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Prozess in Augsburg

04.12.2019

Das Rätsel um Hunderte gestohlene Europaletten

Aus einem Logistikzentrum in Graben werden an einem Sonntag 335 Paletten gestohlen. Warum der angeklagte Mitarbeiter nicht verurteilt wird.
Bild: Benjamin Schwärzler

Aus einem Logistikzentrum in Graben werden an einem Sonntag 335 Paletten gestohlen. Warum der angeklagte Mitarbeiter nicht verurteilt wird.

Die Erleichterung steht dem 37-jährigen Angeklagten ins Gesicht geschrieben, als die Entscheidung am Amtsgericht Augsburg fällt. Die Anspannung fällt ab, in seinem Gesicht sind Ansätze eines leichten Lächelns zu erkennen. Aus gutem Grund, denn in den vergangenen Monaten standen schwere Vorwürfe gegen ihn im Raum.

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So soll der 37-Jährige, der in einem großen Logistikzentrum in Graben arbeitet, vor mehr als einem Jahr während des laufenden Betriebs insgesamt 335 Europaletten gestohlen haben. Der Mann, so der Vorwurf, habe an einem Sonntag die Paletten in einen Sattelschlepper samt Auflieger verladen und mit dessen Fahrer gemeinsame Sache gemacht. Nur wenige Euro kostet eine solch gebrauchte Europalette, im vorliegenden Fall war das gesamte Diebesgut etwa 1700 Euro wert.

Ein Lastwagen in Graben voll mit mehr als 300 gestohlener Europaletten

Der Lastwagenfahrer verließ samt der mehr als 300 Paletten das Gelände und fuhr wenige Kilometer weiter. Dort wurde er von Polizeibeamten überprüft, die zuvor von Angestellten des Logistikzentrums über den Diebstahl verständigt worden sind. Während der Lastwagenfahrer einen gegen ihn verhängten Strafbefehl bereits akzeptiert hat, wollte der angeklagte Lagerist einen Strafbefehl in Höhe von 4500 Euro nicht annehmen. Der Mann beteuerte vor Gericht immer wieder seine Unschuld. Am ersten Verhandlungstag Mitte November sagten mehrere Zeugen vor Gericht aus und belasteten den 37-Jährigen. Doch es gab ein Problem: Niemand hat gesehen, wer die Paletten in den Lastwagen lud. Die Zeugen vermuteten, dass es der Angeklagte gewesen sei, da er sich zu dieser Zeit in der Lagerhalle aufgehalten haben soll. Außerdem soll er sich an dem Tag nervös verhalten haben. Weitere wesentliche Verdachtspunkte gab es aber nicht.

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Lastwagenfahrer erscheint auch am zweiten Tag nicht vor Gericht

Da der an dem Diebstahl beteiligte Lastwagenfahrer am ersten Prozesstag nicht vor Gericht erschien, wurde die Verhandlung unterbrochen. Doch auch bei der Fortsetzung erschien der Mann nicht vor Gericht. Er sei nicht greifbar und unbekannt verzogen, klärte Richterin Melanie Koch auf. Auch die Aussage eines Polizeibeamten konnte in diesem Fall kein Licht ins Dunkle bringen.

Einer Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage lehnte Alexander Nerlinger, der Verteidiger des nicht vorbestraften 37-jährigen Angeklagten, ab: „Das können wir nicht machen, denn keiner hat etwas gesehen.“ Das Gericht stellte das Verfahren mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft und des Angeklagten ohne Auflagen ein. Das bedeutet, dass der Angeklagte nur die Kosten für seinen Anwalt selbst tragen muss, die Kosten für das Verfahren trägt die Staatskasse.

Das war am ersten Prozesstag in Augsburg geschehen: Wer hat Hunderte Europaletten aus Logistiklager gestohlen?

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