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Lagerlechfeld

13.11.2019

Diese Schüler kehren nach 60 Jahren in die Schule zurück

Im alten Lazarett waren die Klassenräume für die Schüler der dritten bis achten Klasse untergebracht.
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Im alten Lazarett waren die Klassenräume für die Schüler der dritten bis achten Klasse untergebracht.
Bild: Hieronymus Schneider

14 ehemalige Schüler besuchen ihre Schulgebäude im alten Lazarett und an der Röthstraße in Lagerlechfeld. Sie erinnern sich nicht nur an die ungeteerte B17.

Es war eine besondere Schule, die in der Nachkriegszeit in Lagerlechfeld eingerichtet wurde. Die Ansiedlung von Heimatvertriebenen in der sogenannten Nebenerwerbssiedlung war der Hauptgrund für ihre Entstehung. So waren es überwiegend „Flüchtlingskinder“, für die in der Röthstraße und im ehemaligen Lazarett eine Schule eingerichtet wurde. Nun traf sich der Jahrgang 1953, der im September 1959 eingeschult wurde, an den ehemaligen Schulgebäuden, schwelgte in Erinnerungen und schaute sich die Veränderungen an.

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Damals hatten 22 Kinder ihren ersten Schultag, später kamen noch einige Nachzügler dazu. 14 von ihnen kamen nun, 60 Jahre danach, auf Einladung ihres Klassenkameraden Rainer Brachmann nach Lagerlechfeld. Die am weitesten entfernte ehemalige Schülerin aus Niedersachsen war verhindert, weil sie ihre Mutter pflegen muss. So waren zwei Frauen aus dem Raum Würzburg diejenigen mit der weitesten Anreise. Alle anderen sind in den benachbarten Landkreisen oder im Lechfeld oder Umgebung beheimatet.

Ehemalige Lehrer können nicht zum Klassentreffen in Lagerlechfeld kommen

Bedauert wurde von allen, dass keine ehemaligen Lehrkräfte kommen konnten. Der inzwischen 93-jährige Hauptlehrer Alois Schnatterer schaffte es trotz anfänglicher Zusage gesundheitlich doch nicht. Die Lehrerin der ersten und zweiten Klasse, „Fräulein“ Anna Franze ist bereits gestorben und die zweite Lehrerin Hildegard Nüsseler, jetzt Probst, schrieb ihren ehemaligen Schülern einen Brief aus Augsburg, worin sie bedauerte, aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen zu können.

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Rainer Brachmann hat eine besondere Beziehung zu seinem ersten Schulgebäude in der Röthstraße in Lagerlechfeld. „Ich hatte den kürzesten Schulweg von allen, denn meine Familie wohnte im Obergeschoss der Schule“, sagt er. Seine Schwester erinnert sich daran, dass in dem Gebäude vorher Flugzeuge repariert wurden. Bis heute ist das Haus eine Schule geblieben, es beherbergt die vom Landkreis Augsburg betriebene „Christophorus-Förderschule“ sowie einen Kindergarten der Gemeinde Untermeitingen. Deren Bürgermeister Simon Schropp führte die Gruppe durch die Räume.

Ab der dritten Klasse ging es zum alten Lazarett in die Schule

Trotz vieler Renovierungen und Anbauten wurden dabei alte Erinnerungen wach. Nur die 1. und 2. Klasse fand in der Röthstraße Platz. Ab der dritten Klasse mussten alle auf die andere Seite der B17 zum alten Lazarett laufen. „Natürlich zu Fuß bei Wind und Wetter, damals hat niemand nach einem Schulbus gefragt“, sagte einer aus der Gruppe. Andere erinnerten sich, dass das Überqueren der B17 damals noch kein Problem war: „Wir haben uns gefreut, als sie geteert wurde, denn dann konnten wir darauf mit Rollschuhen fahren. Es kam nur alle paar Stunden mal ein Auto.“ Beim Klassentreffen fuhren nun alle mit dem Auto die eineinhalb Kilometer bis zum alten Lazarett, das zur Gemeinde Graben gehört. Drei Gebäude des alten Lazaretts wurden damals als Klassenräume für je eine Doppelklasse von der dritten bis zur achten Klasse der Volksschule genutzt. Im nördlichsten Gebäudeteil befand sich eine Notkirche, die so lange gebraucht wurde, bis die Versöhnungskirche und die Kirche St. Martin in den 1960er-Jahren gebaut wurden. Heute werden die Räume nach aufwendiger Renovierung als Wohnungen und als Atelier für eine Film-und-Fotoagentur genutzt. Bei der von den Betreibern der „Middendorf-Movies“ gewährten Besichtigung und beim anschließenden Kaffeenachmittag im Klosterlechfelder Caféle wurden noch viele Erinnerungen ausgetauscht.

So dachten einige an die harten Strafen wie „Bank knien“ und „Tatzen“, die früher zur Disziplinierung der Schüler üblich waren. Es war erst das zweite Klassentreffen des Jahrgangs 1953 nach einer Pause von 25 Jahren. Das Wiedersehen ging mit einer Kirchenführung in der Klosterlechfelder Wallfahrtskirche und einem Abendessen in Schwemm’s Gnadentalstüberl in Großaitingen zu Ende.

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