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07.01.2019

Das sind die ersten Bäume im Wald der Zukunft

Dem Borkenkäfer und den Stürmen haben vor allem diese Weißtannen widerstanden. Für Förster hat diese Baumart viel Potenzial, den Klimawandel zu überdauern.
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Dem Borkenkäfer und den Stürmen haben vor allem diese Weißtannen widerstanden. Für Förster hat diese Baumart viel Potenzial, den Klimawandel zu überdauern.
Bild: Marcus Merk

Plus Der Winter ist nicht nur im Landkreis die wichtige Zeit der Holzernte und der Jagd. Nach dem trockenen Sommer spielt der Klimawandel eine entscheidende Rolle.

Die deutlichen Zeichen des Klimawandels stehen mitten im Wald. Hier zum Beispiel bei Biburg. Da ragen zehn weißgraue Stämme viele Meter hoch in die Luft, über hundert Jahre sind sie alt. Wer direkt vor ihnen steht, muss sich weit nach hinten lehnen und den Kopf in den Nacken legen, um sich die Krone anzuschauen.

Ralf Gang und Pentti Buchwald vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) deuten allerdings nicht nach oben, sondern auf die freie Fläche, die die Bäume umgibt. „Rundherum standen überall Fichten. Doch die hat entweder der Borkenkäfer befallen oder der Sturm hat sie umgefegt.“ Nur noch die zehn Weißtannen sind übrig geblieben. „Sie haben gute Chancen, die Veränderungen des Klimawandels zu überstehen.“

Weil die Experten vom AELF die Weißtannen als zukunftsträchtige Baumart einschätzen, schützen die Förster diese Bäume, damit sie nicht gefällt werden. Denn mit dem Winter ist für die Waldarbeiter die Zeit gekommen, das Holz zu ernten. Die Bäume haben sich auf Frost, kurze Tage und wenig Licht vorbereitet und die Feuchtigkeit aus dem Holz zurückgezogen. Sie befinden sich jetzt in der Saftruhe und haben ihr Wachstum eingestellt. Pentti Buchwald erklärt: „Jetzt bilden sich auch die Jahresringe im Holz, die sozusagen das jährliche Wachstum dokumentieren.“

Für das Jahr 2018 wird der Jahresring wohl eher dünn ausfallen

Die Experten sind überzeugt: Für das Jahr 2018 wird der Jahresring eher dünn ausfallen, da der Sommer zu trocken und zu heiß war. Die beiden Förster zeigen an einigen gefällten Lärchenstämmen, die an einem Wegrand aufgeschichtet sind, wie solche Jahresringe aussehen können. Und sie warnen: „Wir Förster freuen uns über jeden Besucher im Wald. Aber im Winter muss man wirklich aufpassen bei den Fällarbeiten.“ Die Waldbesitzer sperren deshalb Wege ab, damit nichts passieren kann. Pentti Buchwald: „Achtung Lebensgefahr stimmt hier wirklich.“

Die Experten sind sich einig: Die Lärchenstämme sind tolles Holz, aber zu wertvoll, um zu Brennholz verarbeitet zu werden. Deshalb werden aus dem Lärchenholz zum Beispiel Möbel gefertigt. Pentti Buchwald: „Das muss man sich vorstellen: Diese Bäume wurden im alten bayerischen Königreich gepflanzt. Und heute müssen wir den Wald genauso pflegen, damit unsere Ururenkel ebenso tolles Holz ernten können.“

Das sei für die Förster auch das Besondere an ihrem Beruf: „Wer hat schon die Möglichkeit, so weit für die Zukunft zu arbeiten und so viel für kommende Generationen zu tun?“

Doch nicht alle Bäume im Wald sind so wertvoll und müssen deshalb gefällt werden. Ralf Gang: „Diese Stämme müssen Platz machen, damit junge Eichen, Buchen und Edellaubhölzer, die in Zeiten des Klimawandels mehr Sicherheit geben, besser wachsen können.“

Die jüngeren Bäume werden erst in Jahrzehnten richtig wertvoll werden

Um die jüngeren Bäume, die erst in Jahrzehnten richtig wertvoll werden, kümmert sich unter anderem Tobias Veh, Revierleiter bei den Bayerischen Staatsforsten: „Zu uns kommen viele Privatleute, die ihr Brennholz für den Eigenbedarf schlagen.“ Der Förster markiert für sie im Winter die Bäume, die weg- müssen, die Holzfäller kommen dann mit Motorsäge und Ausrüstung. „Das geschlagene Holz vermesse ich und berechne dafür einen bestimmten Preis.“ Für einen Raummeter verlangt Veh ungefähr 30 Euro. „Aber den Leuten geht es nicht ums Geld. Sie schlagen selbst, weil es ihnen einfach Spaß macht.“

So geschäftig Menschen im Winter im Wald sind, für die Wildtiere bedeutet diese Jahreszeit vor allem Ruhe. Im Herbst haben sie sich mit fetten Bucheckern und Eicheln Winterspeck angefressen. Jetzt warten sie, wie der Winter sich entwickeln wird. Da das Reh- und Schwarzwild keine natürlichen Feinde mehr hat, geht die Jagd bis in den Winter hinein. Ralf Gang: „Die Bestände werden so weit reguliert, dass die Schäden in Wald und Feldflur auf einem für die betroffenen Waldbesitzer und Landwirte erträglichen Niveau bleiben.“ Kleinere Wildtiere wie Hase, Eichhörnchen und Waldmäuse haben dagegen noch viele Feinde: Fuchs, Marder und Dachs, aber auch Raubvögel wie Habicht, Sperber und Eule.

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