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Bobingen

09.02.2018

Der Aconcagua war nicht ihr Berg

Für Christian Rottenegger und Annette Kniffler sollte die Besteigung des Aconcagua in Südamerika zu einer besonderen Erfahrung werden.
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Für Christian Rottenegger und Annette Kniffler sollte die Besteigung des Aconcagua in Südamerika zu einer besonderen Erfahrung werden.
Bild: Reinhold Radloff

Annette Kniffler und Christian Rottenegger sind wieder gesund aus Südamerika zurück, was aber keineswegs selbstverständlich ist.

Eigentlich hätte Sommer sein sollen am Aconcagua. Doch weit gefehlt. Es schneite und stürmte wie verrückt, als Annette Kniffler und Christian Rottenegger sowie Viktor Reger die Besteigung des 6962 Meter hohen Bergs versuchten und lebensbedrohliche Probleme bekamen.

Es sollte einfach eine schöne neue Erfahrung an einem der Seven Summits werden. Der Aconcagua, in Südamerika an der chinesischen Grenze gelegen, ist bergsteigerisch keine besondere Herausforderung, zumindest nicht für Christian Rottenegger, den erfahrenen Abenteurer, der seit Jahrzehnten in den höchsten Bergen der Welt mehr oder weniger zu Hause ist.

Der gebürtige Bobinger lebt inzwischen mit seiner Lebensgefährtin Annette Kniffler in einem hunderte Jahre alten Bauernhaus in Halblech im Allgäu, das er, nachdem es Stück für Stück eingelagert war, in mühevoller Kleinarbeit selbst erneut aufgebaut hat.

Nach dieser anstrengenden jahrelangen Arbeit sehnte er sich wieder nach einer weiteren Bergerfahrung. Da kam ihm die Idee seines Freundes Viktor Reger gerade recht, im Januar den Aconcagua zu besteigen. Also machte sich das Trio auf nach Mendoza (in 400 Meter Höhe). Dort begannen allerdings schon die Probleme.

Die Permits für den Berg waren nicht nur schwierig zu bekommen, sondern auch mit 1100 Euro um ein Mehrfaches teurer als erwartet.

Es folgte ein 200 Kilometer lange Fahrt bis zum Ausgangspunkt des Tracks und danach bei bestem Wetter ein dreitägiger Marsch mit einem Lastenmuli bis ins Basislager, immer gegängelt von Rangern. „Wir liefen im Vakkas-Tal durch Savannen, Wüsten, riesige, fast endlose Dornbusch- und Kakteenfelder. Das ganze Gebiet war total trocken, windig und schön, so Annette Kniffler. Krass waren die Temperaturunterschiede. In Mendoza hatte es 36 Grad plus, in Lager III 20 Grad minus.

Im Basislager auf 4200 Meter Höhe angekommen, staunte die kleine Gruppe nicht schlecht. „Dort warteten über hundert Bergsteiger auf ihren Start. Es sah aus, wie in einer Kleinstadt. Es gab Burger-Buden, Internet-Shops, Chill-Out-Areas, Arzt-Stationen, Cafes, Bergsteiger-Agenturen, Räume mit heißen Duschen und mehr. Alles fühlte sich sehr touristisch an“, erzählt Rottenegger kopfschüttelnd und fügt hinzu: „Da waren viele, die dort einfach nichts zu suchen hatten.“ Spätestens dann war klar, dass die Drei nicht auf der Normal-, sondern auf einer Spezialroute, die weniger begangen ist, aufsteigen werden.

Vom touristischen „Bereich“ des lagers hielten sich die Drei fern. „Wir ernährten uns lieber von unsren Päckchensuppen“, erzählt Rottenegger.

An denen hat es sicherlich nicht gelegen, dass es Reger nicht gut ging und er für den Aufstieg passen musste.

Bereist im Basislager schlug das Wetter, entgegen der Vorhersage, überraschend um. Starker Wind zog auf. Man sah die Hand vor dem Auge nicht. Doch Rottenegger und Kniffler wollten die Höhenanpassung und den Aufstieg auf jeden Fall angreifen. Eingestellt hatten sie sich auf eine relativ einfache Wanderung über einen mehr oder weniger steilen Schotterhang bis zum Gipfel.

Doch es kam Schnee, massenhaft Schnee, und dazu extrem viel Wind, ja ein Orkan. „Da der Aconcagua freistehend ist, pfeift es bei schlechtem Wetter dort mächtig“, so Rottenegger.

Höhenlager eins und zwei waren noch einigermaßen erreichbar, Lager drei auf 6000 Metern Höhe artete dann in zehn Stunden quälenden Marsch aus. „Alles war plötzlich tief verschneit. Wir sahen keinen Weg, keinen Steg. Und der Sturm war so stark, dass wir uns kaum auf den Beinen halten konnten“, so Rottenegger.

Trotzdem bauten die beiden in Lager drei irgendwie in einer schmalen Scharte ihre Biwackschachtel auf, ohne dabei etwa zu sehen. Sie übernachteten dort oben bei schlimmsten Bedingungen. „An Schlaf war nicht zudenken. Der Sturm zerrte schlimm an unserem Zelt. Außerdem warf es einen halben Meter Neuschnee her.“

Trotzdem: Kniffler und Rottenegger waren zumindest körperlich gut drauf, hofften auf Wetterbesserung und einen Gipfelaufstieg. Doch die Hoffnung schwand morgens schnell. „Es wäre lebensgefährlich gewesen weiterzugehen. Es war schon schwierig genug, bei diesen Bedingungen wieder ins Basislager zu finden. Der Abstieg hat uns wahnsinnig geschlaucht“, erinnert sich Rottenegger, der diesen „Ausflug“ zum höchsten Berg Amerikas als „eine interessante und ein trotzdem einmalige Erfahrung“ beschreibt. „Der Himalaya gefällt mir besser.“

Ob es ihn noch dieses Jahr wieder dorthin zieht? Mal sehen. Jedenfalls plant Rottenegger für den Herbst eine große Expedition zu den höchsten Bergen dieser Erde.

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