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Konzert

13.11.2019

Das Sofa, das ein Wildschwein war

Folkmusik vom Feinsten bot das „Floating Sofa Quartet“ in der Buchhandlung Schmid in Schwabmünchen.
Foto: Reinhold Radloff

Vier Folkmusiker verzaubern in der Buchhandlung Schmid

Was haben ein Wildschwein und ein Sofa miteinander zu tun? Und warum wird gerade so ein Thema in einer Buchhandlung in Schwabmünchen geklärt? Na klar: Die Buchhandlung Schmid ist für seine besonderen Aktionen ja bekannt. Doch bei diesem Thema handelt es sich, ganz einfach, um ein Konzert, nämlich das des „Floating Sofa Quartets“.

„Kommen zwei Dänen, ein Finne und ein Schwede in eine Buchhandlung.“ So begann Hans Grünthaler seine Anmoderation für ein Konzert, auf das er zwei Jahre hingearbeitet hatte und auf das er sich ganz besonders freute. Der Abend artete aber nicht in eine „Witz“-Veranstaltung aus (einen über das „Floating Sofa Quartet“ gibt es ohnehin nicht), sondern in einen musikalischen Genuss der Extraklasse.

Als die vier Musiker auf die kleine Bühne kamen, war dem Publikum in der voll besetzten Buchhandlung die Vorfreude schon ins Gesicht geschrieben. Und sie bestätigte sich bereits nach den ersten Tönen. Was die Folkfans zu hören bekamen, überzeugte: Die Harmonie des Quartetts und ihrer Instrumente war ein Genuss: die klassisch ausgebildete dänische Geigerin Clara Tescl, die finnische Akkordeonistin Leija Lautamaja, der schwedische Kontrabassist Malte Zeberg und der dänische Querflötist und Dudelsackspieler Mads Kjøller-Henningsen, sie legten gleich voll los, extrem in ihre Musik vertieft. Ob leise und nachdenklich, mystisch und verzaubernd, ob schwungvoll und tänzerisch, das Publikum genoss entweder mit geschlossenen Augen gedankenversunken oder mit dem ganzen Körper wippend die Musik.

Zwei CD erschienen bisher von dem eingeschworenen Viererteam, das es seit fünf Jahren gibt, bisher: eine mit eigenen und eher modernen Stücken und eine mit alten unter anderem aus dem 17. Jahrhundert, die in nordischen Ländern bei den jungen Musikern und dem Publikum immer beliebter werden.

Dass die Vier von „Floating Sofa“ so gut wie kein Wort deutsch sprachen, war kein Problem. Die englischen Moderationen waren gut verständlich und nett. Entscheidend war aber die Musik, der Wohlklang der Instrumente und deren Zusammenspiel. Je schneller das Stück, umso enthusiastischer gingen die Musiker selbst mit, und ihre Begeisterung sprang auf die Zuhörerschaft über.

Gesungen wurden an diesem Abend nur zwei oder drei Textzeilen, ansonsten ließ das Quartett bei seinem ersten Konzert in Deutschland und in einer Buchhandlung die Instrumente sprechen. Es verstand es bestens, die Themen der Stücke, zum Beispiel den Herbst, den Sommer oder den betrunkenen Teufel rüberzubringen.

Grünthaler zeigte sich nach dem Konzert so begeistert, dass er es zu einem der schönsten Abende in seiner Buchhandlung erklärte und auf seine noch immer vorhandene Gänsehaut verwies. Das Publikum bestätigte diesen Eindruck durch frenetischen Applaus.

Ach ja: das Wildschwein und das Sofa – die vier Folkmusiker beteiligten sich 2013 an einer großen Konferenz der nordischen und baltischen Folkmusikstudiengänge Nordtrad in Vilnius, saßen zufällig an einem Fluss zusammen und stellten sofort ihre musikalische und menschliche Übereinstimmung fest, als in der Strömung etwas ungewöhnlich Großes auftauchte. Es war kein schwimmendes Sofa, wie sie anfangs dachten, sondern ein totes Wildschwein. Das neue Ensemble und dessen Name waren geboren. (rr-)

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