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Versorgung

04.02.2014

Die Siedlung bleibt wohl ohne Hausarzt

„Den Landarzt vom alten Schlag wird es wohl nicht mehr lange geben.“Dr. Andreas Schittko

Bobingen gehört zum Bereich Augsburg – und dieser ist überbelegt

Bobingen Die Aufregung im Bobinger Stadtrat ist groß, die Wahrscheinlichkeit aber äußerst gering, dass die seit dieser Woche geschlossene Hausarzt-Praxis in der Siedlung wieder geöffnet wird. Wie berichtet, wollen die Kommunalpolitiker mit einer Unterschriftenaktion erreichen, dass die sogenannte Niederlassungssperre durch geänderte Vorschriften aufgehoben wird. Selbst wenn dies der Fall wäre, so meint Dr. Andreas Schittko aus Inningen, könnte eine Einzelpraxis heute aber wirtschaftlich nicht mehr überleben.

Für seine eigene Gemeinschaftspraxis hat Schittko die frei gewordene Zulassung, nicht aber die Praxis von Dr. Winter erworben, der von Bobingen in die Schweiz übergesiedelt ist. „Mein Kollege hat viele Monate lang erfolglos einen Nachfolger für die Siedlung gesucht“, sagt der Mediziner, der schon seit vielen Jahren jeden Mittwoch Hausbesuche bei Bobinger Patienten macht. „Das werde ich auch weiterhin tun; außerdem kommen schon jetzt viele Bobinger in unsere Praxis nach Inningen.“

Deshalb sei die Versorgungssituation nicht ganz so dramatisch, wie sie in der jüngsten Stadtratssitzung geschildert wurde. Allerdings räumt Schittko ein: „Es geht um Masse statt Klasse, um Bedarfspläne, Fachgruppendurchschnitte und andere Details, die ein normaler Patient kaum versteht; den Landarzt vom alten Schlag wird es wohl nicht mehr lange geben!“

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Den Schwarzen Peter will sich Dr. Wolfgang Krombholz, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), vom Stadtrat nicht zuschieben lassen. „Wir entscheiden nicht willkürlich“ sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. „Die KVB ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts, an Recht und Gesetz gebunden und steht unter der Aufsicht des Bayerischen Gesundheitsministeriums.“

Auch in Sachen hausärztliche Versorgung setze die KVB die rechtlichen Vorgaben um und könne Entscheidungen für oder wider einen Hausarztsitz in Bobingen nicht beliebig treffen. Die rechtliche Grundlage ist dabei die Bedarfsplanungsrichtlinie, die vom gemeinsamen Bundesausschuss in Berlin beschlossen (siehe Infokasten) wurde und überall in ganz Deutschland gleichermaßen gilt. Diese Richtlinie teilt das Bundesgebiet in sogenannte Planungsbereiche auf und legt genau fest, wie viele Einwohner jeweils von einem Arzt einer Fachrichtung versorgt werden sollen.

Gleichzeitig wird in dieser Richtlinie festgelegt, wie die einzelnen Planungsbereiche zugeschnitten sind – also auch, dass Bobingen zum Planungsbereich Augsburg gehört, der laut Statistik mit 16 Hausärzten über Soll überversorgt ist. Krombholz: „Über diesen Zuschnitt des Planungsbereichs kann man sich ärgern, aber man kann ihn nicht der KVB anlasten, denn es handelt sich um eine Bundesvorgabe.“

Die KVB setzt sich im zuständigen Landesausschuss, der die Vorgaben des Bundesausschusses umsetzt, für passgenauere Zuschnitte der bayerischen Planungsbereiche ein. „Für Dillingen an der Donau/Lauingen ist beispielsweise bereits eine kleinräumigere Planung gelungen, weitere Bereiche werden folgen. Die Bedarfsplanung ist ein Prozess, der von uns fortlaufend gestaltet und begleitet wird.“

Aktueller Stand sei jedoch, dass Bobingen gemäß der bundesweit gültigen Bedarfsplanungsrichtlinie zum Bereich Augsburg gehört und dieser als mit Hausärzten überversorgt gilt. „Damit ist eine Neu-Niederlassung für Hausärzte im gesamten Planungsbereich Augsburg nicht möglich.“ Praxisübergaben seien von dieser Niederlassungssperre nicht betroffen. Jedoch könnte ein Hausarzt, der bereits im Planungsbereich Augsburg niedergelassen ist, seinen Praxissitz nach Bobingen verlegen oder dort eine Filiale zusätzlich zu seiner Hauptpraxis gründen. Krombholz: „Niemand kann einen Arzt dazu zwingen, in Bobingen-Siedlung tätig zu werden - auch die KVB nicht!“ "Kommentar Seite 1

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