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Lagerlechfeld

30.03.2015

Die Luftpolizei vom Lechfeld

Kraft aus zwei Triebwerken: Ein „Eurofighter“ hebt auf, auf diesem Archivbild vom Flugplatz Neuburg-Zell. Das Jagdgeschwader 74 ist derzeit auf dem Lechfeld stationiert und schickte von dort vier Flugzeuge ins Baltikum.
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Kraft aus zwei Triebwerken: Ein „Eurofighter“ hebt auf, auf diesem Archivbild vom Flugplatz Neuburg-Zell. Das Jagdgeschwader 74 ist derzeit auf dem Lechfeld stationiert und schickte von dort vier Flugzeuge ins Baltikum.
Bild: Oliver Lang/ddp

Geschwader informiert über Einsatz im Baltikum – und Kontakte mit russischen Jets. Ein Wechsel der Eurofighter zurück nach Neuburg ist vorerst nicht möglich.

So nahe an das „Waffensystem Eurofighter“ kommen militärische Laien normalerweise nicht heran – und so viele Details über einen hochaktuellen Einsatz wie den als NATO-Luftpolizei über dem Baltikum, erfährt man auch selten. Doch diesmal machte das Taktische Luftwaffengeschwader 74, das derzeit auf dem Lechfeld stationiert ist, eine Ausnahme. Für 30 Mitglieder der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), Sektion Lechfeld, erläuterten Offiziere, wie eine Abordnung des Geschwaders als NATO-Luftpolizei im Rahmen des „Air Policing“ von August bis Dezember 2014 in den baltischen Staaten im Einsatz waren.

Dabei war auch zu erfahren, dass es inzwischen fraglich ist, ob das Luftwaffengeschwader 74 wie geplant Mitte 2015 wieder vom Lechfeld zum Heimatflughafen Neuburg/Donau wechseln kann. Die Sanierung der dortigen Startbahn hat sich nicht allein durch Änderungen in der Planung verzögert, sondern auch durch die Bergung zahlreicher scharfer Bomben oder Blindgänger und die tiefen Temperaturen, die sensible technische Arbeiten teilweise deutlich komplizieren. Möglicherweise bleiben die Eurofighter noch einige Monate länger auf dem Lechfeld.

Von Ende August bis Dezember 2014 hatte das Geschwader vier Eurofighter und jeweils etwa hundert Soldaten als Unterstützungspersonal auf dem Militärflugplatz Ämari an der südlichen Küste des Golfs von Finnland im Einsatz – im Auftrag der NATO, unter dem Kommando des Nordatlantik-Bündnisses. Um diesen Einsatz hatten die Baltikum-Staaten, die über keine eigenen Kampfflugzeuge verfügen, im April 2014 ansichts der kriegerischen Entwicklung im Osten der Ukraine gebeten.

Wenn russische Streitkräfte auf dem Luftweg die russische Exklave Kaliningrad erreichen wollen, so erläuterte Gordon Schnitger, Kommandeur der Fliegenden Gruppe des Geschaders, dann führt der Flugweg nördlich Estland über den finnischen Golf. Deshalb wurde der Militärplatz Ämari ausgewählt, von dort können die Militärjets bei einem Abfangeinsatz in drei Minuten das potenzielle Ziel erreichen.

Bei den regelmäßigen Patrouillenflügen der Deutschen sei es nie zu bedrohlichen Szenarien gekommen, versicherte Schnitger. Eine der Vorgaben war, jede Provokation zu unterlassen. Um die notwendige visuelle Identifizierung durchzuführen, nähern sich Militärjets ihren Zielen oft von hinten unten, um dann neben ihnen hochzuziehen. Dieses Vorgehen führ manchmal zu heiklen Reaktionen.

Solche Erfahrung haben laut Schnitger amerikanische und englische Piloten im Kontakt mit russischen Militärjets gemacht. Das Konzert der Luftwaffen-Piloten sah eine seitliche Annäherung vor, um damit keine unerwünschten Reaktionen zu provozieren.

Man sei sich im Klaren darüber gewesen, das die Eurofighter bei jedem Start sofort vom russischen Radar und der Luftabwehr erfasst wurden. Allerdings habe man sich darüber keine großen Sorgen gemacht, denn ein Angriff auf eines der deutschen Flugzeuge wäre ein Angriff auf die gesamte NATO gewesen – mit allen politischen und militärischen Folgen.

Der Eurofighter ist unter anderem exakt für solche Aufgaben entwickelt worden, hieß es (siehe Infokasten). Das Flugzeug ist – weil zu gut 80 Prozent aus Verbundwerkstoffen gebaut – sehr leicht und wendig. Allerdings sind deshalb Reparaturen außergewöhnlich aufwendig und teuer, informierte Techniker Oberleutnant Michael Riehl. Schnitger bezeichnete den Piloten im Eurofighter einen „Informationsmanager“. Der Jet fliege weitgehend autonom, 256 Computer regeln die Details im verborgenen Zusammenspiel.

Zum Abschluss seines Vortrages zog der 44jährige Oberstleutnant das Fazit, dass das Taktische Luftwaffengeschwader 74 mit seiner Präsenz den Nato-Partnern auf dem Baltikum die notwendige Sicherheit gegeben habe. Walter Laudes, Vorsitzender der GSP-Sektion, bezeichnete den Einsatz als hochpolitisch.

Vorerst laufen die Planungen bis 2016, aber Schnitger rechnet mit einer Verlängerung von Jahr zu Jahr. Seiner Ansicht nach werden die baltischen Staaten auch in den nächsten Jahren nie über die notwendigen Mittel zum Aufbau eigener Luftstreitkräfte verfügen. (mimä)

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