Schwabmünchen

28.02.2018

Das Wasser des Lebens

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2 Bilder
Die echten Whiskykenner trinken den edlen Brand aus handwarmen Schwenk-gläsern.
Bild: Hieronymus Schneider

Beim Whisky-Tasting im Germars kommen Kenner auf ihre Kosten. Eine Flasche hat einen besonderen Namen aus unserer Region

Einmal im Jahr veranstaltet Germar Thiele sein Whisky-Tasting und auch bei der vierten Auflage war das „Germar´s“ an der Sportanlage jeder Platz besetzt. Die meisten Gäste waren zum ersten Mal dabei, nur für etwa zehn war es ein Wiederholungsseminar. Die Bezeichnung Seminar hat durchaus ihre Berechtigung, denn für das notwendige Hintergrundwissen über die Geschichte, Herstellung und Sorten dieser edlen Spirituose sorgte wieder Hans-Jürgen Filp von Sin-Gold-Whisky aus Wehringen mit einer aufschlussreichen Power-Point-Präsentation und vielen nebenbei erzählten Geschichten. Für den Gaumengenuss war Germar Thiele zuständig, der auf der Spirituosenmesse im Münchner MVV-Museum edle Sorten probiert und eingekauft hat. Die Preise für diese edlen Brände, die nicht in Discountmärkten erhältlich sind, bewegen sich zwischen 30 und 120 Euro pro Flasche. Fünf Sorten aus den Herkunftsländern USA, Schottland, Südafrika, Irland und Japan wurden serviert. Den Abschluss machte der Sin-Gold-Whisky aus eigener Herstellung. Zwischen den hochprozentigen Degustionen gab es ein Drei-Gänge-Menü aus Germar´s Küche zur Stärkung des fachkundigen Publikums. Dass Whisky aus Getreidemaische durch Destillation hergestellt wird, gehört zum Grundwissen. Doch erst die Reifung im Eichenfass macht den farblosen Schnaps goldgelb und nach mindestens drei Jahren darf er sich Whisky oder Whiskey (wie in USA und Irland üblich) nennen. „Ein Whiskykenner wird ihn nie mit Cola oder Eiswürfel trinken, denn das verfälscht den Geschmack und kühlt die Aromen herunter“, sagte Hans-Jürgen Filp über Fehler, den überwiegend junge Leute begehen. 70 Prozent des Geschmacks macht die Fassgärung aus und jedes Fass schmeckt anders, aber auch die Form des Glases beeinflusst die Aromen, sagte der Experte und ergänzte „Whisky muss erst durch die Nase und dann durch langsames Zergehenlassen im Gaumen in seiner ganzen Aromafülle wahrgenommen werden“. Im handwarmen Schwenkglas wurde dann auch der Yellowstone Kentucky Straight Bourbon serviert. „Bourbon“ bedeutet, dass der Whisky zu mehr als 50 Prozent aus Mais hergestellt wurde. Steigt der Maisanteil auf über 80 Prozent, wird das Produkt als „Corn“ bezeichnet. „Rye“ bedeutet überwiegend Roggen- und „Wheat“ überwiegend Weizenanteile. Weil in den USA die Fässer nur einmal verwendet werden dürfen, kauft Filp überwiegend von dort seine Fässer zur Reifung seines Sin-Gold-Whiskys. In Europa werden auch alte Fässer nach einem Branding wieder verwendet. Zum Ende des Reifeprozesses (Finishing) werden gerne alte Sherry- oder Portweinfässer genommen, die aber nicht geschwefelt sein dürfen. So ein Fass kostet zwischen 180 und 340 Euro, ganz alte Sherryfässer werden bis zu einem Preis von 800 Euro gehandelt. Nach dem ersten Gang, einem Garnelensalat, ging die imaginäre Reise nach Schottland, einem der Whisky-Heimatländer. Filp stellte mit dem 15 Jahre alten „Tormore“ aus der Gordon&McPhail Private Collection die Region Speyside in den schotttischen Highlands vor. „Dort konnte sich die Whiskyherstellung am besten entwickeln, weil die Steuereintreiber aus London nicht so leicht bis dorthin durchkamen“, erklärte er. Nach einem Burger oder einer Pizza nach Wahl kam der preisgünstigste Whisky des Abends auf den Tisch. Der „Bain´s Single Grain Cape Mountain“ aus Südafrika mit 40 Prozent Alkohol kam bei den Gästen aber ausgesprochen gut an. Die Bezeichnung „Grain“ bedeutet, dass die Destillation nicht mit Maische, sondern Getreidekörnern durchgeführt wurde. Höher im Alkoholgehalt lag mit 58,1 Prozent der zwölf Jahre alte Klassiker aus der Temple Bar in Dublin. Davon kostet eine Flasche 80 Euro. Irland gilt als Ursprungsland des Whiskeys seit St. Patrick im fünften Jahrhundert dieses „Aqua Vitae (Wasser des Lebens)“ auf der Suche nach Arzneimitteln fand. Im Jahr 1296 wurde es in Irland erstmals dokumentiert. Überraschend hat sich in neuerer Zeit auch Japan zu einem bedeutenden Herstellungsland entwickelt. Der Konzern Suntory betreibt große Distillerien in den japanischen Bergen und errang seit 2015 mit seinen „Blended-Whiskys“ durch Verschnitt verschiedener Sorten höchste Auszeichnungen. In seiner markanten viereckigen Flasche war der „Suntory Royal Blue Label Blended Whisky“ eine Attraktion im Germar´s. Zum Finale nach dem Lavakuchen mit heißer Schokoladenfüllung stellte Hans-Jürgen Filp seine Eigenmarke, den Singold Dinkelwhisky mit 57,7 Prozent Alkohol vor. Dieser wurde vier Jahre lang im „gebrandeten“ Bourbon-Fass von Jack Daniels und danach noch in einem Portweinfass ausgereift. Die Flasche für 65 Euro ist nur bei Sin-Gold-Whisky in der Germanenstraße 1 in Wehringen zu kaufen. In der seit September betriebenen Schau- und Erlebnisbrennerei sollen künftig 50 Fässer pro Jahr produziert werden. Am 15. März eröffnet Filp dort auch ein kleines Restaurant. Die wahren Genießer im Germar´s gönnten sich zum Abschluss des Whisky-Tastings noch eine gute Zigarre.

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