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Interview

18.06.2017

Die Mittelschule ist das Sorgenkind

Großaitingens Bürgermeister Erwin Goßner sieht den Hochwasserschutz als großes Problem. Er kritisiert den fehlenden Handlungsspielraum für die betroffenen Gemeinden.
Bild: Hieronymus Schneider

Erwin Goßner ist seit drei Jahren Bürgermeister von Großaitingen. Warum die Gemeinde andere Schwerpunkte setzen muss und wie er die Probleme Hochwasser und Bauland bewertet.

Herr Goßner, Sie haben vor drei Jahren die Bürgermeisterwahl gewonnen. Hatten Sie sich das Amt so vorgestellt oder kam es ganz anders als erwartet?

Erwin Goßner: Schon lange vor der Wahl habe ich mich intensiv damit beschäftigt, was dieses ehrenvolle Amt für mich persönlich bedeutet, auf was ich vorbereitet sein sollte und wie ich den Aufgaben eines Bürgermeisters am besten gerecht werden könnte. Mit Überraschungen habe ich gerechnet. Dass es die erste dicke Überraschung aber schon wenige Tage nach dem Amtsantritt gab, kam völlig unerwartet. Beim Hochwasserschutz für das Baugebiet 30, der auch einige Flächen im Ortsbereich mit einbezieht und vom Wasserwirtschaftsamt zuerst nicht anerkannt wurde, musste ich mein erstes Gesellenstück abliefern.

Ist der Hochwasserschutz, der sie seit den ersten Tagen ihrer Amtszeit beschäftigt, das größte Problem in Großaitingen?

Goßner: Der Hochwasserschutz, der mich tatsächlich bereits von Anfang an begleitet, ist sicherlich ein großes Problem. Und ich befürchte, dass es auch noch für längere Zeit so sein wird. Unverständlich ist allerdings, dass diesem Thema einerseits ein hoher Stellenwert eingeräumt, den Betroffenen andererseits aber kein Handlungsspielraum gegeben wird. Großaitingen ist bereit und finanziell in der Lage, in den Hochwasserschutz zu investieren, muss sich aber ebenso wie andere Städte und Gemeinden an der Singold dem jahrelang blockierten Projekt „Rückhaltebecken Holzhausen“ unterordnen. Mein Ziel ist es, unabhängig davon im Einvernehmen mit dem Wasserwirtschaftsamt Donauwörth und gemeinsam mit den anderen Kommunen praktikable regionale Lösungen zu suchen und umzusetzen.

Welche weiteren Probleme gibt es noch in der Gemeinde?

Goßner: Probleme sehe ich aktuell bei Entwicklungen wie etwa dem zunehmenden Individualverkehr, der wachsenden Altersarmut und auch generellen gesellschaftlichen Veränderungen. Ich bezweifle jedoch, dass die Gemeinde ein Rezept gegen die Ursachen solcher Entwicklungen hat, sie wird sich vielmehr mit deren Auswirkungen beschäftigen müssen. Natürlich hat sie das auch schon in Vergangenheit praktiziert, sie wird in Zukunft aber andere Schwerpunkte setzen müssen, wie es in einer wachsenden Gemeinde mit immer neuen Wohngebieten, jungen Familien und einer ausgeglichenen Sozialstruktur bisher notwendig war. Bauplätze werden weiterhin stark nachgefragt, doch weiterem Wachstum sind nicht nur geografisch Grenzen gesetzt. Allein die Nachfrage ortsansässiger Bürger – die Kinder und Enkel der Menschen, die vor Jahrzehnten hierher gezogen sind oder schon lange im Ort leben – kann mit weiterem Bauland kaum befriedigt werden. Eine Gemeinde dieser Größe muss sich zudem den Aufgaben stellen, Wohnraum für sozial schwache Menschen zu schaffen und mehr für ihre Senioren zu tun.

Ein Beispiel dafür ist der Seniorenfahrdienst, der in Großaitingen aber nicht so gut angenommen wird wie in Schwabmünchen und Hiltenfingen. Woran könnte das liegen?

