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Klosterlechfeld

18.12.2019

Das bewegte Leben von Marianne und Anton Erker

Bürgermeister Rudolf Schneider (rechts) gratulierte Anton und Marianne Erker zur Eisernen Hochzeit.
Bild: Hieronymus Schneider

Ehepaar aus Klosterlechfeld feiert eiserne Hochzeit. Sie bewältigten viele Hindernisse. Es geht um Flucht, Vertreibung, Trennung und eine Kanada-Auswanderung.

Es ist ein bewegtes Leben, auf das Anton und Marianne Erker zurückblicken können. Ein Leben voller Wendungen, vieler glücklichen, aber auch vieler dramatischer Momente. Das Ehepaar aus Klosterlechfeld ist seit 65 Jahren verheiratet und feierte damit ihre eiserne Hochzeit. Der 87-jährige Anton Erker und seine 83-jährige Frau erinnern sich gerne an die gemeinsame Zeit. Wobei es das Schicksal vor allem mit Anton in den ersten Lebensjahren nicht gerade gut meinte.

Geboren ist der Jubilar in der deutsch-österreichischen Kolonie „Ferdinand I“ nahe der rumänischen Hafenstadt Konstanza am Schwarzen Meer. Sein Vater war Fassbinder und Wagner und ließ die Felder von Bauern bewirtschaften, die ihn mit ihren Erträgen bezahlten. „Wir hatten Schweine und Hühner und es fehlte an nichts“, sagt Anton. Doch mit sechs Jahren dann der Schock: Anton wurde von einem Erntewagen überrollt. „Mein Vater hatte schon einen Kindersarg geschreinert, aber nach eineinhalb Jahren erholte ich mich wieder“, sagt er.

Der Zweite Weltkrieg vertrieb die Familie gleich doppelt

Das gute Leben in der ehemaligen Kolonie des Kaiserreichs Österreich-Ungarn endete abrupt mit dem Kriegsausbruch 1939, als die Familie Erker zusammen mit allen Deutschstämmigen „heim ins Reich“ geholt wurde. Anton war da erst sieben Jahre alt. Es folgten unsägliche Wanderjahre auf Planwagen „wie im wilden Westen“ und in Barackenlagern. In der Nähe von Prag wurde sein Vater zum Militär eingezogen. Nach Kriegsende musste seine kranke Mutter mit ihm und sieben Geschwistern wieder drei Monate zu Fuß und dann in Eisenbahnviehwaggons zurück in die alte Heimat. Ein kleiner Bruder starb auf dem Weg an Mangelernährung. „In Ferdinand I waren wir aber nicht mehr willkommen und es ging uns dort sehr dreckig. Wir mussten auf Strohlagern schlafen und litten Hunger“, erzählt Anton.

Das bewegte Leben von Marianne und Anton Erker

1947 wurden sie zusammen mit 50 anderen Familien nach Pirna in Sachsen umgesiedelt und in einem Aufnahmelager für heimkehrende Soldaten aufgenommen. „Groß war unsere Freude, als dort auch mein Vater ankam“, lächelt Anton. Die wieder vereinte Familie wollte weiter in die westliche Besatzungszone , aber an der Grenze bei Hof wurden sie zurückgewiesen und sie wichen nach Eisenach aus. Von dort wagte Anton mit vier anderen jungen Männern die Flucht über den Grenzfluss Werra ins hessische Eschwege. Von US-Soldaten wurden sie in ein Auffanglager nach Gießen gebracht, in dem wie durch ein Wunder auch Antons Eltern ankamen. 1948 kam Anton Erker als 16-Jähriger ins Klosterlechfeler Südlager.

Bürgermeister-Tochter sollte keinen Flüchtling „daherbringen“

Er ging in eine Jugendgruppe im Klostersaal und begegnete dort seiner späteren Frau Marianne Wörle, der Tochter des Keksfabrikanten und früheren Bürgermeisters Wikterp Wörle. Beim Theaterspielen in der Jugendgruppe kamen sie sich näher. „Mein Vater war nicht gerade begeistert, dass ich einen Flüchtling daherbringe“, sagt Marianne und schmuzelt. Eine Woche nach ihrem 18. Geburtstag, am 15. Dezember 1954, haben sie geheiratet. Die kirchliche Trauung fand im Augsburger Dom mit dem Klosterlechfelder Pater Peter Effinger statt. Das junge Paar wohnte im Austragshaus des Wörle-Anwesens, bald kam Sohn Robert zur Welt.

Weil es damals in Klosterlechfeld nur gelegentlich Arbeit beim Straßen- oder Gasleitungsbau gab, wagte die junge Familie die Auswanderung nach Kanada. Ein Bruder Antons hatte diesen Schritt schon vor ihm getan. An der Westküste in Vancouver fand Anton Arbeit in einer Schuhfabrik und verdiente sich nebenbei noch mehr Geld beim Ausbau von Holzhäusern. Die kleine Familie selbst wohnte in einem alten Haus für 15 Dollar Miete im Monat. Marianne verdiente als Haushaltshilfe bei einer österreichischen Familie noch etwas dazu. Nach zweieinhalb Jahren plagte sie das Heimweh und sie kehrten im September 1958 mit dem Schiff in drei Tagen wieder nach Deutschland zurück.

Ein Bauplatz ließ die Erkers wieder in Klosterlechfeld heimisch werden

Nach einem Kurzaufenthalt in Klosterlechfeld zogen sie nach Ingolstadt, wo Anton als Schweißer Arbeit fand. Jedes Wochenende fuhren sie nach Klosterlechfeld und halfen in der Backstube der Keksfabrik. 1967 erbten sie einen Bauplatz in Klosterlechfeld und bauten mit viel Eigenleistung ihr Haus, in dem sie heute noch wohnen. Anton wechselte seinen Arbeitsplatz zur Firma MAN in Augsburg, wo er bis zum Renteneintritt vor 22 Jahren blieb. Seine handwerkliche Begabung lebte er daheim in seiner Kellerwerkstatt aus. Mit und für seinen Sohn Robert, der Grafiker und Designer wurde, baute und drechselte er maßstabsgetreue Modelle. Einige fanden sogar Aufnahme in Museen, wie ein Nachbau eines römischen Bettes in Augsburg. Marianne sorgte immer für den Haushalt und hält bis heute Haus und Garten in Schuss. In der Rente fand das Ehepaar Erker Zeit für Fernreisen nach Hawaii und Indien und besuchten immer wieder mal ihre vorübergehende Heimat in Kanada.

Ihr Geheimnis für eine lange glückliche Ehe? Anton sagt: „Immer zusammen halten und nach der Arbeit nach Hause gehen, nicht ins Wirtshaus.“ Anlässlich ihres 65. Ehejubiläums wurden sie von Bürgermeister Rudolf Schneider besucht, der nicht nur mit einem Geschenkkorb von der Gemeinde kam, sondern auch einen Wandkalender mit den Glückwünschen des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder überreichte.

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