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Schwabmünchen

18.11.2018

Derbe Späße statt feiner Spitzen in Schwabmünchen

Im Schlussbild präsentieren sich alle Akteure mit Moderator Harry Meier (knieend).
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Im Schlussbild präsentieren sich alle Akteure mit Moderator Harry Meier (knieend).
Bild: Uwe Bolten

Bei den 1. Schwäbischen Meisterschaften in der Stadthalle kommen vor allem die Freunde des deftigen und schlüpfrigen Humors auf ihre Kosten.

Der Bühnenaufbau in der Stadthalle vermittelt Wirtshausidylle. Ein herbstlich dekorierter Tisch für die Jury, ein Bierfass, Schnupftabak und ein Stammtisch mit typischem Schild. Ein Harmonikaspieler, für kurze Musikstücke und den Tusch zuständig, sitzt im Hintergrund auf der Ofenbank. Doch statt Begrüßungsreden gibt es in den nächsten Stunden Witze am laufenden Band zu hören. Denn: Es wurde zum ersten Mal der schwäbische Meister im Witze-Erzählen gesucht.

Einzeln bittet der Initiator des Formats die Bewerber um den Titel des „Schwäbischen Witzemeisters“ mit einem Begrüßungswitz auf die Bühne. Siegfried Sandner ( Obermeitingen), Wolfgang Neff ( Zusmarshausen), Jakob Paula (Eiselsried), Lukas Kiermeyr ( Gersthofen) sowie Anton Wilhelm Resch ( Augsburg) nehmen nach dem Eröffnungswitz den Stammtisch in Beschlag. Während die Besucher noch bis zur Pause auf Getränke warten müssen, sind die Kontrahenten, ganz wirtshaustypisch, bereits gut versorgt.

Maximal 90 Sekunden dürfen die Geschichten dauern

Große Nervosität ist den Erzählern, die zu Themen wie Familie, Tiere, Berufe oder „Bei uns dahoam“ ihre besten Witze erzählen, nicht zu spüren. Maximal 90 Sekunden dürfen die Geschichten dauern, sonst gibt es von der Jury, bestehend aus dem Augsburger Kabarettisten-Duo Herr und Frau Braun, der oberpfälzischen Comedy-Walze Da Bobbe sowie der Theater-Intendantin und Volksschauspielerin Gerda Steiner, Punktabzüge.

Die rund 170 Zuhörer tauen in der ersten Runde deutlich auf, die Lacher werden intensiver, die Witze schlüpfriger. Der anfangs verhaltene, eher freundliche Applaus, wird hin und wieder von leichten Schenkelklopfern unterbrochen. „Von den Schwaben wird gesagt, sie gingen zum Lachen in den Keller. Heute wurde ich eines Besseren belehrt“, sagt Veranstalter Harald Meier. Dabei habe er gespürt, dass der Schwabe auch mal gerne über sich selbst lache. „Das ist in anderen Regierungsbezirken nicht so“, stellt er fest.

Es dominiert der deftige, zum Teil bis an die Grenze des guten Geschmacks gehende, Witz. Wie im Wirtshaus eben. „Städter bevorzugen den feinen, mit Spitzen versehenen Humor. Auf dem Land geht es deutlich derber zu“, sagt Meier. Er möchte sein Format zum lustigsten Event Bayerns machen. Aus diesem Grunde sei die Publikumsbeteiligung wichtig. „Und das geht im Festzelt nicht. Darum habe ich mich entschieden, den Wettbewerb in die Halle zu verlegen.“

Die Zuhörer bestimmen in der Pause ihren bisherigen Favoriten durch die Wahl in die Endrunde. Verschnaufpausen bekommen die Konkurrenten, die zum Teil Bühnenerfahrung als Hochzeitslader oder Faschingsredner haben, als Herr und Frau Braun sowie Da Bobbe Einblicke in ihr Programm geben oder Gerda Steiner von der Theaterarbeit und ihrem Vater Peter erzählt.

Witze Watschnbaum, Zupfgeigenhansl, Knieschwammerl oder Haubentaucher

Souverän führt Harry Meier durch das Programm, kann selbst die ein oder andere Pointe setzen. Bevor die Finalrunde beginnt, in der nur noch Wolfgang Neff als Publikumswahl und Siegfried Sandner sowie Lukas Kiermeyr als Jurykandidaten teilnehmen, müssen alle Kandidaten Witze zu bayrischen Begriffen wie Watschnbaum, Zupfgeigenhansl, Knieschwammerl oder Haubentaucher zum Besten geben. Das Publikum grölt. Am Ende gewinnt der 80-jährige Siegfried Sandner. „Mein Lieber, das ist eine Leistung“, kommentierte Gerda Steiner das Alter des Siegers.

„Meine Frau hat von der Veranstaltung in der Zeitung gelesen“, sagt der pensionierte Uhrmacher und Feinmechaniker, der eigentlich als Zuschauer dabei sein wollte. Witze hätten ihn immer schon begeistert, fügte er hinzu. „Dann hat es mich doch gejuckt, mal Witze auf der Bühne zu erzählen.“

Um seine privaten Zuhörer begeistern zu können, müsse er aus seinem 400 Witze umfassenden Repertoire deutlicher in die Ablage der derben Witze greifen. „Leider lachen die Leute nicht mehr so sehr über den anständigen Witz“. Nervös sei er nicht gewesen, aber eine Erkrankung habe ihm die Teilnahme erschwert, sagt er. „Ich erzähl ja nur privat Witze, ich bin noch nie aufgetreten“, kommentiert er seinen Sieg, der vom Publikum kräftig beklatscht und bejubelt wurde.

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