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Theater

10.12.2015

„Der Weihnachtsbaum nadelt“

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3 Bilder
Die Mitglieder des Kunstvereins traten unter der Leitung von Alfred Vogler auf. Fotos: Ivanka Williams-Fuhr

Kunstverein Schwabmünchen beleuchtet Weihnachten aus außergewöhnlichem Blickwinkel. Da bleibt den Besuchern manchmal das Lachen im Hals stecken

Wer weiß, dass 78 Prozent der Deutschen mit Weihnachten den Tannenbaum assoziieren? Dass Männern in knapp einem Drittel der Fälle etwas Elektronisches geschenkt wird, obwohl sich nur zehn Prozent wirklich so etwas wünschen? Dass über acht Millionen Menschen an Heiligabend in die Kirche gehen? Und dass an Weihnachten mehr Menschen mit Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert werden als im Jahresdurchschnitt? „Oh, du schöne Weihnachtzeit“ hießen die Theateraufführungen des Kunstvereins Schwabmünchen, in denen an zwei Abenden das Thema aus einem außergewöhnlichen Winkel beleuchtet wurde.

„Es ist ganz schön krass, was alles mit Weihnachten verbunden ist“, sagt Regisseur Alfred Vogler. Mit seinem Team hat er Geschichten, Theaterstücke und Lieder von Loriot, Kurt Tucholsky, Udo Jürgens, Erich Kästner oder Dän Dickopf ausgesucht und auf der Bühne im Kunsthaus zum Leben gebracht: Mal heiter, mal bitter ernst, mal satirisch, mal gar mit einem Hauch von Bestürzung.

Ein etwas schräger Videofilm von Lothar Zull mit Werbebildern der Weihnachtszeit im Laufe der Zeit, klassischen Szenen und auch kitschigen Motiven, stimmte anfangs auf den etwas anderen Weihnachtsabend ein, der voll herrlicher Momente war, aber auch Minuten beinhaltete, in denen das Lachen im Hals stecken blieb. „Wir wollten das ganze Geschehen um Weihnachten lustig, satirisch, aber auch nachdenklich darstellen, um schließlich zu zeigen, was Weihnachten wirklich bedeutet“, sagt Vogler.

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Zehn Mitglieder des Kunstvereins traten dabei als Akteure auf, die Lieder steuerte der Lehrerchor der Leonhard-Wagner-Schulen unter der Leitung von Jürgen Scholz bei. Das Haus war an beiden Abenden übervoll. „Wir wussten nicht, wie unser Programm ankommt“, sagt Vogler. „Mit so großer Resonanz haben wir nicht gerechnet.“

Der Abend begann mit der Vorweihnachtszeit, mit der Suche nach ausgefallenen Geschenken. Zwei Weihnachtsmänner stehen bereit, um die Wünsche zu erfüllen: der eine die guten, der andere das Gegenteil. Ein eingebildeter Kranker wünscht sich beispielsweise Gesundheit. Bekommt er auch. Weiß er aber nicht. Da sein Arzt auch von etwas leben muss, zahlt er weiterhin brav seine Rechnungen.

Dann gibt es eine Rüstungsfirma, die wegen der großen Nachfrage statt Schützenpanzer jetzt Marzipankartoffeln herstellt. „Läuft hervorragend“, meint der Firmenchef. Und dann kommt das Fest. Ein Ehemann meckert, weil es wieder Bratwurst geben soll, will sie aber mit niemanden teilen. Die Stromversorgung kommt zum Liegen, weil allen nur eine Kerze auf dem Adventskranz nicht genug war. Gutes will man natürlich tun, es muss aber von der Steuer absetzbar sein, entscheidet ein Ehepaar.

Für Gänsehaut sorgt das Lied „Der Weihnachtsmann auf der Reeperbahn“ von Georg Kreisler. „Mutter war Dirne und Vater war Dieb. Und Jim machte Dienst auf einem Kutter. Also wurde ich wie Mutter.“ Und dass der Tannenbaum auch nadeln kann, ist – zumindest im Kunsthaus – nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Fachwelt eine ganz neue Erfahrung.

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