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Schwabmünchen

05.11.2017

Das Museum wäscht weißer als Weiß

"Weißer als weiß" bietet einen unterhaltsamen Blick auf die Geschichte von Werbung und Produktgestaltung im Drogeriebereich
Bild: Privatsammlung Bernd Schönebaum

Gerahmte Schätze aus den 1920er bis 1960er Jahren zeigen in Schwabmünchen die bunte Welt der Werbung – und die Rolle der Frau.

Ist Sabine Sünwoldt plötzlich die neue Werbe-Ikone der Waschmittelkonzerne? Oder will die Leiterin des Schwabmünchner Museums das Haus in der Holzheystraße in einen wunderbaren kleinen Waschsalon verwandeln? Weder noch! Denn: Wenn ab November große Plakate mit dem damals kultigen Werbeslogan „Weißer als weiß“ in Schwabmünchen hängen, ist dies lediglich der Hinweis auf eine neue Ausstellung. Und die Exponate versprechen eine ganz besondere Zeitreise.

„Wir zeigen Reklameschilder aus dem Drogeriebereich ab den 1920er Jahren“, sagt Sünwoldt. Dem Jahrzehnt, in dem die „weiße Dame“ von Persil auf Litfaßsäulen und Plakaten ihren Siegeszug durch das ganze Land begann. „Weißer als weiß“ bietet einen unterhaltsamen Blick auf die Geschichte von Werbung und Produktgestaltung im Drogeriebereich. Sie ermöglicht daneben Schlüsse auf gesellschaftliche Entwicklungen und Rollenbilder. Und sie zeigt, dass sich im Grunde weder die Werbebotschaft für Drogerie-Artikel noch die Produktpalette seither wesentlich verändert haben.

Typisch für die beginnende Emanzipation der Frau

Was man damals beim Drogisten fand, findet man immer noch im Drogeriemarkt – abgesehen freilich von Gartenschläuchen und Schweinefutter. Und wer unter Gicht und Rheuma leidet, wird heute wohl gerne auf ein als „ausgezeichnetes Heilmittel“ angepriesenes Requisit verzichten: das Katzenfell.

Die gerahmten Schätze von anno dazumal zeigen auch mehr oder weniger deutlich das Rollenbild aus dieser Zeit. So prägt die Nivea-Werbung für Creme und Öl aus den 1930 Jahren eine junge Frau. Lässig die rechte Hand in weißen Fäustlingen auf der Hüfte gestützt, links ein paar Skier geschultert und ein gelber Winterpullover harmonieren mit blonden Haaren und blauen Augen. Vor allem aber die kurz geschnittene Frisur ist typisch für die beginnende Emanzipation der Frau in der damaligen Zeit. Doch nur wenig später wurde dieses zarte Pflänzchen vom Nationalsozialismus eliminiert.

Die klassischen Werbeplakate setzten auf eine fleißige Hausfrau

Es waren auf einmal wieder mehr geflochtene Zöpfe, marineblaue Röcke und weiße Blusen gewünscht. Nicht zu kurz kommt aber auch die Zeit des Wirtschaftswunders. So verspricht „Atrix“, die Glycerin-Creme für „überbeanspruchte Hände gepflegte Haut trotz harter Arbeit“. Die klassischen Werbeplakate setzten nämlich ganz auf eine fleißige Hausfrau, die brav im Kleidchen und mit Stöckelschuhen am Herd steht, während der Ehemann das Geld verdient.

So empfiehlt nicht von ungefähr ein „Handbuch für die gute Ehefrau“ aus dem Jahr 1955, sich abends „15 Minuten Pause“ zu nehmen, bevor der Mann heimkommt. Wichtig sei es schließlich, abends „schick und frisch“ auszusehen, das „Essen bereitzuhalten“ und vor allem „fröhlich“ zu sein. Die Ausstellung „Weißer als weiß“ lässt daher den Betrachter der abwechslungsreich gestalteten Plakate viel mehr entdecken, als die Werbung längst vergangener Innovationen der Drogerie-Industrie.

Unterschied zu heutigen Werbebotschaften ist nicht groß

„Gegen Unkraut Rasikal“ oder „Panol tötet“ und „Blett vor der Rasur und der Bart ist ab“: Die Sprache der Werbung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab sich gerne martialisch. Es wurde kein Zweifel gelassen an der sofortigen und absoluten Wirksamkeit des beworbenen Produkts. Doch abgesehen von der Wortwahl, ist der Unterschied zu den Werbebotschaften zur heutigen Zeit nicht eben groß.

„FEWA“ beispielsweise verspricht „Hausarbeit in halber Zeit“ und „Seifix bohnert wunderbar, mühelos und spiegelklar“. Als ob es Seifix persönlich wäre, das sich damit abmüht, Parkett glänzen zu lassen. Und während Schwarzkopf mit „extra-mild, extra-blond“ punkten möchte, zeigt Quick Creme Shampoo, wie es dem „müden Haar“ unglücklicher schwarz-weißer Frauenköpfe „neues Leben“ einhaucht. Ein strahlendes Gesicht in Farbe, umrahmt von wohlgeordneter Lockenpracht, ist der Beweis. Und wenn dann noch das passende Waschmittel gefunden wurde, das „weißer als Weiß“ wäscht, dann dürfte der Ehemann glücklich gewesen sein – zumindest in den 1950er Jahren. Die Ehefrau auch?

Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, 19. November, um 11.30 Uhr. Mit dabei ist unter anderem das Gesangsensemble La Ocassio, das für die passende Musik sorgen wird. Die Öffnungszeiten des Museums in der Holzheystraße 12 sind Mittwoch von 14 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr. An Feiertagen ist von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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