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21.02.2015

Die schier unendliche Geschichte eines unterirdischen Schießstandes

Das Schützenheim in Untermeitingen ist von außen hübsch anzusehen. Sorgen bereitet dem Verein jedoch vor allem die unterirdische Schießanlage. Ziele können dort künftig in bis zu 100 Meter Entfernung stehen. Schützenmeister Jürgen Fischer nimmt hier schon einmal probeweise Maß.
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Das Schützenheim in Untermeitingen ist von außen hübsch anzusehen. Sorgen bereitet dem Verein jedoch vor allem die unterirdische Schießanlage. Ziele können dort künftig in bis zu 100 Meter Entfernung stehen. Schützenmeister Jürgen Fischer nimmt hier schon einmal probeweise Maß.

Seit 20 Jahren wird an der Anlage in Untermeitingen gebaut. Ist jetzt ein Ende in Sicht?

Es ist kein Jubiläum, auf das der Verein stolz sein kann. Vor rund 20 Jahren wurde die Baugenehmigung für eine Schießanlage in Untermeitingen samt unterirdischen Schießstand erteilt. Doch auch nach zwei Jahrzehnten ist noch kein Schuss auf der rund 100 Meter langen Bahn für Feuerwaffen gefallen. Fast scheint es, als könnte Schützenmeister Jürgen Fischer die Frage nach dem „Warum“ für die immer noch nicht fertiggestellte Anlage nicht mehr hören. „Weil es viel Arbeit ist“, sagt er kurz und knapp. Letztendlich aber zeigt sich Fischer nach mehreren Nachfragen vorsichtig optimistisch. „Die Zeichen stehen jetzt eher auf Grün als auf Rot“. Sollte es keine Komplikationen mehr geben, könne voraussichtlich bereits im September die Anlage in Betrieb genommen werden. Doch ähnlich optimistisch waren die Verantwortlichen schon einmal.

Vor fünf Jahren berichtete unsere Zeitung über den Zwischenstand der Bauarbeiten. Die Regierung von Schwaben hatte damals den Baufortschritt überprüft. Man sei daran interessiert, dass das Förderziel baldmöglichst erreicht werde, hieß es offiziell. Als Termin für die Fertigstellung wurde von der Regierung Ende 2009 anvisiert. Die Schützen gingen davon aus, dass es „drei, vier Monate länger dauert“. Wie gesagt: Dies war die Aussage vor fünf Jahren.

Eine Vision von Lindau bis Thierhaupten

Rudi Steinle war damals der große Visionär der Untermeitinger Schützen. Was der frühere Schützenmeister und der Verein schaffen wollten, war riesig: eine Anlage mit 15 Schießständen und 100-Meter-Bahn für Feuerwaffen. „Die größte Anlage zwischen Lindau, Thierhaupten und Füssen“, sagte damals Schützenkollege Franz Josef Lange stolz. Bislang ist es allerdings bei dieser Vision geblieben.

Steinle sagte damals zuversichtlich: „Das ziehen wir durch.“ Doch es gab auch Bedenken: „Für uns als Verein ist das überdimensioniert“, gab Lange zu. „Aber wenn wir viel Zulauf haben, ist es ideal.“ Der damalige Bürgermeister Georg Klaußner teilte die Ansicht: Als größte Gemeinde auf dem Lechfeld habe Untermeitingen „zentralörtliche Funktion“. Die Gemeinde unterstützte den Bau finanziell, zuletzt mit einer Bürgschaft. Und heute?

Fortschritte sind auf jeden Fall zu verzeichnen. „Die Lüftungsanlage ist quasi abgenickt“, sagt Fischer und auch in Sachen Brandschutz sei man auf einem gutem Wege. Verbaut werden muss jedoch noch die bereits vorhandene Schießelektronik, denn hier setzt der Verein auf modernste Technik. Geschossen werden soll nicht auf Papierscheiben, sondern auf Scheiben mit einem elektronischen Messrahmen. So ist eine Anzeige der Treffer sogar über ein Smartphone möglich. Stemmen kann der Verein diesen finanziellen Aufwand allerdings nicht alleine. Mehr als 50000 Stunden haben die Schützen inzwischen an ehrenamtlicher Arbeit investiert. „Doch für den finalen Ausbau benötigen wir die Unterstützung des Gemeinderats“, sagt Fischer.

Vorausgesetzt, die Anlage kann wunschgemäß im September in Betrieb genommen werden, muss aber auch die Auslastung stimmen. Kalkuliert wurde damals mit steigenden Mitgliederzahlen. Der Verein hoffte, dass sich der Stand von 160 auf rund 360 Mitglieder mehr als verdoppeln werde. Schützenmeister Fischer kann aktuell zwar nur von „stagnierenden“ Zahlen sprechen, ist aber dennoch zuversichtlich. „Die strategische Lage ist mit der Anbindung an die Autobahnen und die B17 gigantisch“, sagt er. Somit habe die Schießanlage, die zudem ein Kader- und Verbandsstützpunkt sei, auch eine überregionale Bedeutung. „Damals war es nur eine Vision, doch jetzt geht es der Wirklichkeit entgegen“, ist Fischer überzeugt.

Skeptisch bleibt aber nach wie vor Gauschützenmeister Josef Waworka aus Großaitingen. Er freute sich zwar im August 2009, dass „nach langer Bauphase eine Fertigstellung in Sicht ist“, glaubte aber, dass die Feuerwaffen-Schützen aus dem Gau auf den bestehenden Anlagen bereits gut aufgehoben seien. „Ich glaube, mit meiner damaligen Interpretation lag ich damals nicht daneben“, sagt er heute und fühlt sich in seiner Skepsis bestätigt. Zudem werde der Schießsport nicht mehr so positiv gesehen, wie noch vor einigen Jahren. Dies könnte sich ebenfalls nachteilig auf die Auslastung auswirken.

Bei einem Ortstermin haben sich vor kurzem Bürgermeister Simon Schropp und Kämmerer Heinrich Grashei über den aktuellen Stand informiert. Wie es weiter geht, müsse noch entschieden werden, sagt Schropp. „Wir brauchen vom Verein eine genaue finanzielle Darstellung mit Auflistung der Kosten, der noch notwendigen Maßnahmen, der Eigenleistungen und vor allem auch ein Konzept der vorgesehenen Nutzungen.“

In einer der nächsten Gemeinderatssitzungen will das Gremium daher über das weitere Vorgehen beraten. Eingeladen dazu sind der Architekt Jakob Stainer, Vertreter des Schützenvereins sowie einige Experten. Anfang März sollen zudem die Mitglieder in einer Generalversammlung über den aktuellen Stand informiert und auch notwendige Maßnahmen beschlossen werden. (mit wifu) Kommentar

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