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Bobingen

02.08.2019

Die Wirtschaft wächst - doch wohin?

Im Gewerbegebiet Ost in Bobingen gedeihen viele Betriebe, ebenso wie im Industriepark West. Doch es mangelt an Erweiterungsmöglichkeiten. Denn auch die Landwirtschaft braucht Platz und Grundstücksverkäufe sind aus Steuer- oder Anlegersicht wenig attraktiv. Ähnlich sieht es andernsorts im Landkreis aus. 
Bild: Karl Rosengart

Plus Heimisches Gewerbe stößt oft schon am Zaun des eigenen Betriebsgeländes an Grenzen. Es fehlen Erweiterungsflächen. Bobingen sucht nach einer Strategie.

Die Stadt Bobingen sorgt sich um die Entwicklungsmöglichkeiten der ortsansässigen Wirtschaft. Der geht es zwar in der Mehrzahl sehr gut – so gut sogar, dass nicht wenige Betriebe erweitern wollen. Dafür allerdings finden sie nicht genügend Grundstücke. Ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten untermauert nun mit einer Potenzialanalyse das Bild eines wachsenden Bedarfs. Hinzu kommt: Es gibt zwar unbebaute Grundstücke, doch kaum ein Eigentümer will verkaufen.

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Berater sollen eine Lösung finden

Das Problem ist bekannt: Die Aussicht auf entsprechende Steuerlast und null Zinsen beziehungsweise wenig verlockende Anlagemöglichkeiten für das Geld schrecken sie zurück. Außerdem braucht auch die Landwirtschaft Flächen. Um Lösungen zu finden, hat die Stadt Bobingen ihre Gutachter nun mit einer Prioritäten- und Strategieentwicklung beauftragt.

Bobingen ist mit diesem Problem nicht alleine. Die Wirtschaft im Landkreis boomt. Vor allem im Speckgürtel rund um Augsburg. Es gibt kaum Arbeitslosigkeit. Im Gegenteil: Genauso wie Platz für Betriebserweiterungen, werden quer durch die Branchen dringend weitere Mitarbeiter gesucht.

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10000 neue Arbeitsplätze in zehn Jahren

Zudem wirkt wirtschaftliche Erfolg offenbar wie ein Magnet. Von auswärts drängen weitere Betriebe in den Landkreis. Die Infrastruktur, die Nähe zu Augsburg und weitere Standortfaktoren machen die Region für neue Investitionen attraktiv. So sind in den vergangenen Zehn Jahren im Augsburger Land rund 10 000 neue Arbeitsplätze entstanden, meldet das Landratsamt.

Die dort tätige Stabsstelle für Wirtschaftsförderung läuft keineswegs jeder Anfrage nach Gewerbegrund hinterher. Vielmehr wägt sie in Kontakt mit betroffenen Kommunen die Chancen mit sozialen Werten und etwaigen belastenden Folgen für die jeweilige Gemeinde ab. Denn Neuansiedlungen können verschiedenste – auch belastende Auswirkungen haben. Zum Beispiel Lärm und Verkehr, Flächenverbrauch sowie auch steigende Anforderungen an soziale Einrichtungen wie Hort- und Kita-Plätze und andere Betreuungseinrichtungen.

Ulrich Gerhardt, Leiter des Bereichs Wirtschaftsförderung am Landratsamt, sieht die Herausforderung daher so: „Wachstum um jeden Preis ist sicherlich genauso ein falscher Weg, wie die Vorstellung, dass alles so bleibt wie es ist. Dies muss aber das Ergebnis der politischen Diskussion in den Gemeinderäten anhand der konkreten und auch nicht vergleichbaren Situation ihres Ortes sein.“

Einzelentscheidungen sind nötig

Einen generellen Ratschlag zum Umgang mit rarer werdenden Gewerbeflächen könne er den Kommunen nicht geben. Er sagt: „Erweiterungsanfragen von Unternehmen an uns, die schon im Landkreis sind, versuchen wir natürlich zunächst in der jeweiligen Heimatgemeinde und in Gesprächen mit dem Betrieb und der Gemeinde zu realisieren. Sollte es dort aus welchen Gründen auch immer nicht möglich sein, suchen wir in enger Abstimmung mit den umliegenden Kommunen eine Lösung zu finden. Dies ist uns bisher fast immer gelungen.“

Den Kommunen Ratschläge zu geben, stehe ihm jedoch nicht zu: „Jede unserer 46 Städte, Märkte und Gemeinden ist an diesem Thema dran und legt für ihren Gemeindebereich die Eckdaten fest. Es wird und muss in den dortigen politischen Gremien diskutiert werden, welche Flächen für Wohnbebauung, Gewerbegebiete aber auch zur Naherholung oder sonstige Zwecke ausgewiesen werden.“

Genau diesen Weg geht Bobingen. Der Flächennutzungsplan regelt längst, welchen Gebieten welche Funktionen zukommen. So gibt es vor Ort das einst von Hoechst geprägte Industriegebiet im Westen der Stadt sowie im Osten das mittelständisch geprägte Gewerbegebiet.

Doch die Stadt stößt bei ihrer eigenen Wirtschaftsförderung immer wieder auf das bekannte Problem: Betriebserweiterungen und mittelständische Neuansiedlungen einerseits zu ermöglichen, andererseits Grundstücke dafür vermitteln zu können. Alleine zur sogenannten „Bestandssicherung“ – hierunter fallen ansässige Betriebe die eine Vergrößerung planen – würden dringend um die zwei Hektar Fläche benötigt, heißt es in der vorliegenden Potenzialanalyse der Gutachter.

Es geht um die Entwicklung der Stadt

Bürgermeister Bernd Müller zieht aus der jüngsten Beratung im Stadtrat ein klares Fazit: „Das Thema ist uns sehr wichtig, da es um die zukünftige Entwicklung der Stadt geht.“ Die Nachfrage nach Gewerbeflächen habe im letzten Jahr mit 65 Anfragen einen hohen Wert erreicht. Daraus sollte möglichst neues Wirtschaftswachstum generiert werden, so die Empfehlung des mit einer Strategieentwicklung beauftragten Wirtschaftsinstituts Imakom Akademie GmbH.

Nachgefragt würden vor allem größere Flächen für produzierendes Gewerbe, mittlere und große Flächen für Logistikdienstleister und mittlere bis kleine Flächen für das Baugewerbe. Nicht alle Ansiedlungswünsche sind für die Stadt gleich anstrebenswert. Auch dazu will sie nun Anhaltspunkte definieren.

Ebenso geht es ihr um eine Ausgewogenheit zwischen den Interessen an einen Wohnort und Wirtschaftsstandort. Daher sieht sie sich in dem Urteil einer Umfrage unter Betrieben vor Ort bestätigt: Die Mehrzahl der beteiligten Unternehmen zeigte sich zufrieden mit ihrem Standort und dem wirtschaftlichen Umfeld.

Dazu ein Kommentar unseres Autors Pitt Schurian

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