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Vortag in Wehringen

25.07.2018

Datenklau und Datenschutz, was nun?

Boten Informationen zu Chancen und Risiken der Digitalisierung: (von links) Herwig Leiter vom Landkreis Augsburg, Andrea Henkel, Heinz Liebert, Michael Keller, Martin Schaner und Constanze Ehrt vom Restaurant SinGold.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Die Digitalisierung bringt Betrieben Chancen, aber auch Probleme. Hacker und Strafdrohungen treiben Mittelständler um. Wie sie sich schützen können.

Handwerker Klaus W. ist einer der Gewerbetreibenden im Landkreis-Süden, denen das Thema Datensicherheit und Datenschutz langsam zu viel wird. Die zunehmende Sorge hat ihn und andere zu einer Veranstaltung nach Wehringen getrieben. Erst war es die Sorge vor Hackern oder einfach vor großen Ausfällen an Soft- und Hardware, die ihn um seine Geschäftsunterlagen im Computer bangen ließ. Jetzt droht auch noch die neue EU-Grundverordnung zum Datenschutz mit hohen Strafen, wenn er nicht genügend Aufwand betreiben und nicht an alles denken sollte. Klaus W. will Orientierung, wie er seine Daten sicher macht und sich wieder unbesorgter seinem eigentlichen Geschäft widmen kann.

Was im Landkreis Rettung verspricht, ist für den Laien auch nicht gerade leicht durchschaubar. Begriffe wie „Digital@Mittlestand“, „Digitales Zentrum Schwaben (DZ.S)“ und „aitiRaum“ in der Einladung haben zumindest 30 Handwerker, Ladenbesitzer und Kleinunternehmer nicht davor abgeschreckt, ein Informationsangebot in Wehringen anzunehmen. Doch stellvertretender Landrat Heinz Liebert machte gleich klar, dass sie hier durchaus richtig seien. Es ist schon die zweite Veranstaltung dieser Art im Landkreis.

Am Ende des Abends wird klar: Ja, das Thema ist ernst. Es ist wichtig. So wichtig, dass es in allen Betrieben Chefsache sein sollte. Und noch etwas gehört zu den zentralen Botschaften: Es gibt für Klein- und mittelständische Unternehmen nicht nur Ratschläge, sondern auch Fördergelder. Denn IT-Sicherheit samt Datenschutz kostet Geld.

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„IT“ steht heute für das, was einst ein erster Computer war, der als EDV selbst im Kleinbetrieb bald zu einem Netzwerk wuchs und sich inzwischen samt Servern zu einem komplexen, zugleich anfälligen und angreifbaren System entwickelte.

Kleine Betriebe, große Probleme

Dass das alles für Unternehmen im Landkreis nicht immer einfach ist, das sehen auch die beiden Referenten Andrea Henkel und Michael Keller so. Und sie wissen: „Viele kleinere Unternehmen schrecken vor der Komplexität des Themas, den Kosten und den abstrakten Bedrohungsszenarien zurück“, so Andrea Henkel, Netzwerkmanagerin beim Digitalen Zentrum Schwaben. Gleichzeitig sei IT für Unternehmen unverzichtbar, um Prozesse zu optimieren oder auch Handel via Internet zu betreiben.

Die Bedeutung der Digitalisierung für alle Unternehmen liegt für Henkel auch an der Erschließung neuer Vertriebskanäle und Verbesserungen der eigenen Position im Wettbewerb sowie an Innovationsvorsprung, Kostensenkungspotenzialen und der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. IT sei also in erster Linie nicht lästig, sondern Chance und Arbeitsinstrument.

Diese Effekte könnten mit dem Einsatz mobiler Lösungen und neuer Kommunikationskanäle wie Social Media, YouTube oder Apps für Marketing, Vertrieb und Service erreicht werden, so die Netzwerkmanagerin. Dadurch würden sich dem Betrieb viele neue Möglichkeiten und Zielgruppen erschließen.

Datenschutz ein brisantes Thema

Michael Keller von der MK-Technik Informationstechnologie fordert dies ebenso für den Bereich der IT-Sicherheit. Gleichzeitig schlüsselt er auf, welche grundlegenden Sicherheitsmaßnahmen die Unternehmen kennen und anwenden sollten. Denn ohne IT und Datenschutz gehe heute nichts mehr, sagt er. Gerade letzterer sei durch die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung höchst brisant geworden. „Viele Unternehmen in unserer Region haben damit noch nicht richtig angefangen“, bedauerte er. Diese Untätigkeit sei eine hochbrisante Angelegenheit, da Bußgelder bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes drohen können. Dabei habe fast alles mehr oder weniger mit Datenschutz zu tun, selbst die Video-Überwachung oder das elektrische Schließsystem, wenn dadurch Mitarbeiterdaten gesammelt werden, bemerkte Keller.

Und noch etwas: „Wenn einer Firma bei fehlender Datensicherung alle Daten gestohlen werden, hat der Betrieb ein riesengroßes Problem, in den meisten Fällen kann er dann dichtmachen“, weiß der Experte aus der Praxis. Wichtig und sehr sinnvoll sei daher ein IT-Notfallbuch, möglichst gesichert im Tresor gelagert.

Interessant wurde es noch einmal zum Schluss des Abends. Hier interviewte Andrea Henkel den Inhaber der Gersthofer Parfümerie Kirner, Martin Schaner. Er hat für sein Unternehmen das Förderprogramm Digitalbonus Bayern beantragt. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die Förderung der Digitalisierung und IT-Sicherheit von kleineren und mittleren Unternehmen. Schaner erhält für seine Investitionen in IT-Sicherung und der Verbesserung von Prozessen im Unternehmen einen Zuschuss in Höhe von 50 Prozent. „Das Thema spielt in unserem Betrieb eine große Rolle“, sagt er. Als Beispiel nennt er die System-Verschlüsselung von Daten und E-Mails. Die Antragstellung erfolge online und sei relativ einfach.

Staatliche Förderprogramme

Das Förderprogramm beinhalte zwei Varianten, so Karl-Heinz Meyer, Pressesprecher der Regierung von Schwaben: In einem Standardfall betrage die Förderhöchstsumme 10000 Euro. Es gebe aber auch bis zu 50000 Euro. Die Resonanz auf das Förderprogramm sei gut. Alleine im Landkreis Augsburg seien bislang 90 Anträge positiv entschieden worden. Die bewilligte Gesamtfördersumme belaufe sich auf rund 837000 Euro. Weitere 47 Digitalbonus-Anträge aus dem Landkreis sind derzeit noch in Bearbeitung.

Ansprechpartner zum Förderprogramm Digitalbonus Bayern erreicht man bei der Regierung von Schwaben unter der Telefonnummer 0821/3272299 und per E-Mail unter digitalbonus@reg-schw.bayern.de. Unterstützung bei der Antragstellung gibt es auch durch die HWK und IHK Schwaben. Fachinfos sind im Internet unter www.digitalbonus.bayern abrufbar.

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