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Oberschönenfeld

21.01.2020

Die dunkle Seite der Malerei

Was Alexandra Vassilikian mit ihren Gemälden ganz persönlich verarbeitet hat, mag jeder Betrachter ganz für sich persönlich entscheiden, doch fließen in ihren Werken augenscheinlich eine Vielzahl von Empfindungen zusammen.
Foto: Thomas Hack

Plus Alexandra Vassilikian begeistert in Oberschönenfeld mit der dunklen Seite der Malerei. Die Besucher tauchen ein in eine schaurig-schöne Welt.

Dynamisch und düster, verführend und verstörend, unheilschwanger und auf eine eigensinnige Weise unaufhaltsam zugleich – mit wahrlich vielen Gegensätzen könnte sich das berauschende Gesamtwerk der Künstlerin Alexandra Vassilikian skizzieren lassen. Doch um die hypnotisierende Kraft ihrer Gemäldezyklen wirklich mit sämtlichen Sinnen zu verspüren, muss man schlichtweg eigenhändig in die Ausstellung „Weltenschleifen“ eintauchen, die derzeitig in der Schwäbischen Galerie des Museums Oberschönenfeld auf eine Seelenreise der etwas anderen Art entführt.

In der Tat sollten Besucher eine gewisse Selbstcourage aufwenden, um sich den amorphen Bilderwelten der gebürtigen Rumänin zu stellen, doch wer den Sujets unvoreingenommen entgegentritt, wird mit einem faszinierendem Kaleidoskop belohnt, welches den dunkelsten Augenblicken ein würdiges Denkmal setzt und den gnadenlosen Tod als Beginn von etwas völlig Neuem manifestiert.

Verwesung und Vergänglichkeit

Natürliche Zustände wie Verwesung und Vergänglichkeit erhalten einen gleichbedeutenden Stellenwert wie schattenhafte Schimären, die im Mahlstrom der Zeit eine eigene morbide Daseinsberechtigung erfahren. Was Alexandra Vassilikian mit ihren berauschenden Gemälden ganz persönlich verarbeitet hat, mag jeder Betrachter ganz für sich persönlich entscheiden, doch fließen in ihren Werken augenscheinlich eine Vielzahl von Empfindungen zusammen – vom eigenhändig erlebten Unrechtsregime des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu bis hin zum Kreislauf von Leben, Tod und der Neuerschaffung der Natur.

Mittels eines extrem reduzierten Farbspektrums hat die Künstlerin in ihrem Bilderzyklus „Schlachtfelder“ etwa den blutigen Krieg in Szene gesetzt, einen Krieg, der keineswegs „nur“ zwischen menschlichen Wesen ausgetragen wird, sondern ebenso unter unausgesprochenen Seelenzuständen, die in unbarmherziger Weise aufeinandertreffen: Mal wirken die Sujets wie erschreckende Nuklearexplosionen, mal scheint sich irgendwo aus dem schwarzen Nichts ein lebensspendendes Drachen-Ei zu manifestieren - oder ist es doch eher eine spontan inszenierte Inszenierung eines Sujets der nordischen Mythologie?

Das geheimnisvolle Grabtuch

Im Zyklus „Mischwesen“ dominieren indes untote Schattengestalten, die irgendwo zwischen Leonardo da Vincis berühmten Bücherskizzen, den schemenhaften Wesen des „Alien“-Schöpfers Giger und dem geheimnisvollen Grabtuch von Turin angesiedelt sind.

Sabine Sünwoldt, Leiterin des Museums Schwabmünchen, hätte es in ihrer Laudatio sinngemäß nicht besser ausdrücken können: „Die Kunst ist für Alexandra Vassilikian nicht ein Mittel, um auf dem Markt zu bestehen, sondern ein Mittel, dem Leben nachzuspüren, dem Leiden, dem Tod und dem, was ganz tief verborgen ist in der Seele der Menschen.“

Neben der versierten und höchst lebendigen Laudatio bildete die Begleitmusik der Blockflötenkünstlerin Iris Lichtinger die dritte Komponente, welche die Vernissage dieser Ausstellung zu einem rundum harmonischen Gesamtensemble werden ließ: Mit einer musikalischen Melange aus wohlklingenden und dissonanten Kakophonien griff auch die Solokünstlerin die ganz speziellen Bilderwelten auf und ließ die Besucher in eine schaurig-schöne Welt der Melancholie eintauchen. Alexandra Vassilikians „Weltenschleifen“ sind sicherlich nichts für unbeschwerte Sonnennaturen, aber ganz bestimmt ein wertvoller Schatz für alle, die ganz besondere Kleinode der düsteren Art erleben wollen.

Atelier auf Schloss Guggenberg

Die Malerin und Fotografin wohnt seit 2000 in Schwabmünchen. Sie wurde bereits mit dem Kunstpreis der Stadt und den für kleines Format ausgeschriebenen Preis der Ecke Galerie in Augsburg ausgezeichnet. Sie hat Ateliers auf Schloss Guggenberg bei Schwabmünchen und in Paris.

Die Ausstellung „Weltenschleifen“ von Alexandra Vassilikian ist noch bis 15. März in der Kunstgalerie Oberschönenfeld zu sehen.

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