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Brechttage

07.02.2015

Die Frisur ändert sich, aber der Ausdruck bleibt gleich

Einen lachenden Brecht gibt es auf Fotos nicht, maximal ein verschmitztes Lächeln konnten die Fotografen dem Schriftsteller entlocken. Prof. Helmut Koopmann zeigte den Zuschauern die Facetten des humorvollen Bertolt Brecht.
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Einen lachenden Brecht gibt es auf Fotos nicht, maximal ein verschmitztes Lächeln konnten die Fotografen dem Schriftsteller entlocken. Prof. Helmut Koopmann zeigte den Zuschauern die Facetten des humorvollen Bertolt Brecht.

Dass Brecht auch mal gelacht hat, hält Literaturwissenschaftler Prof. Koopmann für unwahrscheinlich. Dennoch erlebt das Publikum den Humor in Brechts Liedern

Die Fotos zeigen stets einen ernsten, verschlossenen, ja manchmal sogar einen recht grimmigen Bertolt Brecht, der selten in die Kamera schaut und somit den Betrachter nicht ansieht. Gibt es überhaupt einen Brecht, der lacht? So lautete die Frage, der Literaturwissenschaftler Prof. Helmut Koopmann in seinem Königsbrunner Vortrag nachging.

Um es vorwegzunehmen: Humor hatte Brecht allemal. Hintergründig, ironisch, entlarvend – aber niemals einfach nur befreiend. Bereits zum dritten Mal hatte das Kulturbüro als „Außenstelle“ des Augsburger Brechtfestivals eingeladen. Dabei habe Brecht eine verblüffende Aktualität, stellte Kulturbüroleiterin Ursula Off-Melcher zur Eröffnung fest. „Es ist schlimm, in einem Land zu leben, in dem es keinen Humor gibt, aber noch schlimmer ist es, in einem Land zu leben, in dem man den Humor braucht“, zitierte sie Brecht und zog einen Bogen zu den Ereignissen um die Zeitschrift Charlie Hebdo.

Brecht setzt Humor ein, aber er ist nie befreiend

Koopmann untersuchte verschiedene Zeitdokumente zu Brecht: Fotos, Berichte von Weggefährten, Zeitungsartikel und Brechts Werke. Besonders in den Stücken von Brecht komme sein Humor immer wieder zum Ausdruck, fasst er zusammen. Allerdings nicht in der befreienden Art und Weise, wie ihn die Philosophen Nietzsche und Schopenhauer beschrieben haben.

Bei Brecht gehe es vielmehr um hintergründigen Humor, um die Ironie als negative Variante, die aber mehr Intelligenz voraussetze. Eine Kostprobe dieses Humors bot Koopmann mit einem Text aus den Flüchtlingsgesprächen, die Brecht 1940 schrieb: Revisoren wollten die Kasse des dänischen Finanzministers prüfen. Dieser sagte: „Meine Herren, wenn Sie auf die Revision bestehen, bin ich nicht mehr Finanzminister.“ Sie revidierten und sperrten in ein.

Auch das Lied der Liebenden, die Lieder aus der Dreigroschenoper und Mahagonny, die Christian Venske und Rita Marx so bravourös auf die Bühne brachten, zeigen den Humor des autoritäts- und gesellschaftskritischen Autors. Venske mag Brecht, wie er am Rande der Veranstaltung sagte, weil Brecht die Umstände „mit Augenzwinkern auf den Punkt bringt“.

Mix aus Musik und Fachvortrag kommt beim Publikum gut an

Den Besuchern gefiel der Mix aus Musik und Fachvortrag, war nach der Veranstaltung zu hören. Gerade diese Kombination mache den Charme des Abends aus, sagte etwa Gertrud Dürr. Und Brechtfan Karin Feeß freute sich, dass es überhaupt einen Brechtabend in der Brunnenstadt gab. „Es ist toll für Königsbrunn, dass die Stadt sich da eingeklinkt hat – und Rita Marx war eine Augen- und Ohrenweide“.

Und gibt es nun Fotos, auf denen Bertolt Brecht herzhaft lacht? Literaturwissenschaftler Koopmann sagte: „Nein, ich fand keins.“ Die Frisur änderte sich im Laufe der Jahre, aber der Ausdruck bliebe immer der gleiche.

Allerdings berichten Weggefährten durchaus von Brechts Humor, allerdings wieder eher in ironischer Form. So ist überliefert, dass Brecht über Thomas Mann – beide verband eine gegenseitige Abneigung – einmal gesagt habe: „Seine Kurzgeschichten habe ich immer gerne gelesen.“ Über diesen Satz konnten dann auch die rund hundert Besucher herzhaft lachen – angesichts von Manns großen Romanen „Buddenbrooks“ und „Zauberberg“ mit jeweils mehr als 1000 Seiten.

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