Fischach

11.01.2018

Der Herr der Puppen

Albert Langenmayr hat alles im Griff, hier Kasper und Prinzessin Zitronella. Mit faszinierenden Figuren entführen er und sein Team von den Fischacher Puppenspielen Groß und Klein ins Land der Fantasie.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Die Fischacher Puppenspiele entführen Groß und Klein mit viel Wortwitz in eine Zauberwelt. Dahinter steckt der ehemalige Konditormeister Albert Langenmayr.

Das Tohuwabohu im Schloss könnte nicht größer sein. Prinzessin Zitronella hat die Windpocken. Der Hofarzt ist überfordert. Nur die Hexe Schrill weiß Abhilfe. Sie zaubert die Krankheit einfach weg. Im Gegenzug besitzt die Prinzessin allerdings einen krummen Rücken. Zitronella ist nun noch unglücklicher als zuvor. Doch Albert Langenmayr weiß Rat. Er kennt sich mit Zauberspuk aus und hat alles im Griff. Er ist Chef der Fischacher Puppenspiele und somit verantwortlich für das Theaterstück „Die Windpocken-Prinzessin“.

Schon nach wenigen Minuten steht fest: Die Kinder im voll besetzten Pfarrheim Adolph Kolping, und nicht nur sie, lieben das Handpuppenspiel. Herzlich lachen sie über die Späße des Kaspers, verfolgen mit viel Herzblut die Aktionen um Hexe, König, Großmutter und Diener. Lautstark unterstützen sie den Kasper und setzen sich engagiert für das Gute ein. Für ein paar Augenblicke verwischen so die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fantasie.

„Wir wollen die Zuschauer in ein Zauberland entführen“

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Genau diese Atmosphäre peilen Albert Langenmayr und sein Ensemble an. „Wir wollen die Zuschauer in ein Zauberland entführen“, verdeutlicht der 71-jährige ehemalige Konditormeister. „Der Betrachter soll spüren, dass Puppenspiel weit mehr als nur ein Kinderspiel ist.“

Die Fischacher Puppenspiele gehen auf das Jahr 1946 zurück. Gegründet wurden sie von dem Fischacher Ehrenbürger Professor Micheal Piller, einem „Theatermann durch und durch“, wie Albert Langenmayr erzählt. „Die Aufführungen waren eine willkommene Unterhaltung für Groß und Klein in der kargen Nachkriegszeit.“ Mit dabei zu jener Zeit war auch sein Vater August. Zusammen mit dem Theatergründer schnitzte und gestaltete dieser sämtliche Handpuppen und Kulissen. „Alles ausdrucksvolle Unikate“, wie Langenmayr feststellt. Für die Kostüme sorgte die Schwester des Initiators, Ida Piller.

Technische Überraschungen beim „Fliegenden Teppich“

Als erstes Stück kam „Die Geisterburg“ zur Aufführung. Es folgte „Genovefa“. „Hier versuchte ich, den uralten Puppenspielstoff mit volkstümlich-burlesken Figuren des Kasperltheaters zusammenzubringen und zugleich eine Zeitbezogenheit zu Nachkriegserscheinungen herzustellen“, so Michael Piller in der von ihm verfassten Ortschronik.

Beim „Fliegenden Teppich“ wartete das Ensemble mit etlichen technischen Überraschungen auf, unter anderem mit einer Fahrt zum Mond. Trotz großer Resonanz in der Bevölkerung sollte das vierte Stück, das Märchen „Dornröschen“, die letzte Aufführung sein. Als Grund für die Einstellung des Spielbetriebs 1950 nannte Piller in der Chronik lediglich „mancherlei Umstände“.

Über drei Jahrzehnte dauerte es, bis die Puppenspiele mit neuer Bühne und neuen Ideen aktiviert wurden. Anlass dazu war das Straßenfest 1981 anlässlich der 1000-Jahr-Feier der Marktgemeinde. Der Einstieg in eine kontinuierlich neue Ära gelang aber erst 2011. „Zum Gedenken an den 25. Todestag von Michael Piller führten wir ,Die Geisterburg‘ auf“, erzählt Albert Langenmayr. Fortan inszenierten er und sein Team alljährlich für das dritte Adventswochenende ein neues Theaterstück. Es folgten „Drei Wünsche“, „Die Zaubermühle“, „Die Fahrt zum Mond“, „Der Zauberkreis“ und „Das verlorene Zauberbuch“. Und nun „Die Windpocken-Prinzessin“.

Die Stimme ist sehr wichtig

Die Handpuppen funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Der Spieler bespielt die Puppe mit einer seiner Hände durch einen Eingang meist in der Mitte der Figur. „Da die Figuren keine Mimik ausstrahlen, ist die Stimme sehr wichtig“, berichtet Langenmayr. „Sie muss die Aufführung lebendig und spannend gestalten.“ Stimmen aus der Konserve lehnt er ab. „Nur live sind sie spontan und geben Salz in der Suppe.“

Wichtig seien Stücke ohne große Szenenwechsel, plaudert der Puppenspiele-Chef aus dem Nähkästchen. „Sonst dauert der Umbau zu lange.“ Das gehe zulasten der Aufmerksamkeit des Publikums. Zudem legt Langenmayr großen Wert darauf, dass die Aufführungen Tiefgang haben und hin und wieder Lokalkolorit aufweisen. „Dem Puppenspiel mit Kasper haftet immer an, etwas oberflächlich zu sein.“ Dem wolle er mit heiteren und nachhaltigen Stücken entgegentreten. Puppenspiel bezeichnet Albert Langenmayr als eine zeitaufwendige Tätigkeit, verbunden mit großer Logistik. „Doch aller Einsatz ist vergessen, wenn wir die leuchtenden Augen des Publikums sehen.“ Die Begeisterung sei Freude und Ansporn zugleich. So wie bei der „Windpocken-Prinzessin“. Da brandete für das Ensemble lang anhaltender Beifall auf.

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