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Schwabmünchen

16.02.2018

Der Meister der Schrift stammt aus Schwabmünchen

So sah Leonhard Wagner aus. Diese Silberstiftzeichnung stammt von Hans Holbein dem Älteren Silberstiftzeichnung und ist 1512 entstanden.
Bild: Lebensbilder

Leonhard Wagner, der bedeutendste Kalligraf der Renaissance, bekommt ein Kapitel im Buch „Lebensbilder“.

Leonhard Wagner – ein Name, der mit Schwabmünchen verbunden ist, wie kein anderer. In Schwabmünchen und Umgebung hat ihn wohl jeder schon einmal gehört.Denn seit den 1970er-Jahren ist der Name in der Region wieder ins Bewusstsein gerückt. Schließlich heißen Gymnasium, Real- und Mittelschule so – damals war es noch die Gesamtschule. Aber wer war dieser Leonhard Wagner eigentlich? Das wissen nicht alle. Er war der bedeutendste Kalligraf der deutschen Renaissance – ein Meister der Schrift. Ein Schönschreiber, könnte man sagen. Das Schwabmünchner Leonhard-Wagner- Gymnasium würdigt ihn noch heute jeden Sommer im Jahresbericht und veröffentlicht immer eine Seite aus seinem Werk, der „Proba“. Das ist ein Musterbuch mit mehr als 100 Schriftarten.

Die Schwäbische Forschungsgemeinschaft widmet Leonhard Wagner nun ein Kapitel im neuen und 19. Band der Reihe „Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben“, das insgesamt 13 Biografien vereint. Heimatpfleger Professor Walter Pötzl arbeitet das Leben des Benediktiners und Schreibmeisters minutiös auf.

Das genaue Geburtsdatum ist unbekannt

Wann genau Leonhard Wagner in Schwabmünchen geboren wurde, ist unbekannt. Laut Pötzl muss es irgendwann zwischen Mai 1453 und Januar 1454 gewesen sein. Wagner bezeichnete sich selbst oft als „Leonhardus Wirstlin alias Wagner de Schwabmenchingen“. Die Angabe des Heimatortes sei allerdings der beständigste Teil seiner Selbstnennungen, meint Pötzl: „Das spricht für ein ausgeprägtes Heimatbewusstsein.“ Verschiedene Zeugnisse sprechen dafür, dass Leonhard Wagner ursprünglich Würstlin hieß, sein Vater von Beruf Wagner war und man diesen Namen im Kloster bevorzugte, da „Würstlin“ für einen Mönch in einem angesehenen Kloster doch recht despektierlich klang, wie Pötzl im Buch „Lebensbilder“ erörtert. Der Prozess der Bildung von Familiennamen war damals noch nicht abgeschlossen. Doch der Name in dieser und ähnlicher Form zieht sich durch die Jahrhunderte und taucht in vielen Büchern auf. Noch heute leben mehrere Familien Würstle in Schwabmünchen. Pötzl gibt zahlreiche Beispiele im neuen Heimatbuch.

Wagner legte 1472 die Profess im Benediktinerorden der Augsburger Reichsabtei St. Ulrich und Afra ab und war dort ab 1478 vor allem im Skriptorium beschäftigt. Die Kunst des Schönschreibens lernte er in anderen Klöstern. Im Skriptorium, sozusagen im Schreibbüro der Reichsabtei, verfasste Wagner mehr als 50 Manuskripte und schuf dabei eine besonders prägnante kalligrafische Frakturschrift. Merkmale dieser gebrochenen Schriften sind sichtbare Knicke in den Bögen, die durch abrupte Richtungswechsel beim Schreiben entstehen.

Besondere Verbundenheit zu Kaiser Maximilian I.

Dem deutschen König und späteren Kaiser Maximilian I. war der Mönch besonders verbunden. Das Prachtwerk „Vita Sancti Simperti“, das zudem Illustrationen von Hans Holbein dem Älteren schmücken, entstand im Auftrag des Herrschers. Ihm gewidmet ist das Musterbuch mit mehr als 100 Schriftarten „Proba centum scripturarum una manu exaratarum“ – Wagners Meisterwerk aus dem Jahr 1507. Dort sind einige vom Kalligrafen selbst entwickelte Schriften verewigt.

Im Kloster galt Wagners Schreibkunst also so bedeutend, dass er vom Chordienst und allen anderen gemeinsamen Aufgaben befreit wurde, schreibt Pötzl in Wagners Biografie. Durch seine Schreibkunst rückte Wagner zu den angesehensten Persönlichkeiten im Kloster auf. „Ein Kloster ohne Bibliothek ist, wie man im Mittelalter sagte, wie eine Armee ohne Waffen“, erklärt Pötzl.

Von Wagner gibt es erstaunlich viele Zeichnungen, darunter Silberstiftzeichnungen von Holbein. „Energisch und zielbewusst“ sehe er aus, mein Pötzl. Andere Zeichnungen dagegen zeigen einen „kraftvollen, nicht mageren Bauernschädel mit klug blickenden Augen. Alle Porträts von Holbein zeigen eine energische aber beherrschte Persönlichkeit“, resümiert der Heimatpfleger im Buch.

Im Gegensatz zum Geburtsdatum ist sein Todestag bekannt: Leonhard Wagner starb am 1. Januar 1522 in Augsburg. Das ist auch in der „Proba“ festgehalten. Zwischen dem lateinischen und dem deutschen Titel würdigte ihn wohl einer seiner Mitbrüder mit den Worten „devotus et religiosus pater“, schreibt Pötzl.

Das Buch „Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben“ wurde herausgegeben von Günther Grünsteudel und Wilfried Sponsel und der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft. Es beinhaltet 13 Biografien, darunter auch die von Leonhard Wagner. Das Buch ist für 39,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

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