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Landkreis Augsburg

06.02.2021

Die Staudenbahn fährt: Aber nur zwischen Augsburg und Gessertshausen

Kommt später als versprochen: die Staudenbahn.
Foto: Walter Kleber (Archivfoto)

Plus Die Staudenbahn fährt ab Dezember 2022 mit einer Einschränkung. In Gessertshausen ist für Züge Endstation. Denn die Verbindung weiter nach Langenneufnach kann erst genutzt werden, wenn es die Strecke erlaubt.

Solange die Infrastruktur auf der Strecke zwischen Gessertshausen und Langenneufnach nicht ertüchtigt ist, bietet die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) die geplanten Staudenbahn-Fahrten nur zwischen Augsburg und Gessertshausen an. Nach Fischach und Langenneufnach geht es dann wie bisher mit dem Bus weiter.

Die Ankündigung der BEG, die den Schienen­per­so­nen­nah­verkehr im Auftrag des Freistaats plant, finanziert und kontrolliert, ist eine klare Absage an die Variante, die jüngst Hubert Teichmann ins Spiel gebracht hat. Der Geschäftsführer der Staudenbahnbetriebsgesellschaft hatte vorgeschlagen, die eingleisige Strecke übergangsweise ab Dezember 2022 zu nutzen. Denn angeblich würden die Triebwagen, die für die Staudenbahn vorgesehen sind und rollen sollen, eine 50-minütige Pause in Gessertshausen einlegen. Dieser Stillstand ließe sich nutzen, um im erlaubten Tempo von 60 Stundenkilometern nach Fischach zu fahren. Die BEG hält die Strecke zum aktuellen Zeitpunkt aber nicht für einen Personen-Regelverkehr geeignet. Sie müsse erst ausgebaut werden. Dafür werde momentan nach Finanzierungshilfen gesucht.

BEG lehnt Zwischenlösung für Staudenbahn ab

Ziel sei es laut BEG, möglichst schnell zu bauen. Ein "Vorlaufbetrieb", wie ihn Hubert Teichmann im Auge hat, wäre wenig zielführend, da während der Bauphase ohnehin keine Züge auf der Strecke fahren könnten. Oder anders ausgedrückt: Ein gerade erst angelaufener "Vorlaufbetrieb" müsste wegen der Baustelle wieder ausgesetzt werden. Ein Ausbau der Strecke im laufenden Betrieb sei nicht möglich, teilt der Staudenbahn-Schienenweg-Trägerverein mit. Dessen Vorsitzender Josef Böck rechnet damit, dass die Strecke für voraussichtlich ein Jahr vom Netz genommen werden müsse.

Eine Zwischenlösung würde den Kriterien des Freistaats für eine Reaktivierung der Strecke widersprechen, teilt die BEG auf Nachfrage mit. In diesen sei festgehalten, dass auf Reaktivierungsstrecken erst die Infrastruktur auf "SPNV-Standard" ertüchtigt wird, bevor dort Züge fahren. Aktuell könnte die Strecke zwar bis Fischach bedient werden, es wären aber nur Fahrten zu bestimmten Tageszeiten möglich. Außerdem wären die Reisegeschwindigkeiten geringer und die Stationen nicht barrierefrei. Die BEG setze daher in Abstimmung mit allen Beteiligten "auf eine gesamthafte Lösung".

"Salamitaktik" schmeckt dem Trägerverein nicht

Ein von Anfang an gut funktionierender Verkehr auf der Staudenbahn sei wichtiger als Provisorien, die das Projekt eher gefährden, teilt der Staudenbahn-Schienenweg-Trägerverein mit. "Jetzt in Salamitaktik einzelne Fahrten vorzuziehen, sehe ich sehr kritisch", sagt Josef Böck. Ein früherer Start mag auf den ersten Blick einen gewissen Charme haben. Doch nur eine von Anfang an optimale Anbindung finde Akzeptanz in der Bevölkerung.

Hubert Teichmann hätte seine Zwischenlösung schon 2019 vorgestellt. Die Bürgermeister in den Gemeinden entlang der Strecke wären dem Vorschlag schon damals skeptisch gegenübergestanden. Böck: "Daran hat sich bis heute nichts geändert." Bei der Zwischenlösung sei eine Vielzahl von Fragen offen.

Die Staudenbahn fährt: Aber nur zwischen Augsburg und Gessertshausen
39 Bilder
Was passiert eigentlich mit alten Bahnhöfen?
Foto: Michael Eichhammer

Böck spricht die Pfeifsignale der Züge an: Mit ihnen könnten Züge nach der Vorstellung von Hubert Teichmann an unbeschrankten Bahnübergängen warnen. Böck: "Das mag bei einzelnen Ausflugsfahrten praktikabel sein, jedoch nicht bei vielen Zugpaaren am Tag und in den Morgenstunden, schon gar nicht dauerhaft in den Abendstunden und bei Nacht. Diese Lärmbelästigung wird sicherlich nicht zur Akzeptanz der Staudenbahn in der Bevölkerung beitragen." Trotz Pfeifsignalen und reduzierter Geschwindigkeit sei das Sicherheitsrisiko an den bisher weitestgehend ungesicherten Bahnübergängen deutlich höher. Beim Ausbau der Strecke seien technisch gesicherte Bahnübergänge mit Halbschrankenanlagen geplant.

Auf der ausgebauten Strecke sollen Züge schneller fahren

Was Böck ebenfalls moniert: Bei einer deutlich reduzierten Geschwindigkeit, die eine Zwischenlösung mit sich bringe, würde sich die Fahrzeit im Vergleich zum Bus erhöhen. Erst ein Ausbau der Strecke sorge für eine höhere Geschwindigkeit und damit für eine Fahrzeitverkürzung. Geplant ist, von Gessertshausen bis Fischach auf Tempo 100 und ab Fischach auf 80 Stundenkilometer zu erhöhen. In der von Hubert Teichmann vorgeschlagenen Übergangsphase könnte die Strecke nur mit maximal 60 Stundenkilometer befahren werden - an den unbeschrankten Bahnübergängen müsse das Tempo aber auf bis zu 20 reduziert werden, so Böck.

Was für den Trägerverein ebenfalls gegen eine Zwischenlösung spricht: In Fischach sei der Bahnsteig nicht für moderne Triebwagen ausgelegt. Auch fehlende Parkplätze am Bahnhof und eine Wendemöglichkeit für Busse würden gegen eine Interimslösung sprechen. Für Fahrgäste, die im vorgezogenen Betriebsstart über Fischach hinaus fahren wollen, müssten vom Bahnhof zum Marktplatz laufen, um dann mit dem Bus weiterfahren zu können.

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Die Diskussion ist geschlossen.

07.02.2021

Dieser Beitrag ist doch komplett neben der Realität.

Bereits heute gibt es in den Hauptverkehrszeiten Züge zwischen Augsburg HBF und Gessertshausen, die hier das sonstige Angebot (Ulm/Dinkelscherben) verdichten.

Ab Ende 2022 werden diese elektrischen Triebwagen der DB durch Dieseltriebwagen der BRB ersetzt, die dann den Verkehr mit Diesel unter Fahrdraht abwickeln. "Die Staudenbahn fährt" gibt selbst mit der hinten angeschobenen Ergänzung ein unzutreffendes Bild!

Das ist ein Rückschritt und kein Fortschritt!

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