1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Der bayerische Großmeister des Kabaretts bringt alle zum Lachen

Schwabmünchen

05.05.2019

Der bayerische Großmeister des Kabaretts bringt alle zum Lachen

Genial bereicherten die Well Brüder mit ihrer Musik und hintersinnigen Texten, die teilweise lokal angereichert waren, den sehr heiteren Abend.
3 Bilder
Genial bereicherten die Well Brüder mit ihrer Musik und hintersinnigen Texten, die teilweise lokal angereichert waren, den sehr heiteren Abend.
Bild: Marcus Angele

Die Mittelneufnacher Kutlurschmiede meldet sich mit Gerhard Polt und den Well Brüdern in der Schwabmünchner Stadthalle zurück. Sie lassen das Publikum sogar jodeln

Standing Ovations, minutenlanger Applaus und ein Quartett in Höchstform: Gerhard Polt und die drei Well-Brüder Stofferl, Karli und Michael boten in der seit Monaten ausverkauften Schwabmünchner Stadthalle ein Musik-, Wort- und Humorschauspiel der Extraklasse. Zum Schluss lässt Gerhard Polt auch noch schwungvoll zu afrikanischen Klängen die Hüften kreisen.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Das war ein gelungenes Comeback: Die Kulturschmiede Mittelneufnach meldete sich nach eineinhalb Jahren Pause eindrucksvoll mit einem echten bayerischen Schwergewicht der Kabarettszene zurück. Bei der Anmoderation erklärte Staudens „Kulturminister“ Karl Scheid in gewohnt heiterer Art, wie es ihm gelang, Gerhard Polt und die Gebrüder Well in die Stadthalle zu bekommen. Einen wesentlichen organisatorischen Anteil hatte dabei auch die Raiffeisenbank Schwabmünchen, die ihm großartig bei diesem Projekt zur Seite stand. Und nicht nur Scheid durfte sich anschließend auf einen sehr originellen Abend mit vier bestens aufgelegten Künstlern freuen.

Ein unvergesslicher Abend in der Stadthalle Schwabmünchen

Es gibt wahrscheinlich kaum einen Preis, ein Lob oder Prädikat, das Gerhard Polt in seiner langen Karriere noch nicht erhalten hat. Auch mit fast 77 Jahren besitzt er eine unglaubliche Bühnenpräsenz und der Saal biegt sich bereits nach wenigen Sätzen vor Lachen. Aber es liegt nicht nur an ihm, dass die Zuschauer einen vielleicht unvergesslichen Abend genießen durften. Die drei exzellenten Well-Brüder waren mit ihrer schier unerschöpflichen Instrumentenvielfalt und ihren fröhlich-frechen Texten wie die Knödel und die Soße zum Schweinebraten. Apropos Schweinebraten: Gegen die befürchtete Islamisierung Bayerns haben die Wells einen mit viel Ironie gewürzten Tipp: Damit das Abendland dem Islam nicht in die Hände fällt, sind wir mit Schweinebraten und Weißbier bestens aufgestellt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Abwechselnd verarbeiten die vier Künstler meisterhaft überspitzt das Zwischenmenschliche und die alltäglichen Dinge des Lebens. So schlüpft Gerhard Polt wie man ihn kennt und liebt in verschiedene Charaktere und „poltert“ so unter anderem über seine asozialen Nachbarn, berichtet über sein Leben als Alkoholsportler, mimt köstlich einen indischen Pfarrer in einem indisch-englisch-deutsch-Gemisch beim Amtsantritt in Oberschweinbach nach oder regt sich herrlich über die Helikopter-Schnepfen auf, die ihre unanständige, verfettete Brut vor allem beschützen wollen. Er sinniert auch darüber, warum jetzt alle Psychologie studieren wollen und stellt am Schluss die Frage: „Muss i denn studieren, um zu wissen, wer a Depp is und wer net?“

Hintersinnige Gstanzl mit lokalem Bezug

Die Well-Brüder glänzten dagegen mit hintersinnigen Gstanzln, in denen sie gerne wie zu Beginn die lokalen Gegebenheiten einbauen und so einen heimatnahen Bezug herstellen. Sie nehmen auch das Publikum immer wieder mit und lassen es mitsingen oder sogar mitjodeln.

Die bayerische Politik wird ebenfalls gehörig auf´s Korn genommen, wenn zum Beispiel das bayerische Raumschiff „Bavaria one“ abhebt um fremde Planeten zu erforschen und dort Kurzifixe aufstellt und schließlich am Schluss in einem schwarzen Loch verschwindet und die CSU in einem gigantischen Furz daraus als CO2 entfleucht.

Genial gelingt ihnen auch die musikalische Umsetzung eines Feuerwehrfestes in einem klassisch angehauchtes Stück á la Georg Friedrich Händel. Dabei ist es schon bewundernswert, mit welcher Geschwindigkeit die Finger von Stofferl Well über die Trompete und Flöte fegen. Genauso schnell und kurzweilig verfliegt die Zeit. Natürlich kommt das Quartett nicht ohne Zugabe von der Bühne und das mittlerweile stehende Publikum klatscht sie immer wieder auf die Bühne.

Zuschauer hatten Alphörner auf den Schultern

Zum Finale werden noch Alphörner auf die Bühne transportiert, die aufgrund der Länge kurzerhand auf den Schultern einiger Besucher in der ersten Reihe platziert werden. Die Alphörner sind aber nicht nur zum Blasen da, sondern auch zum Rauchen bestens geeignet, informiert Michael Well grinsend. „Bei uns dahoim wachst a so a guats Kraut. Des war sozusagen unser erstes Crowdfunding“.

Mit einer stimmungsvollen afrikanischen Weise, in der es laut Polt über verlorene Hausschuhe geht, verabschieden sich die vier schließlich sogar hüftkreisend von der Bühne.

Worüber Polt selbst lachen kann, lesen sie hier: Worüber Polt lachen kann

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren