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24.11.2019

Das klassische Grab hat ausgedient

Friedhöfe spiegeln die Gesellschaft: Klassische Gräber werden seltener, andere Bestattungsformen machen sich immer mehr breit. Jetzt gibt es schon die letzte Ruhe in der Bio-Urne.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Der Wandel der Bestattungskultur verändert die Friedhöfe in der Region. Das Interesse an alternativen Grabformen wächst. Neuester Trend: die Bio-Urne.

Die Gesellschaft ist im Wandel. Immer mehr werden Werte und Normen infrage gestellt. Auch die Bestattungskultur hat sich in den vergangenen Jahren drastisch verändert. Wo es früher nur Einzel- oder Doppelgräber gab, geht der Trend heute nicht nur zur Urnennische. Dieser Trend wird auch in der heimischen Region deutlich. Die Wünsche der Angehörigen nach pflegefreien Grabformen und alternativen Bestattungsangeboten stellen Städte und Gemeinden vor große Herausforderungen. Sie verändern aber auch das Aussehen der Friedhöfe. Immer mehr Lücken in den Gräberfeldern, dafür hastig aufgestellte Urnenwände.

Der Bundesverband Deutscher Bestatter warnt bereits: Die Friedhöfe würden immer defizitärer. Die Flächen und ihr Unterhalt waren früher leicht zu finanzieren. Die Kommunen hätten es verpasst, zeitgemäße Bestattungsformen zu schaffen. Schon seit 2016 mahnt der Deutsche Städtetag die Verantwortung der Kommunen an, das Kulturgut Friedhof als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge zu erhalten und die sozialen, ökologischen und kulturellen Wertigkeiten der Friedhöfe für die Zukunft zu sichern.

64 Prozent der Verstorbenen werden mittlerweile eingeäschert

Vor der Jahrtausendwende machten Beerdigungen mit Sarg den Großteil aus. Heute läuft die Urne dieser Begräbnisform den Rang ab. Sie wird in Mauern, unter Bäumen oder in Minigräbern deponiert. Laut einer Umfrage werden mittlerweile in Deutschland 64 Prozent aller Verstorbenen eingeäschert.

Dieser Trend macht sich auch in der Lechfeld-Gemeinde Untermeitingen bemerkbar. „Seit rund fünf Jahren besteht bei uns ein Run auf Urnengräber“, berichtet Bürgermeister Simon Schropp. Diese Entwicklung bestätigt Klaus Förster von der Stadt Königsbrunn: „In den letzten Jahren ist der Anteil der Urnenbestattungen bei uns auf 70 Prozent gestiegen.“ Eine ähnliche Richtung gebe es in Bobingen, so Lieselotte Sturm, die dort für das Bestattungswesen zuständig ist. Mittlerweile seien rund zwei Drittel Urnenbestattungen. Eine Tendenz, die auch Franziska Küstler von der Schwabmünchner Friedhofsverwaltung bestätigt.

Küstler verweist auch darauf, wie dieser Wandel zu erklären ist: „Den Angehörigen fehlt oft die Gelegenheit, eine Grabstätte zu besuchen und zu pflegen.“ Deshalb seien pflegefreie und möglichst kleine Gräber gewünscht. Das komme den Urnen entgegen, weil sie weniger Platz benötigen. Lieselotte Sturm spricht noch ein weiteres Argument an: „Der pflegeleichte Trend und die Feuerbestattung sind zudem preisgünstiger.“

Auf den Friedhöfen werden immer mehr Flächen frei

Die neue Bestattungskultur verändert das Aussehen der Friedhöfe. Immer mehr Leerräume entstehen. So hat die Gemeinde Untermeitingen den alten Friedhofsteil mit großen Grabflächen aufgelöst. „Aus einer großen Grabstätte haben wir zwei gemacht“, informiert Bürgermeister Simon Schropp. Darüber hinaus seien Urnenstelen hinzugekommen. Gefragt sei auch die Bio-Urne mit einer nur noch kurzen Ruhefrist von zehn Jahren. Ähnlich reagiert die Stadt Bobingen. „Wo Freiflächen entstehen, bieten wir Urnengräber an“, so Lieselotte Sturm. Auch Baumbestattungen sind in der Kommune nicht mehr ungewöhnlich: „Wir haben dafür zwei neue Bäume gepflanzt. Wir reagieren auf den Wandel und schauen, wo die Reise hingeht,“ so Lieselotte Sturm.

Die Friedhöfe in Scherstetten, Langenneufnach und Walkertshofen verfügen derzeit über acht, zehn und 27 Prozent freie Stellen bei Familien- und Einzelgräbern, erzählt Brigitte Schmid. In Konradshofen seien momentan 15 Prozent im alten und 90 Prozent im neuen Friedhofsteil frei. Überall seien Urnenwände vorhanden, in Scherstetten in Planung. In Schwabmünchen werden Leerstände verstärkt zu pflegefreien Urnengemeinschaftsanlagen zusammengefasst.

Königsbrunn setzt auf den Parkcharakter des städtischen Friedhofs

Die Stadt Königsbrunn reagiert auf langfristige Weise. Um den großen Herausforderungen zu begegnen, erarbeitet die Kommune mit Friedhofsplanern ein Konzept. Es soll den Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechen und die Friedhöfe zukunftsfähig machen. „Wir haben das Problem erkannt und wollen uns mit dem Konzept Friedhof 2050 für die veränderten Anforderungen wappnen und die Aufenthaltsqualität verbessern“, sagt Klaus Förster. Dazu gehöre unter anderem, den bisherigen Parkcharakter fortzuführen, mehr Sitzgelegenheiten zu schaffen und die Aussegnungshalle umzubauen, Abschiedsräume zu gestalten und Urnennischenplätze anzubieten.

Das ermögliche den Familien der Verstorbenen Raum für Trauer, Rückzug und Begegnung, ergänzt Förster. Damit werde der Friedhof mehr als nur zu einem Ort der Bestattung.

Das Konzept sieht wegen des hohen Anteils der Urnenbestattungen vor, künftig Sargbestattungen im unteren „Harfenbereich“ des Friedhofs zu konzentrieren. An anderen Stellen könnten dann Urnen und ein Friedwald Platz finden. Neue Wiesenbestattungen seien auch denkbar, meint Förster. Damit wolle sich Königsbrunn für die Zukunft positionieren.

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