1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Den Wertachkliniken droht ein dickes Minus

Schwabmünchen/Bobingen

30.10.2019

Den Wertachkliniken droht ein dickes Minus

Die Wertachkliniken schreiben seit vielen Jahren schwarze Zahlen. Das könnte sich nächstes Jahr ändern.
Bild: Doris Wiedemann

Trotz des möglichen Defizits stehen Schwabmünchen, Bobingen und der Landkreis Augsburg hinter den Krankenhäusern.

Die Wertachkliniken Schwabmünchen und Bobingen zählten in der Vergangenheit zu den wenigen kleinen Krankenhäusern, die schwarze Zahlen schrieben. Elf Jahre in Folge konnte ein Plus erwirtschaftet werden. Für dieses Jahr allerdings wird ein Defizit befürchtet – Schätzungen gehen von bis von bis zu 1,6 Millionen Euro aus. Das Geld wird vor allem für Personal und Investitionen benötigt. Die Kliniken gehören in einem gemeinsamen Kommunalunternehmen den Städten Schwabmünchen und Bobingen sowie dem Landkreis. Dieser muss 85 Prozent des Defizits sowie der nicht geförderten Investitionen bezahlen. So regelt es ein Vertrag, über dessen Verlängerung am Montag im Kreisausschuss beraten wird.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Mit einem Defizit haben Schwabmünchen und Bobingen kein Problem. Bereits 2018 Jahren wurde im Wirtschaftsplan mit roten Zahlen gerechnet und Gelder für ein mögliches Defizit eingeplant. Diese mussten allerdings nicht abgerufen werden. Schwabmünchens Bürgermeister Lorenz Müller und sein Bobinger Kollege Bernd Müller stehen hinter den Wertachkliniken, das betonen sie, ebenso wie Landrat Martin Sailer, bei jeder Gelegenheit.

Personal muss aufgestockt werden

„Für die Städte Schwabmünchen und Bobingen, wie auch den Landkreis Augsburg steht an aller erster Stelle die gute medizinische Versorgung der Bevölkerung“, sagt Lorzenz Müller. Als Grund für das befürchtete Minus nennt er vor allem Personalkosten für neu Pflegekräfte, die an beiden Häusern neu eingestellt worden sind, und für Ärzte. Das prognostizierte Defizit werde von den Trägern bewusst in den Haushaltsplan eingestellt. „Wir investieren wie schon die Jahre davor kräftig in die Medizintechnik beider Häuser. Vor allem wird gerade in der Pflege aber auch im ärztlichen Bereich Personal aufgestockt. Das Personal an den Wertachkliniken leistet hervorragende Arbeit. Aus den vielen Gesprächen, die ich geführt habe, weiß ich aber auch, dass die Arbeitsbelastung sehr hoch ist und deshalb Personal aufgestockt werden muss“, so Müller.

Den Wertachkliniken droht ein dickes Minus

Egal wie die Bilanz letztlich ausfällt, auch Bobingens Bürgermeister stärkt den Krankenhäusern den Rücken: „Ich persönlich stehe ohne Wenn und Aber zum dauerhaften Erhalt der Wertachkliniken.“ Gerade der Standort Bobingen werde mit seinem unfallchirurgischen und orthopädischen Schwerpunkt und durch den Neubau der Rettungswache durch das BRK am und der KVB-Bereitschaftspraxis im Krankenhaus integraler Bestandteil der Notfallversorgung bleiben. „Auch können wir mit unserem Paket zur Abfederung der immens gestiegenen Haftpflichtversicherungsprämien die engagierten und tüchtigen Teams der Geburtshilfe, also Ärzte und Hebammen, unterstützen und somit die jahrzehntelang erfolgreiche und familiäre Belegabteilung am Standort Bobingen stabilisieren“, so Müller. Die Wertachkliniken seien seines Erachtens als Garant der Krankenhausgrund- und -regelversorgung im Landkreis Augsburg im Allgemeinen und im südlichen Landkreis im Besonderen unverzichtbar.

Kliniken sind kein Wirtschaftsunternehmen

Fabian Mehring, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Landkreis Augsburg, sieht im erwarteten Defizit der Kliniken ebenfalls kein Problem. Sie seien kein Wirtschaftsunternehmen, sondern müssten die medizinische Versorgung der Menschen sicherstellen. Einen erheblichen Veränderungsbedarf sehe er daher nicht bei den Ausgaben, sondern zum Beispiel bei der Geburtenabteilung in Schwabmünchen: „Ich werde auf Dauer nicht akzeptieren, dass sie geschlossen bleibt.“ Weil das Klinikum Augsburg sich als Uniklinik auf Spitzenmedizin sowie Forschung und Lehre konzentriere, seien die Wertachkliniken wichtiger als je zuvor. Gerade jetzt dürften keine Abteilungen zugemacht werden, fordert Mehring.

Auch Kreisrätin Silvia Daßler von den Grünen zeigt sich überzeugt, dass die Wertachkliniken unglaublich wichtig für die dezentrale Gesundheitsversorgung sind. Die wichtigste Aufgabe des Landkreises sei es in dem Zusammenhang, dafür zu sorgen, dass die Arbeit für das Personal nicht zur Belastung werde. Klinikangestellte stünden heutzutage zunehmend unter dem Druck, besonders wirtschaftlich arbeiten zu müssen, sagt Daßler. Das sei nicht in Ordnung. Der Landkreis könne aber nicht alle Probleme allein bewältigen: Zwar könne er mit besserer Ausstattung dafür sorgen, dass die Mitarbeiter entlastet werden, aber die gesetzlichen Rahmenbedingungen könne er nicht ändern. Das sei die Aufgabe der Gesundheitspolitiker auf Bundesebene. Dort müsse auch dafür gesorgt werden, dass auf dem Arbeitsmarkt genügend Personal vorhanden ist, um den Bedarf zu decken. (cako, pit, cf, weda-)


Was sich in der Wertachklinik tut

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren