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05.06.2009

Die Betriebe sollten nicht nur auf junge Mitarbeiter setzten

Königsbrunn (maker) - Die Weltbevölkerung steigt, doch die Deutschen werden immer weniger. Das stellt nicht nur das Sozialsystem vor Probleme sondern auch die heimischen Unternehmer. Humangeografin Prof. Karin Thieme diskutierte mit Königsbrunner Führungskräften im Rahmen des Unternehmerfrühstücks die Problematik des demografischen Wandels und die Auswirkungen auf die Unternehmen.

6,8 Milliarden Menschen gibt es zurzeit auf der Erde, 2100 könnten es schon elf Milliarden sein. Doch gleichzeitig stagniert die Bevölkerungsrate in den Industriestaaten und in manchen Ländern schrumpft sie gar. "Kurzfristig angeleierte Familienpolitik nach von-der-Leyen kommt eventuell zu spät", so Thieme in ihren Ausführungen.

Deshalb würden Unternehmen zukünftig nicht mehr so stark auf junge Leute als Arbeitnehmer zurückgreifen können, so eine Konsequenz aus der Entwicklung. Und auch die "Praxis der Frühverrentung wird nicht mehr so weiter gehen." Für den Leistungsstand von Arbeitnehmern sei nicht das numerische Alter entscheidenden, sondern der Gesundheitsstand. Und der ist heute bei gleichem Alter bedeutend besser als zu früheren Zeiten. Die Gesundheit und Arbeitskraft bleibt damit Firmenkapital.

Doch die Betriebe müssen auf die Bedürfnisse von "leistungsgewandelten" Mitarbeitern, bei denen etwa Motorik und Augenlicht nachlassen, eingehen. "Ergonomie" und "Gesundheitsvorsorge" nannte Karin Thieme in diesem Zusammenhang als wichtige Handlungsfelder.

Die Betriebe sollten nicht nur auf junge Mitarbeiter setzten

Unter dem Qualifikationsniveau

Eine weitere Gruppe, die den Mangel an Arbeitskräften ausgleichen kann, sind Migranten. Dabei bedarf es einer Studie zufolge keiner spezifischen Angebote für junge Migranten, sondern "einer interkulturelle Öffnung des bestehenden Angebotes". Viele Aussiedler arbeiten heute weit unter ihrem Qualifikationsniveau, so die Referentin.

Für jugendliche Migranten habe sich eine Job-Paten-System bewährt, berichtete die Wissenschaftlerin und sie fordert "eine Kooperation ehrlicher Natur und nicht nur am Reißbrett." Thieme rät dem Mittelstand, regionale Netzwerke aufzubauen und Vorbilder zu suchen, die bereits einen Schritt in diese Richtung gemacht haben. Und sie sieht den demografischen Wandel auch als Gestaltungsaufgabe und Chance für die Gesellschaft.

Die Fragen nach Kaufkraftentwicklung und Entwicklung der Arbeitskosten beantwortete sie nicht: "Da kann es nur sehr unscharfe Antworten geben, die sehr stark von der Politik abhängen. Die extreme Belastung unserer sozialen Sicherungssysteme werden dabei sicherlich auch eine Rolle spielen."

Und einen Tipp für mehr Information gab es ebenfalls beim Unternehmerfrühstück in Königsbrunn: "Der demografische Wandel wird Gesellschaft und Arbeitswelt in Deutschland in den nächsten Jahren und Jahrzehnten tiefgreifend verändern", so die Aussage von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz auf der regierungseigenen Internetseite "der-demograf.de". Dort finden Unternehmer auch Beispielszenarien für die betriebliche Altersstruktur und eine Checkliste zur Frage "Ist ihr Betrieb demografiefest?"

Die Diskussion ist geschlossen.

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