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KliK

05.10.2016

Die Wellbrüder – mit Witz und Wut

Als „Well-Brüder aus dem Biermoos“ kamen (von links) Stofferl, Karl und Michael Well mit ihrem bayerischen Musikkabarett ins evangelische Gemeindezentrum St. Johannes. Organisiert hatte den Abend der Kulturverein KliK.
Bild: Hermann Schmid

Was das Trio aus dem Biermoos singend und kalauernd über Königsbrunn und Bayern zu bemerken hat

Auch in der Brunnenstadt kommt es gut an, wenn der Künstler den Ort kennt, an dem er auftritt. Dass Michael Well bei der Begrüßung kurz zögert und den Ortsnamen von Zettel abliest, erkennt das Publikum gleich als Gag. Bruder Christoph hingegen kann sich noch gut erinnern: Nicht nur an den vorletzten Auftritt mit der „Biermösl-Blosn“ im Dezember 2011 – sondern auch an die gute Brotzeit, die damals die Damen von Kulturverein KliK servierten.

Als einer der Wellbrüder aus dem Biermoos ist er nun zurück, wieder engagiert von KliK – und es ist fast wie zu Biermösl-Zeiten: bayerische Volksmusik, gekonnt vorgetragen, dazu bissige Texte und manche Kalauer. Christoph und Michael spielten schon bei der Blosn. Karl, jetzt der Dritte auf der Bühne, war damals für die Tontechnik zuständig.

Die Wellbrüder sind auch über die Gegenwart der Brunnenstadt gut informiert, wie ihr erstes Schnadahüpfl zeigt. Da wird Königsbrunn zum „Straßenbahn-Erwartungsland“, sie schimpfen auf die Osttangente, die „wieder mal ein Naturschutzgebiet versaut“. Die Königstherme, so haben sie gehört, könnte als Swinger-Club wiederbelebt werden, das Café Müller sei „ein Fall für das Weltkulturerbe“.

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So viel Lokalkolorit kommt bei den Zuhörern im fast ausverkauften Gemeindesaal gut an – selbst wenn sie hören, dass beim (angeblichen) Auftritt in Oberottmarshausen das Mitsingen besser geklappt habe.

Auch wenn das Trio von seinem Heimatort Hausen erzählt, muss man nicht alles für bare Münze nehmen. Die Kreisverkehre, die dort die Feuerwehr ausbremsen und Wochenendausflügler zu Staus verdichten, die gibt es ja zuhauf im Bayernland. Auch Typen wie den „Kreisheimatpfleger Drexler Toni“, der herausgefunden habe, dass einst Händel auf der Kutschfahrt von Wien nach London (womöglich im Kreisverkehr) eine Panne hatte und in der Reparaturpause eine „Feuerwehr-Musik“ komponierte – die das Trio gleich spielt. Hier zeigt sich Stofferl Well virtuos auf der Bachtrompete, wie alle drei eine Vielzahl von Instrumenten beherrschen. So stimmen sie auf Alphörnern – „die Gigaliner der Volksmusik“ – Melodien von Bizet und Beethoven, aber auch Kinderlieder und Schlager an.

Nicht nur das idealisierte ländliche Bayern nehmen die Wellbrüder aufs Korn, auch das reale politische. Zur aktuellen Abstimmung über den Liftbau am Riedberger Horn fällt ihnen der Speichersee für 230 Schneekanonen am Spitzingsee ein und sie stellen fest: „Das Sudelfeld, des is versudelt word’n“. Ministerpräsident Seehofer, so singen sie, kämpfe wohl nur deshalb so verbissen gegen Windräder, weil die sich noch schneller drehen, als er seine Meinung ändert. Wenn sie auf die Milchbauern zu sprechen kommen, denen im Agrargeschäft „nur die Magermilch“ bleibt, dann klingen die Wellbrüder richtig wütend. Da wird Stofferl in Lederhosen zum Rapper, der wie ein Berserker in die Luft springt und – einen US-Rapper und den geforderten Milchpreis verknüpfend – ruft: „Forty Cent, 40 Cent – oder der Aldi brennt!“

nächste KliK-Veranstaltungen: Luise Kinseher am 13. Oktober, ist ausverkauft. Karten gibt es im Kulturbüro noch für den Kulinarischen Vor-Advent im Nepomuk am Samstag, 19. November, und die musikalische Lesung mit Andreas Martin Hofmeier am Freitag, 25. November, im Trachtenheim.

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