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Königsbrunn

18.10.2018

Das Zentrum zieht den Verkehr an

Zwischen 11000 und 14000 Fahrzeuge sind pro Tag auf der Bgm.-Wohlfarth-Straße unterwegs, hat eine Verkehrszählung im April und Juli 2018 ergeben. Die Zahl der Radler in diesem Abschnitt nahm von April bis Juli auf etwa 2800 pro Tag zu.
Bild: Hermann Schmid

Auf Wertachstraße und Lechstraße umfahren viele Königsbrunn. Doch innen bleibt es voll. Die Schlussfolgerungen der Stadträte fallen unterschiedlich aus.

Die jüngste Verkehrszählung in Königsbrunn soll unter anderem als Basis für Entscheidungen zur künftigen Gestaltung der Bgm.-Wohlfarth-Straße im Stadtzentrum dienen. Doch sie wurden bei der Vorstellung im Stadtrat von zwei Fraktionen ganz unterschiedlich interpretiert.

Die Zahlen zeigen unter anderem, dass auf der Bgm.-Wohlfarth-Straße zwischen den Kreisverkehren innerhalb von 24 Stunden zwischen 10 200 Kraftfahrzeuge im Süden und 14 000 bei St. Ulrich unterwegs sind. Das sind in etwa so viel Fahrzeuge, wie an einem Tag auch auf den entsprechenden Abschnitten von Wertachstraße und Lechstraße, also der West- und der Ostumfahrung des Zentrums, unterwegs waren.

„Ein hoher Anteil umfährt das Zentrum“, leitet Helmut Schuler (Freie Wähler) daraus ab. „Viele fahren aber auch rein ins Zentrum, um dort was zu erledigen. Das müssen wir bei der Planung für ein neues Zentrum beachten.“ Florian Kubsch (SPD) sieht es anders: „Das ist überwiegend Durchgangsverkehr.“ Der Rückbau auf zwei Fahrbahnen von 2004 habe wenig bewirkt, so Kubsch. „Das sind sehr hohe Zahlen, ein Niveau wie bei der Vierspurigkeit.“

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Bislang gibt es kein Modell für die Brechnung des Pkw-Verkehrs

Josef Marko, Leiter der Abteilung Straßenverkehr im Rathaus, merkt dazu an, dass es auf der vierspurigen Hauptstraße sehr viel mehr Verkehr gegeben habe. Doch für Kubsch steht fest: „Leider haben wir bislang kein Modell für die Brechung des Pkw-Verkehrs.“ Der Stadtrat müsse zusätzliche Schritte erwägen, etwa eine Tiefgarage im Zentrum, die von der Bgm.-Wohlfarth-Straße leicht zu erreichen sei. Bürgermeister Franz Feigl versichert, sich darüber auch Gedanken zu machen, man habe dies den Planern als Auftrag mitgegeben.

Alwin Jung (Grüne) fordert Lösungen für mehr öffentlichen Personennahverkehr und mehr Radler, also Alternativen zum Auto. „Wollen wir weiter über 14 000 Autos im Zentrum?“ Das sei für die Menschen, die sich dort aufhalten, „einfach nicht akzeptabel“.

„Ein Workshop für das Zentrum macht wenig Sinn, wenn wir keine Lösung haben, wie wir den Durchgangsverkehr rausbringen können“, stellt Norbert Schwalber (CSU) fest. Da stelle sich zudem die Frage, wie belastbar die Umgehungsstraßen im Osten und Westen noch sind.

Der Anteil schwerer Lkw ist sehr niedrig

Im Gespräch mit unserer Zeitung betonte Marko, dass sowohl das Stadtzentrum wie auch die innerörtlichen Umfahrungen sehr stark mit Kraftfahrzeugen belastet sind. Positiv sei aber zu sehen, dass sich der Verkehr ziemlich gleichmäßig verteile, weil in Königsbrunn eine „spinnnetzartige“ Straßenführung in das und aus dem Zentrum vorhanden sei. Es gebe keine deutlich erhöhte Konzentration in einzelnen Abschnitten. Auch sei der Anteil von schweren Lkw sehr niedrig – mit Ausnahme der Verbindung zwischen der B 17-Anschlussstelle Süd und der Meringer Straße.

Die Betrachtung der seit August 2017 am Europaplatz gesperrten Rathausstraße zeigt laut Marko, dass sich der Autoverkehr zum größten Teil in von-Eichendorff- und St. Johannes-Straße verlagert habe. Wenn nun neue Wohnungen im Zentrum entstehen, müsse man auch überlegen, wie dieser zusätzliche Verkehr geführt werde. Das sei auch bei den neuen Baugebieten südöstlich des Gautschplatzes ein wichtiger Aspekt.

Wie können diese Richtung Mering angeschlossen werden, ohne dass sich Gartenstraße und St. Johannes-Straße zu einer Ost-West-Verbindung entwickeln?

Die Verkehrszählung lieferte auch Zahlen über Radler und der Fußgänger an markanten Punkten. Für Josef Marko zeigen sie, dass viele Königsbrunner das Rad nutzen, sobald das Wetter mitspielt. Im Zentrum waren im Juli bis zu 3000 Radler pro Tag unterwegs, im April höchstens 2000. An anderen Messpunkten habe sich die Zahl der Radler von April zum Juli sogar vervielfacht, so Marko. Parallel zur alten B 17 habe sich der Alte Postweg zu einer vielbefahrenen Nord-Süd-Achse für Radler entwickelt - nicht nur von Schülern.

14000 Kraftfahrzeuge auf der alten B17

Doris Lurz (Grüne) ist der Hinweis wichtig, dass Radler im Zentrum die Pkw-Fahrbahn benutzen dürfen. Sie werde aber regelmäßig angehupt, wenn sie das tue: „Die Autofahrer sollten darüber nochmals informiert werden!“ Peter Sommer (BbK) hält das bei 14 000 Kraftfahrzeugen auf der alten B17 für zu gefährlich. Auch Norbert Schwalber bemerkt: „Ich würde niemals einem älteren Menschen empfehlen, hier auf der Fahrbahn zu fahren.“ Zumindest diese Einschätzung quittieren viele Stadträte mit zustimmendem Klopfen.

In einer aufwendigen Aktion hat die Stadtverwaltung zuvor durch ein Fachbüro im April und im Juli dieses Jahres die Zahl der Verkehrsteilnehmer auf wichtigen Straßen in der Stadt erfassen lassen (siehe Infokasten). An einigen Punkten wurden auch Radler und Fußgänger gezählt. Die Ergebnisse der Erhebung an über 40 Zählpunkten stehen nun zur Verfügung.

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