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Königsbrunn

24.08.2018

Der Jasager aus Überzeugung

An seinem Arbeitsplatz im Mehrgenerationenhaus: Werner Zahn leitet die Freiwilligen-Agentur Königsbrunn und hilft mit seinem Netzwerk Menschen bei alltäglichen und weniger alltäglichen Problemen.
Bild: Claudia Deeney

Werner Zahn leitet die  Freiwilligen-Agentur  in Königsbrunn und versucht, bedürftigen Bürgern der Stadt die Hilfe zu besorgen, die sie benötigen. 

Werner Zahn ist ein bekennender Jasager. „Bei Anfragen sage ich immer erst mal Ja“, erklärt der Leiter der Freiwilligen-Agentur in Königsbrunn gegenüber unserer Zeitung und führt aus: „Ich habe die wunderbare Aufgabe Menschen zusammenzubringen.“ Und zwar mit Herz und Verstand und unter dem Motto: „Helfen und Leben schöner machen“.

Seit 2012 betätigt sich Zahn als Netzwerker und arbeitet täglich zwei Stunden zu Hause und in seinem Büro, das im Mehrgenerationenhaus (MGH) untergebracht ist. Das ist aber nur die offizielle Zeit, die er auch von seinem Arbeitgeber vergütet bekommt. Der Bankkaufmann im Ruhestand zählt die Stunden, die er tatsächlich für die Agentur aufwendet, nicht. „Ich bin immer im Dienst“, erzählt er, und es passiere durchaus, dass er am Wochenende angerufen werde, um Menschen beim Lösen ihrer Probleme zu helfen. Das ist für Zahn selbstverständlich, und hier engagiert er sich dann genauso ehrenamtlich wie viele seiner freiwilligen Helfer.

 Unterschiedlichsten Notfälle sind zu meistern

Die Notfälle sind dabei durchaus unterschiedlicher Natur: Es kommt vor, dass beispielsweise ältere Menschen am Sonntagnachmittag feststellen, dass sie am Montagmorgen einen Arzttermin haben und wissen nicht, wie sie dort hingelangen sollen. Dann versucht Zahn in seinem aufgebauten Netzwerk, einen seiner eigenen registrierten freiwilligen Helfer zu rekrutieren. Wenn das nicht gelingt, greift er auf andere Organisationen und Institutionen zurück, mit denen er eng zusammenarbeitet.

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Unter den Helfern der Freiwilligen Agentur sind auch etliche Bewohner des Generationenparks in der Brunnenstadt. Und auch mit Kümmerin Marcella Wolf steht Zahn in engem Kontakt. Also könnte in dem geschilderten Fall ein Helfer mit dem Auto des Fahrdienstes der Wohnanlage den hilfesuchenden Senior zum Arzt fahren. Klappt diese Logistik nicht, wendet sich Werner Zahn beispielsweise an den Verein Zeitbörse in Königsbrunn. In deren Vorsitzenden Jürgen Müller hat er einen zuverlässigen Kooperationspartner, der ihm oft weiterhelfen kann.

Hilferufe über Dritte

„Ich kann sehr viel bewegen und meist Lösungen anbieten, manchmal stoße aber auch ich an meine Grenzen“, gibt Zahn unumwunden zu. Viele Anfragen bekommt er auch gar nicht von den Privatpersonen selbst, sondern über Ämter, wie dem Landratsamt Augsburg. Die schicken beispielsweise einen Hilferuf für eine Königsbrunner Seniorin, die nach Köln zu ihrer Tochter ziehen möchte, aber mit dem Umzug komplett überfordert ist. Deshalb hat sich Tochter erst mal in Köln nach Hilfe erkundigt, die Kölner fragen in Augsburg nach, und die Augsburger wenden sich an Werner Zahn – der dann auch tatsächlich den Umzug mit seiner Freiwilligen-Agentur in die Wege leitete und stemmte.

Wobei er betont, dass generell bei den jeweiligen Anlaufstellen geprüft werde, ob eine Hilfsbedürftigkeit vorliegt. Er selbst untersucht ebenfalls Anliegen oder fordere auch mal die Familienmitglieder auf, sich um Eltern oder Geschwister zu kümmern. „Die ehrenamtlichen Helfer schneiden keine Hecke eines Hauses, weil der Eigentümer kein Geld dafür aufwenden möchte“, stellt er klar.

Die Kontakte entstehen durch zahlreiche Institutionen. Als Beispiele nennt Zahn die Tafel, den Hilfsfonds, die Caritas, die beiden großen Kirchen, den Stadtrat, das Mehrgenerationenhaus, der Generationenpark, den TSV Königsbrunn, die Zeitbörse und das Fritz-Felsenstein-Haus. Alle können hier aus Platzgründen nicht aufgezählt werden. „Die Bälle spielen wir uns gegenseitig zu“, sagt Zahn. Alle Partner helfen ihm, kommen aber auch auf ihn zu, wenn ihnen bekannt ist, das Personen Hilfe brauchen. Er erhält sehr viel Unterstützung und dafür ist er sehr dankbar, sein Netz ist dichtgewebt und hält.

Gute Vernetzung hilft

Die Freiwilligen-Agentur Königsbrunn wird nur für die Bürger der Stadt tätig, aber Zahn hält auch engen Kontakt mit den Augsburger und Bobinger Freiwilligen-Agenturen und trifft sich regelmäßig zum Austausch. Auch gibt er zweimal jährlich einen Rechenschaftsbericht an die Stadt Königsbrunn. Dort ist Klaus Förster für ihn als Mitarbeiter zuständig, im MGH hat er Achim Friedrich als fachlichen Ansprechpartner.

Auf seinem bisher höchst beeindruckenden Werk ruht sich Werner Zahn nicht aus. Sein nächstes Projekt hat er schon im Visier, nämlich einen offenen Seniorentreff in den Räumlichkeiten des MGH abzuhalten. Die Planungen hierfür laufen schon, und im September soll es losgehen. Die ehrenamtlichen Helfer hat er schon aus seiner eigenen Agentur dafür begeistert, und sie stammen auch dem Bewohnerkreis des Generationenparks. Was nur zeigt, dass die Bälle, die Zahn in der Brunnenstadt den Menschen und Organisationen zuwirft, erfolgreich aufgefangen und zurückgeworfen werden. Ganz nach seinem Motto: „Ich bin dabei!“

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