Goßner: Im allerbesten Fall wird der Seniorenfahrdienst in unserer Gemeinde wenig nachgefragt, weil unsere älteren Mitbürger noch überaus agil und mobil sind. Gut möglich auch, dass das soziale Umfeld in der Familie sowie im Bekannten- und Freundeskreis intakt ist, und sich immer ein Fahrer für den Weg zum Arzt, zur Apotheke oder zum Optiker findet. Eine Tatsache ist allerdings, dass der Fahrdienst zu wenig beworben und bekannt gemacht wurde, Informationen allgemein gehalten waren und so einige Fragen offen blieben. Nachdem das Angebot für Senioren zuletzt um ein weiteres Jahr bis Juni 2018 verlängert werden konnte, sollten diese Fehler zukünftig vermieden werden. Insgeheim hoffe ich, dass der eine oder andere Senior mutig ist und den Fahrdienst wenigstens ausprobieren wird.

Großaitingen hat eine Grund- und Mittelschule, in der Schüler den qualifizierenden Abschluss machen können. Kann diese Schule auch in Zukunft erhalten werden?

Goßner: Im Rahmen meiner Möglichkeiten werde ich alles dafür tun, die Grund- und Mittelschule zu unterstützen. Mit Konrektorin Hannelore Mader und Rektor Stefan Bader habe ich in dieser Herzensangelegenheit engagierte Mitstreiter. Sorgenkind ist und bleibt aber die Mittelschule, die leider wenig Anerkennung und Wertschätzung erfährt. Sowohl Schule, Lehrer als auch Gemeinde wollen die Voraussetzungen schaffen, dass möglichst viele Schüler einen möglichst guten qualifizierenden Abschluss erzielen, um so die Chance auf den ersehnten Ausbildungsplatz zu bekommen.

Welche ihrer Ziele wurden schon erreicht?

Goßner: Es sind eher die kleinen Schritte, um stetig voranzukommen. Alle meine Amtsvorgänger haben sehr gute Arbeit geleistet und dazu beigetragen, dass Mammut-Aufgaben wie der Bau von Straßen und Kanalisation, Schule oder Kindergarten in Großaitingen derzeit kein Thema sind. Zu meinen Aufgaben gehörte, die Untere Wertachbrücke zu sanieren, die Urnenwand zu erweitern und neues Bauland, in erster Linie für ortsansässige Betriebe, zu schaffen. Die Ziele, die ich mir gesetzt habe, versuche ich jeden Tag aufs Neue zu erfüllen: der offene, ehrliche und unvoreingenommene Umgang mit allen Menschen der Gemeinde, den Mitarbeitern der Verwaltung sowie den Ämtern und Behörden.

Was wollen Sie in den kommenden drei Jahren erreichen?

Goßner: Expect the unexpected – erwarte das Unerwartete, lautet eine Weisheit, der man sich nicht verschließen und stets auf Überraschungen gefasst sein sollte. Mein Hauptaugenmerk liegt derzeit jedoch darauf, bereits begonnene Planungen wie etwa für den Ausbau der Straße „An den Sportstätten“, den Neubau einer Wassertretanlage oder die Erschließung eines neuen Baugebiets voranzutreiben und innerhalb kürzester Zeit umzusetzen.

Wie beurteilen Sie Ihre bisherige Amtszeit und können Sie sich eine weitere vorstellen?

Goßner: Der erste Teil der Frage ist schwer zu beantworten, da es in den vergangenen drei Jahren wie in jedem Berufsleben sehr viele Höhen und auch einige Tiefen gab. Ich denke, dass ich vieles richtig gemacht habe und hoffe, zusammen mit dem Gemeinderat immer die besten Entscheidungen für das Wohl unserer Mitbürger getroffen zu haben. Beim zweiten Teil der Frage halte ich es wie Braut und Bräutigam, wenn sie bei der Trauung vor mir stehen und antworten: Ja. Bis jetzt gab es übrigens noch kein Nein.

Interview: Hieronymus Schneider

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