des letzten Jahrhunderts. Dazwischen immer die Ströme von Wallfahrern, die in der Klosterkirche Maria Hilf um Hilfe und Errettung beteten.

Umfangreiche Recherchen geben nun Aufschluss über eine ereignisreiche Zeit. Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701 bis 1714) war es dann dem Schutzbefehl des kaiserlichen Feldherrn Wilhelm Markgraf zu Baden zu verdanken, dass der Franziskanerkonvent von Übergriffen und Beutezügen der durchziehenden Militärtruppen verschont blieb. Das Dokument ist nachzulesen und als Foto belegt. Auch die Französische Revolution, der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 und zwei Weltkriege wirkten sich auf das kleine Kloster auf dem Lechfeld aus.

Ab 1933, zur Zeit des Dritten Reiches, wurde das Leben der Franziskanerpatres erneut sorgenvoll. Sie zogen es damals vor, ihren Stand in der Öffentlichkeit zu verbergen, denn auch das Kloster bekam die Faust der neuen nationalsozialistischen Machthaber zu spüren. Der Druck auf das Kloster ließ nach, als der Zweite Weltkrieg heraufzog, denn das Kloster war dafür als Lazarett eingeplant. Das Ende des Krieges und der damit verbundene Einzug der Amerikaner stellten 1945 neue Herausforderungen an die Kirche. Auch sie stellte sich der Aufgabe, Wohnraum zu schaffen, Flüchtlinge in die Gemeinde zu integrieren und das Zusammenleben der Kirchengemeinschaft neu zu ordnen.

Mehrfach musste das Kloster im Laufe seiner Geschichte um seinen Erhalt kämpfen. Sein Ende aber kam in der Zeit lang anhaltenden Friedens und wachsenden Wohlstands ab 1945. Die Klostergemeinschaft, die fast vier Jahrhunderte die Wirren und Stürme überdauert und den Ort über Jahrhunderte maßgeblich geprägt hatte, musste aufgrund des starken Rückgangs von Ordensleuten ihre Pforten schließen. 1993 verließen die letzten Franziskanerpatres Klosterlechfeld.

ist das Buch "Kloster in stürmischen Zeiten – Entstehung und Entwicklung des Klosters Maria Hilf" - Broschur, 108 Seiten, ISBN 978-3-00-045647-3 - unter anderem bei der Buchhandlung Schmid, Schwabmünchen, oder direkt über den Verlag „Das Blinkfeuer“ (www.das-blinkfeuer.de; E-Mail: info@das-blinkfeuer.de) zum Preis von 9,70 Euro zuzüglich Versandkosten.

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