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Konzert

30.11.2019

Der Rock’n’Roll lebt

Musikalische Akrobatik im Four Corners: Stefan Koch legt sich quer übers Piano und spielt mit seinem Bruder Michael vierhändig. Foto: Uwe Bolten

Die Lennebrothers Band beweist die mitreißende Wirkung der Musik

Das schwarze Klavier auf der Bühne, der große Akustikbass und die grün schimmernde Gretsch-„Brian Setzer Special“-Gitarre zeugte den Gästen im Four Corners von einem musikalischen Genre, das mit den hier gewohnten Countryklängen nur an den Wurzeln Berührungspunkte aufweist. Nicht nur beim Bühnenbild waren die Unterschiede sichtbar, bei den vielen Gästen war ebenso ein für das Four Corners ungewöhnliches Äußeres erkennbar. Schwarz-weiße Tanzschuhe wichen den Cowboystiefel, weite Tanzhosen ersetzten die engen Jeans.

Die vier Musiker der Lennebrothers Band brauchten bei ihrem mehrstündigen Gastspiel nur wenige Minuten, bis die große Tanzfläche an ihre Kapazitätsgrenze kam. Die Nachfolgeband der legendären Lennerockers, einst Deutschlands Vorzeigeband des Rock’n’Roll und Rockabilly, heizte mächtig ein. Die neue, 2017 nach internen Problemen gegründete Formation um die Brüder Michael „Ele“ und Stefan „Teddy“ Koch ließ die Herzen der Zuhörer und die Beine der Tänzer höherschlagen. Andreas „Andy“ Kässens am Schlagzeug, das er um einige Kessel reduziert hatte, legte das rhythmische Fundament; den tiefen Teppich, auf dem die Solisten ihr Bestes gaben, produzierte mit Kontrabass und viel Ausdruck in Mimik und Gestik Claus Coxx. Michael Koch, der, als Leadsänger ungewöhnlich, das hämmernde und groovende Piano bediente, wurde von seinem Bruder Stefan unterstützt, der mal butterweich, mal scharf im Klang, die Akzente an der Gitarre setzte.

Mit rund dreißig Titeln, bestehend aus Eigenkompositionen und Klassikern des Genres, einst produziert von Musikern wie Jerry Lee Lewis, Johnny Cash oder Chuck Berry, trieben sie die Temperaturen im Saal in die Höhe. Durchgeschwitzte Hemden und um die Nacken gelegte Handtücher waren keine Seltenheit. Die Figuren der Tanzpaare schienen hin und wieder jeder physikalischen Grundlage zu strotzen. Den Showhöhepunkt setzte Stefan Koch, unterstützt vom tobenden Publikum, mit akrobatischen, quer auf dem Piano liegenden, vierhändigen Spiel mit seinem Bruder.

„Der Rock’n’Roll unterliegt einem Auf und Ab. Wir brauchen jüngere Bands, die sich mit dieser Art der Musik beschäftigen. Das Problem ist jedoch, dass die Träger der Rock-’n’-Roll-Kultur langsam aussterben“, sagte Stefan „Teddy“ Koch nach dem Konzert im Gespräch und ergänzt, dass die stärkste Szene in England zu finden sei. „Dort erfährt die Musik und das Lebensgefühl kein Nischendasein“, fügte das Gründungsmitglied der ehemaligen Lennerockers hinzu. „Die Lennebrothers sind ein total tolles Team, der Spaß am Spielen ist wieder da. Und den Leuten hat gefallen, das haben wir heute gesehen und gespürt“, ergänzte Pianist Michael „Ele“ Koch.

„Mit ganz, ganz viel Spaß inne Backen“, rief Bruder Stefan in tiefem sauerländischem Dialekt im Backstage-Bereich des Four Corners in das Gespräch hinein. Die vier Musiker aus der Nähe von Hagen spielen ohne feste Setliste. „Wir beobachten die Leute und passen das Programm an. Das Repertoire ist groß genug“, sagte Michael und legt seine ziemlich abgegriffene Liedermappe in den Koffer.

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