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Musik

15.02.2020

„Die Rosi war schon eine berechnende Nummer“

Er ist der Keyboarder der Spider Murphy Gang: Mit seiner eigenen Band kommt Ludwig Seuss im April nach Langenneufnach. Er gilt als einer der versiertesten Pianisten und Organisten der Republik.
Bild: Sascha Kletzsch

Große Bekanntheit hat Ludwig Seuss als Mitglied der Spider Murphy Gang gewonnen. Mit seiner eigenen Band kommt er im April nach Langenneufnach und präsentiert seine Leidenschaft für den Sound der US-Südstaaten

Ludwig Seuss ist vielleicht nur eingefleischten Fans des „New Orleans R&B und Zydeco“ ein Begriff. Er gilt als einer der versiertesten Pianisten und Organisten der Republik und als einer der besten Zydeco-Akkordeonisten. Weitaus mehr Leute kennen sein Gesicht a von der Kultband Spider Murphy Gang. Hier sorgt Ludwig Seuss bereits seit 1986 am Keyboard für den typischen bayerischen Rock-’n’-Roll-Sound. Der Kulturschmiede Stauden gelang es, den Münchner Künstler für ein Konzert in den Stauden zu gewinnen. Am 18. April ist die Ludwig-Seuss-Band zusammen mit Special Guest „Dr. Will“ in Langenneufnach zu Gast. In einem Interview erklärt uns Ludwig Seuss seine musikalische Leidenschaft.

Hallo Herr Seuss, Sie gelten ja als überragender Pianist und Akkordeonist. Mit wie viel Jahren haben Sie eigentlich damit angefangen?

Ich habe mit sechs Jahren auf der Heimorgel angefangen. Im Orgelunterricht bekam ich auch ein Boogie-Woogie-Heft und hab mich wohl schon damals in diese Musik verliebt. Mit 13 Jahren habe ich dann Klavier angefangen. In meiner ersten Band spielte ich übrigens Schlagzeug, weil ich unbedingt in die Band wollte. Erst mit 17 bin ich bandtechnisch wieder zum Klavier gekommen, weil lokal angesagte, semiprofessionelle Matadore einen Pianisten gesucht haben. Da haben wir dann auch in den guten Clubs in München gespielt, und schon mit 20 bin ich bei den Spiders eingestiegen.

Haben Sie auch einen anständigen Beruf gelernt?

Anständig? Da muss ich gestehen: nein. Ich hab eineinhalb Jahre Zivildienst geleistet und da viel gelernt. Kurzfristig war ich auch mal in Musikwissenschaften eingeschrieben, aber das war’s dann auch schon.

Was haben die Eltern gesagt?

Natürlich waren meine Eltern nicht ganz so begeistert, weil es ist ja als Musiker doch so eine unsichere Sache, ob man davon leben kann. So eine Geschichte als Musiker ist schon schwierig, andererseits – was ist heutzutage nicht schwierig?

Wie würden Sie Ludwig Seuss selbst beschreiben – schon immer den Blues und Rock’n’Roll im Blut?

Ja, das kann man schon sagen, wobei ich von meinem Musikgeschmack sehr vielseitig bin. Zu Hause höre ich viel Jazz, wobei bei Jazz, Blues und Rock’n’Roll – da sind die Grenzen schon oft fließend. Ich höre auch sehr gern alte Beatles- und Stones-Lieder. Musik ist einfach eine Bereicherung für das Leben und für das ganze Sozialleben, egal, ob es dir gut oder schlecht geht – die Leute werden immer Musik hören wollen.

Wenn Sie so zurückblicken auf die 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre, wo die Spider Murphy Gang ja einer der Topgruppen der Neuen Deutschen Welle war. Wie war das für Sie, der Erfolg, die Fans und der Rummel?

Da muss ich sagen, als ich 1986 zu den Spiders kam, war der große Rummel um die Neue Deutsche Welle schon vorbei. Der große Hype, vor Zehntausenden zu spielen, ging plötzlich auf unter 1000 Leute runter. Für mich war das kein Problem, aber die anderen hatten da schon zu knabbern. Damals war ich in München schon ein bekannter Musiker und wurde gefragt, ob ich für die CD „Überdosis Rock’n’ Roll“ das Piano einspielen würde. So kam ich schließlich zur Spider Murphy Gang. Aber erst so 1989/90 ging es dann wieder mit Konzerten im kleineren Rahmen bergauf. Klar, Erfolg ist immer schön, wenn man in einer vollen Halle spielt oder einen Hit hat. Ganz ehrlich genieße ich aber die Konzerte vor 300 Leuten in einem Club oder einer kleinen Halle viel mehr. Ich spiele ja oft mit meiner Band oder den Spiders in unserem „kleinen Schwabinger Wohnzimmer“, im Lustspielhaus in München. Erst vor Kurzem haben wir vor ausverkauftem Haus unsere neue CD präsentiert. Übrigens ist die Spider Murphy Gang in diesem Jahr wieder verstärkt unplugged unterwegs.

Wie verträgt sich dann die Rosi aus dem Sperrbezirk mit Louisiana?

Ach die vertragen sich eigentlich recht gut. Wenn man sich den Südstaatensound so anhört, ist es eigentlich die Musik, die die Spiders ja machen, die vom Rock’n’ Roll wie zum Beispiel von Chuck Berry geprägt wurde. Die Rosi war schon eine sehr berechnende Nummer vom Günther (Anmerkung der Redaktion: Günther Siegl, Frontmann der Spider Murphy Gang) gewesen. Als der New Wave aus Amerika nach Deutschland kam, wurde daraus die Neue Deutsche Welle gemacht. Bands, die dann etwas affektiert und hackig gesungen haben, waren angesagt. Da sagte Günther einfach aus Spaß „Das mach mer auch“ und schrieb die Rosi. Wahrscheinlich wäre die Spider Murphy Gang nur mit ihrem rein bayerischen Rock-’n’-Roll-Sound nicht ganz so erfolgreich gewesen.

Gibt’s ein Lieblingslied von Ihnen, das Sie auf jedem Konzert spielen?

Sicher sind bei jedem Konzert ein paar Lieblingsnummern von Clifton Chenier, übrigens einer der ganz großen Zydeco-Musiker aus Louisiana, oder Chuck Berry und Little Walter dabei. Wir spielen natürlich aber auch viele eigenarrangierte Sachen.

Wie ist die Reaktion der Fans, die vielleicht zum ersten Mal auf einem Seuss-Konzert sind?

Es ist tatsächlich so, dass die Leute immer begeistert sind. Wir wundern uns da teilweise selber. Aber eben aus dem Grund, weil jeder die Rockmusik und die Klassiker aus dem Radio kennt. Es ist halt einfach Musik, die einen auch mitreißt.

Haben Sie auch schon in den Südstaaten Amerikas gespielt?

Ja, aber das ist lange her. So 1992 waren wir in Louisiana, New Orleans und haben dort die Sängerin Lillian Boutté bei fünf Konzerten und später auch in Europa begleitet. Das war schon sehr schön.

Dr. Will kommt mit Ihnen ja als Special Guest nach Langenneufnach. Auf was können wir uns da am 18. April in Langenneufnach freuen?

Oh ja, da kann man sich wirklich freuen. Das ist ein guter Freund, und wir arbeiten schon über zwanzig Jahre zusammen. Er ist nicht nur ein hervorragender Musiker, sondern auch ein versierter Produzent und steuert immer wieder neue Ideen bei. Wir befruchten uns da musikalisch gegenseitig und freuen uns, wenn wir so wie in Langenneufnach zusammenspielen können.

Was fällt Ihnen spontan zu den Stauden ein?

Oha, da muss ich gestehen, nicht viel. Aber in Augsburg und Umgebung spiele ich immer gern. Ja, und dann bin ich mal auf Langenneufnach gespannt.

Kartenvorverkauf ab 17. Februar per Mail an karten@fischach.de oder unter Telefon 0178/8871626.

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