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Königsbrunn

31.07.2018

Die Frau mit dem offenen Ohr für alle

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2 Bilder
Kümmerin Marcella Wolf vor ihrem Lieblingsbild der gerade laufenden Ausstellung im Generationenpark "einsmehr".
Bild: Claudia Deeney

Das Königsbrunner Mehrgenerationenhaus hat viele Gesichter. Wir stellen einige vor: Marcella Wolf ist die Frau, ohne die im Generationenpark nichts geht.

Das Mehrgenerationenhaus in Königsbrunn wird in diesem Jahr zehn Jahre alt. Zu der sozialen Einrichtung in der Bürgermeister-Wohlfarth-Straße gehören zahlreiche Projekte in der Stadt. Prominentestes Beispiel ist das überregional beispielhafte Wohnprojekt Generationenpark, aber auch das Familienbüro oder die Freiwilligenagentur dazu. Wir schauen in einer kleinen Serie auf die handelnden Personen im Hintergrund und stellen die verschiedenen Bereiche vor.

„Ohne sie ginge es hier nicht“, das sagt Cornelia Moser spontan, als sie von unserer Zeitung hört, dass wir die Kümmerin des Generationenparks vorstellen wollen. Moser wohnt dort und kann das beurteilen. Die, ohne die es nicht geht, das ist Marcella Wolf. Seit die ersten Mieter in den Generationenpark gezogen sind, arbeitet sie dort, und zwar tatsächlich als Kümmerin. Dieser Begriff ist ein Berufsbild und im Prinzip ist der Name Programm.

Sie hilft den Bewohnern, sich selbst zu helfen

Ihr Chef ist Achim Friedrich, ihr offizieller Arbeitgeber ist das Kommunalunternehmen Kinder, Jugend und Familie (Kukijufa) der Stadt Königsbrunn. Seit auch die zweite Wohnanlage des Generationenparks fertiggestellt wurde, hat sich ihre Arbeitszeit auf 30 Stunden wöchentlich erhöht. Insgesamt 90 Wohnungen mit ungefähr 250 Bewohnern gehören sozusagen zu ihrem Terrain. Wobei sie gleich klarstellt: „Ich bin Ansprechpartnerin, berate und helfe, aber immer mit dem Ziel, dass sich die Bewohner selbst kümmern und sich selbst organisieren“.

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In der Praxis sieht das so aus, dass schon mal der ein oder andere Mieter in ihr Büro kommt und sich über Nichteinhaltung der Mittags- oder Nachtruhe beschwert: „Dann mache ich beispielsweise den Vorschlag, zu dem jeweiligen Nachbarn zu gehen und das anzusprechen. Möchte der Ratsuchende das nicht alleine tun, versuche ich das Gespräch mit beiden Parteien zusammen zu bekommen, unter meiner Vermittlung.“

Wachstumsprozess hin zu einer großen Familie

Nun könnte man meinen, gut in einer Wohnanlage gibt es immer mal Schwierigkeiten und braucht es da wirklich eine Kümmerin? „Ja“ sagt dazu auch sofort ihr Chef Achim Friedrich. Die Idee im Generationenpark sei, das Leben einer früheren Großfamilie nach zu empfinden. Die Bewohner sollen sich gegenseitig unterstützen, sie sollen Kontakt zueinander haben. Das sei ein Wachstumsprozess, denn anders als in der früher gelebten Großfamilie kennen sich die Mieter nicht, wenn sie in den Generationenpark ziehen.

Marcella Wolf ist eine außenstehende Ansprechpartnerin, die keine eigenen Interessen als Bewohnerin der Anlage hat und daher ganz neutral die Dinge in Angriff nehmen kann. Dazu gehören die Organisation des Pflegens des angelegten Kräuterhochbeetes ebenso wie Kontakte herstellen untereinander. „Das Miteinander ist die Grundidee“, erklärt sie.

Viele Bewohnern haben die Grundprinzipien verinnerlicht 

Mittlerweile haben das auch sehr viele Mieter verinnerlicht und machen die Dinge des Alltags unter sich aus, genau wie es auch gewünscht ist. Die einen gingen einkaufen und brächten Getränke für Nachbarn mit Behinderung mit, die anderen haben eine Fahrgemeinschaft gegründet und ausgemacht, wer die Kinder wann zum Fußballtraining fährt. „Gelebte Nachbarschaftshilfe, dazu gebe ich immer wieder den Anstoß“, sagt die Kümmerin.

Auch Berührungsängste untereinander baue sie ab. Die Kinder hätten diese gar nicht, die Erwachsenen schon. Inklusion wird im Generationenpark ebenso gelebt wie das Aufeinandertreffen verschiedener Religionen. Für die Bewohner direkt da zu sein, auch mal beim Amtsdeutsch von Formularen zu helfen, ist die eine Seite ihres Jobs. Die andere ist die Verknüpfung nach außen. Der Generationenpark soll ja auch in der Brunnenstadt integriert sein. Dazu hat sie in den fünf Jahren ihrer Amtszeit zahlreiche Kontakte hergestellt und organisiert auch Kurse im Generationenpark.

Pilates, Yoga und Rückbildungsgymnastik sind nur drei Kurse, die sie aufzählt, die im Gemeinschaftsraum stattfinden. Zwei Drittel der Teilnehmer an den Kursen seien mittlerweile keine Bewohner. Das ist ein sehr guter Erfolg. Auch Ausstellungen finden statt, genau wie Veranstaltungen. Wolf arbeitet beispielsweise mit dem Kulturbüro, mit dem Verein Klik, den beiden großen Kirchen und vielen Gastronomen der Brunnenstadt zusammen. Das Netz wird immer feiner und engmaschiger, die jungen Menschen lockt eine Jugendschachgruppe in den Generationenpark und Kulturreferent Christian Toth dirigiert einmal im Monat den Generationenchor. Die Zeitbörse bewirtschaftet das Café, der Faschingsverein CCK hat auch schon in den Räumlichkeiten geübt, kaum eine Kooperation die Wolf noch nicht angestrebt hat. Die Volkshochschule und das Fritz-Felsenstein-Haus gehören als Partner ebenfalls dazu. Außerdem koordiniert die Mutter von zwei Töchtern und Oma von bald zwei Enkeln den Fahrdienst im Generationenpark.

Und sie pflegt die gute Nachbarschaft um die Anlage herum. Das Sommerfest stand unter dem Motto: „Gemeinsam bewegen, lernen, spielen, balancieren und feiern.“ Ein Motto das kurz und knapp, aber treffend das Leben im Park beschreibt und zu dem Wolf Tag für Tag ihren Beitrag leistet.

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