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Schwabmünchen

23.05.2019

Die Schlümpfe retten das Überleben der Firma Dittrich

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Die beiden Auszubildenden Julia Schmidt und Eric Kempe prüfen die Qualität eines Produktes, das, noch warm, direkt aus der riesigen Maschine kommt.

Die Schwabmünchner Firma Dittrich und Co stand in den Anfangsjahren kurz vor der Pleite. Heute ist das High-Tech-Unternehmen kerngesund.

Pleiten, Pech und Pannen, sie beherrschten die ersten Jahre der Firma Dittrich und Co und zeigen, wie kompliziert es in wirtschaftlich und politisch schwierigen Zeiten war, eine Firma zu etablieren und am Leben zu erhalten. Heute denken die beiden Firmenchefs der zweiten Generation mit Schrecken an die Anfangszeiten zurück und sind gleichzeitig dankbar, dass unter ihrer Führung die ganz großen Krisen ausblieben, die Firma ständig erweitert werden konnte und derzeit als Hightech-Unternehmen besser denn je dasteht. Doch der Reihe nach.

Zwei Heimatvertriebene, ein Heizungsinstallateur und ein Starkstromtechniker, wagten es 1958, eine Kunststoff-Firma zu gründen, heute würde man sagen, ein Start-up-Unternehmen. Sie produzierten Perlen, Broschen und Schmuck in Schwabmünchen und ausgelagert in einer Hütte des Untermeitinger Armenhauses.

Keiner wollte die 10000 Marienstatuen

Dann kam der erste Großauftrag: Insgesamt 10000 Marienstatuen für einen Pater in Mexiko. Doch bevor sie ausgeliefert werden konnten, starb er, und niemand wollte die handbemalten Marien mehr haben. Die Pleite war programmiert. Doch die beiden Firmeninhaber Peter Muschak und Rudolf Dittrich nahmen Kredite auf ihre Privathäuser auf und produzierten weiter, jetzt Kunststoffartikel für Alete, Traktoren von Fendt, Lastwagen von MAN, Tankschiffe, Bärenmarke-Bären und viele andere. Endlich verdiente man Geld. Als dann die Großaufträge wie der der Schlümpfe kamen, ging es der Firma richtig gut.

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Danach wurden dann auch Zigarettenkörbchen produziert und gleich bestückt. „Wir hatten Millionen Zigaretten auf Lager. Wegen des unglaublichen Wertes schlief immer einer der Chefs mit Hund im Lager“, erinnert sich Armin Dittrich. Doch dann kam 1983 der nächste Nackenschlag: die Ölkrise. Die Kunststoff-Rohstoffe wurden nahezu unbezahlbar und der Firma ging es schlecht, sie kämpfte erneut ums Überleben.

Langsam ging es bergauf

Nach dem Tod von Rudolf Dittrich wurde sein Sohn Armin nach seinem BWL-Studium als kaufmännischer Leiter in die Firma geholt, Maria Dittrich zweite Geschäftsführerin. Ganz langsam erholten sich die Geschäfte, doch die Zeiten blieben schwierig. 1995 übernahmen dann der Maschinenbauingenieur Andreas Muschak und Armin Dittrich, beide im elterlichen Betrieb quasi aufgewachsen, die Firma und bauten die Produktion immer weiter aus.

MAN Augsburg forderte die technischen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Firma, verlangte schwierige Teile. „Wir meisterten die Probleme, entwickelten auch auf anderen Bereichen viele Produkte, vor allem für die Autoindustrie, und wurden langsam erfolgreicher“, so Andreas Muschak. Dann das nächste Problem: die Wirtschaftskrise 2009. Doch auch diese Klippe wurde gemeistert. Danach stellte Dittrich und Co sein Warensortiment noch breiter auf. Warendisplays und Verkaufsaufsteller verhalfen unter anderem zum Erfolg, auch die Einführung des Pfandsystems an Einkaufswägen.

Heute produziert die Firma Teile für Möbel, die Autoindustrie, die Medizintechnik, den Maschinenbau, die Verpackungsindustrie und vieles mehr. „Unser Teilespektrum reicht von 0,05 Gramm bis 5,5 Kilogramm. Idee, Entwicklung, Produktion, bei uns ist alles aus einer Hand“, so Muschak. Besonders stolz ist das mittelständische und inhabergeführte Familienunternehmen mit über 100 Mitarbeitern auf die millionenfach produzierten komplizierten Schaltbildplaketten für Autos.

Nach der jüngsten Erweiterung um das große Logistikzentrum arbeitet die Firma in über 11500 Quadratmeter großen Hallen auf rund 20000 Quadratmeter Gelände. In den vergangenen beiden Jahren wurden etwa sechs Millionen Euro investiert. Und die nächsten Erweiterungspläne liegen schon in der Schublade.

„In den vergangenen zehn Jahren verdoppelten wir den Umsatz und die Zahl der Mitarbeiter“, so Dittrich. Besonders stolz sind die beiden Inhaber darauf, dass in ihrer Firma Menschen aus rund 20 Nationen bestens zusammenarbeiten, viele seit Jahrzehnten, was auf ein hervorragendes Betriebsklima schließen lässt. Qualität und Flexibilität, das sind nur zwei der vielen Maxime von Dittrich und Co. „Wir wollen, dass der Kunde zurückkommt und nicht das Produkt“, so die beiden Chefs.

Tag der offenen Tür

DieFirma Dittrich und Co. feiert am Sonntag, 26. Mai, sein 60-jähriges Bestehen mit einem großem Tag der offenen Tür (zwischen 10.30 Uhr und 17 Uhr) mit Speis und Trank und Gewinnmöglichkeiten von etwa 10000 Euro.

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