Newsticker

Zugspitzbahn stellt Betrieb für Ausflügler ab Samstag ein
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Das Urgestein der Gesamtschule geht in den Ruhestand

Schwabmünchen

15.04.2015

Das Urgestein der Gesamtschule geht in den Ruhestand

Jürgen Scholz beim Dirigieren.

Das Leben von Musiklehrer Jürgen Scholz: Wie es war, wie es ist, wie es wird

Sein Name ist in Schwabmünchen und Umgebung in aller Munde. Jeder Schüler des Leonhard-Wagner-Gymnasiums kennt ihn und jeder, der auch ein wenig lokal musikalisch begeistert ist, besuchte schon mal eines seiner Konzerte oder Musicals. Die Rede ist von Musiklehrer Jürgen Scholz. Jetzt ist das Urgestein der Gesamtschule im Ruhestand und blickt auf ein prall gefülltes Leben zurück und voraus.

Als „schlimm“ bezeichnet Scholz seine Anfänge an der Gesamtschule in Schwabmünchen, die 1975 noch in der Aufbauphase war. „Bei einer Umfrage unter etwa 2000 Schülern interessierten sich zwei für den Chor und vier fürs Orchester. Das war deprimierend.“ Weil Unterrichtsstunden für ihn fehlten, gab er viel Instrumental- und Förderunterricht mit bis zu 40 Schülern, „mit wenig Effekt“, erinnert er sich mit Schrecken. Es dauerte viele Jahre, bis sich so langsam Erfolge einstellten, bis auch ein paar wenige Spitzenkräfte gefördert werden konnten, bis er es wagte, mit Chor und Orchester auch mal an die Öffentlichkeit zu gehen, Frühjahrs-, Sommer-, Weihnachtskonzerte und Hausmusikabende zu geben. Spätestens mit dem ersten Musical 1992 kam dann der Durchbruch: „Tabaluga“. „Dafür kam so richtig Begeisterung auf“, erinnert sich Scholz und erklärt stolz: „Wir haben in den Jahren danach mehr Musicals auf die Beine gestellt, als jedes andere bayerische Gymnasium.“ Nach seinem Lieblingswerk gefragt, zögert er lange: „Alle waren toll. Aber ‚Irgendwo in Europa‘, das war schon der Höhepunkt.“

Wie viel Stunden Arbeit seinerseits in jedem Musical stecken, darüber hat er nie Protokoll geführt. „Hunderte“, meint er. „Oft schrieb ich schon weit über 100 Stunden die Notensätzen um, um sie für schulische Zwecke brauchbar zu machen.“ Ausstattung, Kulissen, Proben, Organisatorisches, die Arbeit nahm kein Ende. Und weil die Schule anfangs nicht einmal die Kosten übernahm, schoss er zusätzlich oft fünfstellige Summen privat vor, bis sie durch Zuschauereinnahmen wieder reinkamen. Dazu kamen auch noch: Chor und Orchester, Konzerte, szenische Kantaten – und das alles neben dem ganz normalen Unterrichtsumfang. Da blieb bei all den zusätzlichen zeitraubenden Beschäftigungen (siehe Kasten) für Freizeit nichts übrig. „Wenn die Familie nicht mitgezogen hätte, wäre es ohnehin nicht gegangen“, sagt er und erzählt begeistert, wie viel Herzblut er in seine Projekte gesteckt hat und wie befriedigend die Ergebnisse waren.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Und dann von hundert auf null: keine Schule, keine Musicals, keine öffentlichen Auftritte mit Chor und Orchester, keine Nebentätigkeiten, kein Proben, nichts mehr. Seit wenigen Tagen herrscht erstmals seit Jahrzehnten Ruhe. „Das wollte ich so“, sagt er und meint weiter: „Jetzt kommt die Zeit der Neuorientierung.“ Und wie sieht die aus? „Keine Ahnung. Ich bin offen für alles. Angebote habe ich genügend. Aber ich möchte gerne etwas Eigenes aufziehen.“ Seine Gedanken: „Drei Viertel meiner Zeit musste ich mit nicht künstlerischen Aufgaben verbringen. Korrekturen, kaputten Notenständern, Kartenverkauf und vieles mehr. In Zukunft will ich mehr künstlerische Freiheit haben.“

Und wie sieht nach Scholz’ Meinung das musikalische Leben am Gymnasium in Zukunft aus? „Die Zeiten werden schwieriger. Mal sehen, wie das meine Nachfolgerin Sandra Möhring meistert.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren