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Allmannshofen

25.06.2016

Die nützlichen Riesen aus dem Augsburger Land

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4 Bilder
Matrin Grob begrüßt seine Herde Wasserbüffel bei Allmannshofen.
Bild: Marcus Merk

In Allmannshofen grasen Wasserbüffel und schaffen so ein Paradies für seltene Vögel. Wie sogar aus dem Kot der Tiere die neuen Lebensräume entstehen.

Am Ortsrand von Allmannshofen und im Oberndorfer Ried lässt sich so manches spannende Naturschauspiel erleben. Während die Wasserbüffel von Martin und Martina Grob die feuchten Weiden abgrasen, turnen Schafstelzen ganz entspannt auf den großen Tieren herum. Was auf den Laien wie eine Laune der Natur wirken könnte, ist der Erfolg eines Planes, den Menschen geschmiedet haben.

Martin und Martina Grob stiegen in die Weidehaltung mit Wasserbüffeln ein. Mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) entwickelte sich dabei eine Partnerschaft, bei der der LBV den Büffelhaltern die entsprechenden Flächen zur Pacht zur Verfügung stellt. Das Resultat: Aus den anfangs sechs Wasserbüffeln sind mittlerweile 16 Tiere geworden - und: Wiesenbrüter wie die Schafstelze, der Kiebitz, die Bekassine und der Große Brachvogel sind auf die Niedermoorfläche aufmerksam geworden. Auch Schwarzkelchen wurden hier schon gesichtet.

Wasserbüffel schaffen neue Lebensräume

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LBV-Gebietsbetreuer Willi Behringer erklärt den Kreislauf, der sich dahinter verbirgt: Durch ihren Tritt und mit ihren Schlammsuhlen schaffen die Wasserbüffel neue Lebensräume, dadurch steigt der Artenreichtum der Flächen. Der kontinuierlich anfallende Kot ist Nahrungsgrundlage für viele Insekten. Diese sind wiederum Nahrung für die Wiesenbrüter oder für durchziehende Vögel.

Gleichzeitig wird auf den Weideflächen versucht, Brutmöglichkeiten für die Vögel zu schaffen, die andernorts nur noch schwer Lebensräume finden. „Die ersten Vögel, die ich hier bewusst zur Kenntnis genommen habe, waren einige Kiebitze, die in einen der entstandenen Sümpfe wohl ein Bad nahmen“, erinnert sich Martin Grob an die Anfänge.

Kiebitz-Schwarm inmitten der ruhigen Wasserbüffel-Riesen 

Der Kiebitz ist vergleichsweise einfach an seinem schwarz-weißen Gefieder und seiner Feder am Kopf, sowie seinem Gezwitscher zu erkennen. Typischerweise brütet der Vogel auf Vordeich- oder Marschwiesen. Auf dem Durchzug hat sich nun bereits so mancher Kiebitz-Schwarm inmitten der ruhigen Wasserbüffel-Riesen niedergelassen. Und auch die Bekassine, die einen überdimensional langen Schnabel hat, schätzt die feuchten Flächen.

Doch Martin Grob hält auf seinem täglichen Routinebesuch bei den Wasserbüffeln nicht nur nach Vögeln Ausschau, sondern konnte auch buchstäblich mit ansehen, was aus einem Kothaufen eines Wasserbüffels entstehen kann: Die Fliegen, die sich darum scharen, legen ihre Eier hinein. Die daraus schlüpfenden Würmer dienen den Vögeln wiederum als Nahrung, die mit der Zeit den kompletten Wasserbüffel-Haufen in seine Einzelteile zerlegen.

Er hat sogar Ehefrau mit seiner Leidenschaft angesteckt 

Auch der Vogelkenner Willi Behringer hat durch die Betreuung des Beweidungsprojekts viel über die Wasserbüffel gelernt. Die Tiere beschreibt er als ruhig und neugierig. Auf ihn wirken sie nicht aggressiv, obgleich man vor dem Bullen oder einem Muttertier mit Kalb durchaus Respekt haben muss. Martin Grob gesteht, sich bereits während seines Studiums in die Wasserbüffel „verknallt“ zu haben. Dann habe er auch seine Frau mit seiner Leidenschaft angesteckt und so kümmern sie sich nun gemeinsam um die mächtigen Tiere auf der Weide.

Eine klare Rollenverteilung gibt es bei der Wasserbüffel-Pflege nicht, obgleich Martin Grob lachend zugibt: „Meine Frau ist die Gute.“ Das liege wohl daran, dass er selbst sich um die bei den Tieren eher unbeliebten Aufgaben kümmert wie zum Beispiel die Klauenpflege.

Jungtiere sind noch recht zutraulich 

Die breiten und harten Klauen der Büffel sind im Übrigen das entscheidende Kriterium, warum sie als eine der wenigen Tierarten für die Beweidung derartig feuchter Flächen geeignet sind. Und so erklärt sich auch, dass die Jungtiere, die erst in diesem Jahr auf die Welt gekommen sind, noch recht zutraulich ihm gegenüber sind - schließlich dürfen sie erst in zwei Jahren zur tierischen Pediküre. Dennoch folgen ihm die Tiere aufs Wort: Martin Grob läuft der Herde lediglich voran, lockt sie mit ein paar Rufen an und schon bewegt sich die Karawane flotten Schrittes in seine Richtung.

Es gibt kontinuierlich Verbesserungsbedarf

Obgleich der LBV und das Ehepaar Grob gleichermaßen glücklich darüber sind, dass sich die alternative Pflegemaßnahme - sprich: die Beweidung mit Wasserbüffeln - so positiv auf die Ansiedlung der Vögel auswirkt, gibt es kontinuierlich Verbesserungsbedarf. Für den Sumpfrohrsänger wünscht sich Willi Behringer ein paar Brennnesselstauden, die stehenbleiben dürfen, denn dieser Bodenbrüter sucht explizit nach Deckung. Grob nimmt Hinweise wie diesen gerne auf.

Dass hier der Versuch geglückt ist, landwirtschaftliche und ökologische Aspekte zu verquicken, freut den Landwirt Martin Grob und seine Frau ebenso wie die Vogelfreunde des Landesbundes für Vogelschutz. Beide Seiten interessieren sich sehr für eine Ausdehnung des Projekts. Schon im kommenden Jahr werden erste Produkte vom Wasserbüffel bei Familie Grob erhältlich sein. „Zunächst wird sich das Sortiment auf Fleischprodukte beschränken, jedoch könnten sich in naher Zukunft auch Milchprodukte oder Käse wie zum Beispiel echter Büffelmozzarella dazu gesellen“, verrät Martin Grob.

Für Wasserbüffel braucht man kein Vergrößerungsglas

Zudem sind die Weideflächen bei Allmannshofen ein Ort geworden, an dem sich regelmäßig Naturfreunde einfinden, um die großen Wasserbüffel in freier Natur zu sehen - oder die Vögel zu beobachten. Woran man erkennt, wer aus welchem Grund gekommen ist, wird schnell klar: „Am Fernglas erkennt man diejenigen, die auf Vogelschau gehen“, erklärt Martina Grob lachend, denn um ihre Wasserbüffel zu beobachten, braucht es kein Vergrößerungsglas.

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