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Großaitingen

03.11.2016

„Der Tod gehört zu unserem Leben“

Erwin Goßner will Gudrun Krist und Sonja Meitinger (rechts) in seiner Position als Bürgermeister eine Plattform geben.
Bild: Cynthia Matuszewski

Sieben Menschen gründen in Großaitingen einen Förderverein, der würdevolles Sterben ermöglichen soll. Dafür sollen in einem umgebauten Bauernhaus zehn Plätze geschaffen werden.

Der Tod und das Sterben sind Themen, die gern verdrängt, ignoriert oder an den Rand des gesellschaftlichen Zusammenlebens geschoben werden. Im neu gegründeten Förderverein Hospiz Großaitingen haben sich sieben Menschen zusammengefunden, die genau das Gegenteil anstreben: „Der Tod gehört zu unserem Leben und wir möchten würdevolles Sterben wieder zurück in die Mitte unserer Gesellschaft holen“, sagt Sonja Meitinger. Die Bio-Bäuerin und ihr Mann Klaus leben mitten in Großaitingen, gegenüber vom Rathaus. Hier soll ein Teil ihres Bauernhofes in ein stationäres Hospiz umgebaut werden. In dem schönen, alten Backsteinbau sind Unterkünfte für zehn Menschen geplant.

Der Verein steht noch ganz am Anfang seiner Arbeit, hat aber schon Unterstützer in der gesamten Region gefunden: Neben dem Ehepaar Meitinger gehören die Heilpraktikerin für Psychotherapie Gudrun Krist aus Mickhausen, die Kinderkrankenschwester Edith Hechtl und der Steuerberater Max Reisch aus Schwabmünchen, die Hospizbegleiterin Heidi Wiblishauser aus Walkertshofen und Bürgermeister Erwin Goßner aus Großaitingen zu den Gründungsmitgliedern. Das Anliegen aller Vereinsmitglieder ist eine liebevolle Fürsorge für Schwerstkranke und Sterbende in ihren letzten Tagen und Wochen. „Ich freue mich, dass in unserer Gemeinde ein solcher Ort geschaffen wird. Der Wille und die Bereitschaft der Initiatorinnen haben mich begeistert“, sagt Bürgermeister Erwin Goßner. Er will dem Verein in seiner Position als Bürgermeister eine Plattform geben.

Arbeit mit Natur und Tieren

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Herz des Vereins sind Gudrun Krist und Sonja Meitinger. Von ihnen stammt die Idee. Und wenn sie über ihre Pläne sprechen, spürt man ihr Engagement und ihre tiefe Empathie für Sterbende und ihre Angehörigen. Das Hospiz ist eine Herzensangelegenheit der beiden Frauen. Konzentriert beugen sie sich in der guten Stube der Meitingers über den Küchentisch und studieren Grundrisse, Pläne und Kalkulationen. In dem geschützten Innenhof des Meitinger-Hofes soll ein Garten entstehen. „Nicht etwa Buchsbaum, sondern Blumen und Stauden, mit denen man die vier Jahreszeiten erleben, sehen und riechen kann“, erläutert Sonja Meitinger. Außerdem sollen in dem Hospiz ein Therapiehund und kleinere Tiere, wie Katzen oder Hasen zum Streicheln leben. Die Zimmer dürfen die Bewohner und ihre Angehörigen individuell gestalten.

Solange wie möglich sollen die Kranken am Dorfleben teilnehmen: Café, Kirchen, Apotheken, Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, ein Friseur und die Post sind gleich um die Ecke, die Felder liegen vor der Tür. „Wir denken auch an die Angehörigen, denen wir eine Last von den Schultern nehmen möchten, die aber trotzdem in der Nähe ihrer Lieben sein dürfen. Vielen ist es aus unterschiedlichsten Gründen nicht möglich, ihre Nächsten in der letzten Lebensphase rund um die Uhr würdevoll zu versorgen“, erzählt Gudrun Krist. So ist für Übernachtungsmöglichkeiten für die Angehörigen gesorgt und auch an Räume zum Abschiednehmen ist gedacht. „Als mein Vater starb, war der Abschied zwar schmerzhaft, doch auch gleichzeitig eine wertvolle Erfahrung, weil er zu Hause sterben durfte, umringt von seinen Lieben. Alle waren anwesend und konnten in Ruhe Abschied nehmen“, berichtet Gudrun Krist.

Wenig Plätze für Hospiz

Im Umkreis von 20 Kilometern gibt es kein Hospiz in der Region. Die bisher genehmigten, sehr begehrten Plätze in Augsburg, Ulm, Illertissen und Kempten sind rar. „Wir rechnen damit, dass wir Patienten im Radius von bis zu 40 Kilometern aufnehmen werden“, sagt Sonja Meitinger. Sie lobt die Arbeit der vorhandenen ambulanten Hospizgruppen, der Pflegedienste und Hausärzte, des SAPV (Spezialisierte ambulante Palliativversorgung), der Krankenhäuser und der Sozialstationen in der Umgebung und betont: „Wir sehen unser stationäres Hospiz als Ergänzung zu den bisherigen Einrichtungen, keinesfalls als Konkurrenz. Wir bauen auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit allen Beteiligten.“

Noch ist aber viel Arbeit zu bewältigen. Das Gebäude wurde bereits vom Denkmalschutz begutachtet, als Nächstes wird der Krankenkasse eine Bedarfsanalyse vorgelegt. Inhaltlich und architektonisch ließen sich die beiden Frauen vom Hospiz Illertissen inspirieren. „Wenn wir optimistisch sind, können wir in zwei Jahren starten“, sagt Gudrun Krist. Einen Namen hat das Hospiz jedenfalls schon: „Licht am Horizont“. Der Förderverein Hospiz Großaitingen freut sich über weitere Mitglieder.

Kontakt: kontakt@hospiz-grossaitingen.de.

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