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Langenneufnach

03.02.2019

Der Schuster schaut noch immer auf andere Füße

Dieses Bild erinnert Martin Thoma an sein Leben in der eigenen Schusterwerkstätte in Langenneufnach. Doch inzwischen genießt er den Ruhestand von seinem Handwerk.

Plötzlich Ruhestand: Als Martin Thoma zusperrte, erlebte er viel Wertschätzung als Geschäftsmann – es gibt jedoch keine Umkehr.

Plötzlich im Ruhestand. Fällt dies einem Selbstständigen noch schwerer als einem Arbeitnehmer? Nein, bereut habe er seine Entscheidung nicht, meint Martin Thoma. Über 150 Jahre war das Schuhhaus Thoma ein fester Bestandteil in der Geschäftswelt von Langenneufnach. Vor einem guten Jahr hat er seinen Laden aus Altersgründen geschlossen. Damit verschwand nicht nur der zweitälteste Handwerksbetrieb in Langenneufnach. Es endete auch eine lange Tradition der Schuhmacher. Doch Wehmut oder Sentimentalität sei deswegen bis heute nicht eingetreten, sagt er. Vieles habe sich verändert, manches zu seiner Überraschung gar nicht.

Zeit, Schluss zu machen

Seine Rückschau fällt nüchtern aus. „Wenn ich aus rein wirtschaftlichen Gründen hätte schließen müssen, wäre das sicher etwas anderes gewesen“, meint er. So sei einfach die Zeit gekommen, Schluss zu machen. „Mit 70 Jahren sehnt man sich nach dem Ruhestand.“

Klar: Mit den Jahren sei die Situation eines Schuhgeschäfts auf dem Land nicht besser geworden, gesteht er. Auch er sei mit dem Wandel in der Gesellschaft konfrontiert worden. „Nicht selten haben sich Leute ausführlich beraten lassen und unzählige Modelle anprobiert, die Schuhe dann aber von zu Hause aus im Internet bestellt.“

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Martin Thoma zuckt mit den Schultern. So sei die Zeit eben. Zudem habe er für sein Geschäft keinen Nachfolger gefunden. „Warum mich also auf die alten Tagen noch ärgern?“

Die letzten Schuhe gingen ins Sozialkaufhaus

Die Schließung des Schuhladens sei ihm deshalb nicht schwergefallen und nur eine logische und gut durchdachte Konsequenz gewesen. Und er habe damit noch eine gute Tat vollbracht, lächelt der 71-Jährige: Martin Thoma führte zwar rechtzeitig einen Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe durch. Doch als er seine Pforte schloss, blieben noch etliche Kartons mit Schuhen übrig. „Ich habe sie dem Sozialkaufhaus übergeben“, erzählt er. Die Schließung seines Familienbetriebs rief in seinem Umfeld geteilte Meinungen hervor. „Die einen verstanden meinen Beweggrund, in den Ruhestand zu gehen, die anderen bedauerten, dass ich Schluss mache.“ Was könne sich ein Geschäftsmann Schöneres an Wertschätzung wünschen, fragt er stolz. Die Feststellung, der Letzte seines Standes im Dorf zu sein, gehört der Vergangenheit an. Das einstige Geschäftsleben sei zwischenzeitlich total aus seinem Kopf, verdeutlicht Thoma. „Es überkommt mich keine Wehmut und ich halte nicht inne, um die eine oder andere Erinnerung heraufzubeschwören.“ Auch das Ladengeschäft gehört der Vergangenheit an. Daraus ist im Laufe der letzten Monate ein gemütliches Wohnzimmer geworden.

Trotzdem: Gänzlich lässt sich seine frühere Tätigkeit nicht verleugnen. „Wenn ich im Dorf Menschen begegne, schaue ich zwangsläufig auch auf deren Füße und stelle mitunter fest, dass die Schuhe noch von mir sind“, schmunzelt er.

Aus dem Laden wurde das Wohnzimmer

Früher stand er von morgens bis abends im Laden oder in der Schusterwerkstätte. Jetzt genießt er die mit dem Ruhestand gewonnene zusätzliche Freizeit und weiß sie gut zu nutzen. „Ich habe nun frei für alle Termine, die bei mir anfallen“, sagt er. Auch das Kartenspiel komme jetzt mehr und regelmäßiger zum Zug. Darüber hinaus fühle er sich sehr wohl mit seinen Enkeln. Für jeden gebe es einen sogenannten Opa-Tag. Das halte ihn fit und aktiv, ebenso die eine oder andere Reise sowie die Arbeit in Haus und Garten. „Langeweile ist bei mir ein Fremdwort“, bestätigt er. Sein Credo: Wer rechtzeitig sein Leben nach dem Beruf plant, kann die darauffolgende Lebensphase beruhigt und vor allem entspannt angehen. Und mehr wolle er nicht, versichert er.

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