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Mickhausen

02.08.2020

„Die Honigsammler“ machen Hobby zum Beruf: So arbeiten Profi-Imker

Für Rainer Bickel sind seine Bienen nicht nur Honig- und Wachslieferanten. Sie prägen auch seine Lebensphilosophie.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Plus Rainer Bickel und Susanne Frey haben sich in Grimoldsried ihren Traum erfüllt. Die meiste Arbeit für die Profi-Imker fällt abseits der Bienenstöcke an.

Rainer Bickels Augen leuchten. Für seine Frau und ihn sei ein Traum in Erfüllung gegangen, sagt er. Sein Stolz ist spürbar. Der Traum, das ist der Bau seiner Erwerbsimkerei an der Alten Wiese im Mickhauser Ortsteil Grimoldsried. Noch ist nicht alles fertiggestellt wie der Verkaufsraum und die Betriebsleiterwohnung. Die Produktion laufe aber bereits.

Rainer Bickel und seine Frau Susanne Frey sind leidenschaftliche Honigsammler. Für sie geht es nicht um Masse. Wichtig ist ihnen eine ausschließlich naturnahe Bienenhaltung. Und das seit Anfang an. Eingetaucht in die goldene Welt des Honigs ist Rainer Bickel vor fast zwei Jahrzehnten: „Ich war damals im Textil-Maschinenvertrieb tätig“, erzählt er. Das habe ihn nicht ausgelastet. Da er schon immer Honigfan war, besuchte er schließlich die Imkerschule Schwaben in Kleinkemnat, um sich dort das notwendige Wissen zur Imkerei anzueignen.

Angefangen hat der Honigsammler mit drei Bienenvölkern

Gestartet ist er zunächst mit drei Bienenvölkern. Im Imkerverein lernte er schließlich Susanne Frey kennen. Seit 2012 imkern sie gemeinsam als Die Honigsammler. Zunächst vermarkten sie ihren Bio-Honig und weitere Bienenprodukte auf Märkten, später auch in Discountern. Lange Zeit wirtschaftet ihre Imkerei im Nebenerwerb in beengten Verhältnissen in einer Doppelhaushälfte in Wehringen. „Irgendwann sind wir an den Punkt gelangt, dass es so nicht weitergeht und wir die Produktion wesentlich nach oben fahren müssen“, berichtet Bickel.

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In Grimoldsried haben die beiden schließlich eine für sie optimale landwirtschaftliche Fläche gefunden. Heute gehört Rainer Bickel zu den rund 300 Berufsimkern in Deutschland. Doch bis zum Baustart im vorigen Jahr seien viele behördliche Hürden zu überwinden gewesen, sagt er: „Manchmal kam uns der Kampf vor wie gegen Windmühlen.“ Doch nun richte sich der Blick ausschließlich nach vorne.

Bestand in Grimoldsried soll auf 300 Völker aufgebaut werden

„Die Imkerei ist eine Art Sucht“, gesteht Bickel: „Einmal mit ihr angefangen, lässt sie einen nicht mehr los.“ Je mehr Einblick er und seine Frau in die Bienenzucht bekommen haben, umso interessanter und spannender sei die Materie geworden und die Verantwortung für die Lebewesen gewachsen.

Die Bienensaison läuft vom Blüten- und Nektarangebot her von Mai bis Juli. Dieser Zeitraum sei für eine Imkerei die Basis für das ganze Jahr, informiert Bickel. Derzeit verfüge er über rund 200 Bienenvölker, Ziel seien 300. Im Sommer besteht ein Volk aus bis zu 60.000 Tieren.

Seine Völker stehen in der Region an mehreren Standorten. Doch vom Honig allein, den sie an diesen Plätzen ernten, können Susanne Frey und Rainer Bickel nicht leben. In den Sommermonaten betreiben sie deshalb eine sogenannte Wanderimkerei. Mit einem Teil ihrer Völker fahren sie zu speziellen Bienenweiden in der Bundesrepublik, um unterschiedliche Blütenangebote zu nützen und ein reichhaltiges Sortiment zu gewinnen.

Was im Glas der Honigsammler landet, kommt auch von den eigenen Bienen

Bickel erläutert auch, wie seine Honigproduktion abläuft. Los gehe es mit den Honigbienen: „Sie fliegen Pflanzen an und saugen mit ihren Saugrüsseln Nektar und Honigtau auf.“ Wenn die Waben im Bienenstock mit Honig gefüllt und verdeckelt sind, entnimmt er sie. Zunächst entfernt er mit einer speziellen Gabel die Wachsdeckel: „Danach wird der Honig in einer speziellen Schleudermaschine aus den Waben heraustransportiert.“ Der so gewonnene Honig läuft durch Siebe in ein Rührgerät, wird gefiltert und über eine geeichte Waage in Gläser abgefüllt. Bis zum Verkauf kommt er in einen Kühlraum.

Mindestens 50 Prozent der Arbeitszeit fließt in die gezielte Vermarktung ihrer Produkte. „Wichtig ist uns, dass das, was im Glas ist, auch von uns und unseren Bienen kommt“, betont Rainer Bickel. In seiner Imkerei komme alles aus einer Hand, versichert er: „Wir kaufen nichts hinzu und züchten auch selbst unsere Bienenköniginnen.“ Diese Zucht sei die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg der Imkerei: „Eine entsprechende Fruchtbarkeit der Königinnen und eine große Volksstärke sind die unerlässliche Vorbedingung für gute Honigerträge.“ Der Imker vergleicht guten Honig mit einem guten Wein. Jedes Jahr bringe je nach Nektarangebot, Wetter und Schleuderzeitpunkt einen Honig mit unterschiedlichen Geschmackserlebnissen hervor. Sein Ziel: „Wir wollen unsere Begeisterung für Honig auf möglichst viele Menschen übertragen.“

Mehr Informationen gibt es unter www.die-honigsammler.de

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