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Kleinaitingen

01.06.2019

Diesmal flüchtet Franz Schäfer nicht am Geburtstag

Gut gelaunt empfängt Altbürgermeister Franz Schäfer, der am Sonntag seinen 70. Geburtstag feiert, die Schwabmünchner Allgemeine in seinem Wohnzimmer in Kleinaitingen.
Bild: Michael Lindner

Franz Schäfer war 24 Jahre Bürgermeister, jetzt wird er 70. Er spricht über seine Amtszeit und wieso es in den vergangenen Monaten mit der Ruhe vorbei war.

Bürgermeister wollte er nie werden, und doch hatte er genau dieses Amt 24 Jahre lang inne. 2014 war aber Schluss: Der Kleinaitinger Franz Schäfer verabschiedete sich aus der Kommunalpolitik und stellte sich kein fünftes Mal zur Wahl. Ruhig und gemütlich wollte er seinen Ruhestand mit fast 65 Jahren angehen lassen. Aber mit der Gemütlichkeit war es in den vergangenen Monaten vorbei.

Franz Schäfer und seine Frau Karola, mit der er seit 1974 verheiratet ist, zogen um. Und zwar nur wenige Meter weiter in das ehemalig landwirtschaftlich genutzte Gebäude. Nur noch kleinere Arbeiten an der Fassade stehen an, ansonsten ist alles fertig umgebaut. In der neuen Heimat hängen Luftaufnahmen von Kleinaitingen, Bilder vom Starkbierfest mit Prinz Luitpold von Bayern sowie Zitate des evangelischen Theologen Friedrich Christoph Oetinger. Hier sitzt der 69-Jährige gemütlich am Wohnzimmertisch und spricht mit unserer Zeitung über seine Zeit als Bürgermeister und die Jahre danach. Am Sonntag, 2. Juni, wird Franz Schäfer 70 Jahre alt.

Empfang am Rathausplatz für Franz Schäfer

Der Altbürgermeister wird diesen Geburtstag im engsten Familienkreis feiern. Im Mittelpunkt zu stehen, das liege ihm nicht. „Als ich 40 wurde, bin ich mit meiner Frau abgehauen“, sagt er und lacht. Auch beim 60. war er nicht anzutreffen - eine mehrtägige Schifffahrt auf der Donau bewahrte ihn vor einer großen Feier in Kleinaitingen. Doch dieses Mal tritt er nicht die Flucht an. Die Gemeinde um Bürgermeister Rupert Fiehl organisiert für ihn am Montagabend einen Empfang am Rathausplatz.

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Dass dem dann 70-Jährigen diese Ehre zuteilwird, ist wenig verwunderlich. 1984 wurde Schäfer in den Gemeinderat gewählt, sechs Jahre später wurde er Bürgermeister und damit Nachfolger von Alois Meitinger. In das Amt des Bürgermeisters sei er „reingeschlittert“, sagt Schäfer. Immer wieder sprachen ihn Leute an, zu kandidieren. Zudem sei es mit dem eigenen Hof immer schwieriger geworden, für die Familie finanziell zu sorgen. „Ich wollte die Landwirtschaft nicht aufgeben und musste etwas dazuverdienen“, sagt Schäfer und lacht.

Aufschwung Kleinaitingens hängt eng mit Aldi zusammen

Der Einstieg ins Leben als Bürgermeister sei ihm von Meitinger erleichtert worden. Für Nachfragen stand sein Vorgänger immer Rede und Antwort. „Ohne ihn hätte ich bestimmt den einen oder anderen Fehler mehr gemacht“, sagt Schäfer rückblickend. Die Amtszeit von Schäfer ist aber alles andere als von Fehlern, sondern vielmehr von großen Erfolgen geprägt. Aus dem mit 600000 Mark verschuldeten Dorf, das einst einen Überbrückungskredit vom Staat erhielt, wurde eine seit 2011 schuldenfreie Kommune mit Rücklagen in Millionenhöhe. Der Grund für den Aufschwung hängt eng mit einem Großprojekt zusammen: Aldi.

Der Discounter wollte ein neues Logistikzentrum errichten, weil das bisherige in Eichenau bei München zu klein wurde. Erste geheime Gespräche fanden 1999 statt, erinnert sich Schäfer. Als Standort war zunächst der Platz östlich der B17 angedacht; also dort, wo jetzt BMW ein Logistikzentrum hat. Doch dieses Gelände überzeugte Aldi nicht, 2001 wurde dann der Kaufvertrag für das Areal nördlich der A30 unterzeichnet. Zuvor musste die Gemeinde das 15 Hektar große Grün- und Ackerland von Landwirten aufkaufen. 2005 eröffnete das Aldi-Logistikzentrum, der Startschuss für das Gewerbegebiet in Kleinaitingen und Graben.

Wegen Aldi konnte das Gut Lechfeld gekauft werden

Durch den Grundstücksverkauf an Aldi gelang Schäfer ein noch größeres Vorhaben: Vom Freistaat Bayern kaufte die Gemeinde nach langwierigen Verhandlungen das Gut Lechfeld, auf dem Schäfer als junger Mann als Baumeister arbeitete, mit 140 Hektar Land. Durch die bevorstehende Ansiedlung von Aldi war es der Gemeinde zudem finanziell möglich, die Lechfeldhalle 2001 umzubauen und zu sanieren.

Altbürgermeister Schäfer erinnert sich gerne an die vielen kleinen Geschichten, die das Leben im Dorf ausmachen. Bei der Gründungsversammlung des CSU-Ortsverbands Kleinaitingen-Oberottmarshausen sei aus Spaß die Idee eines eigenen Starkbierfestes entstanden. 1997 war die Premiere, und die Erfolgsgeschichte begann. „Wenn sich Menschen für etwas begeistern und einsetzen, geht es voran und man kann vieles erreichen“, sagt Schäfer.

Franz Schäfer: Das Ehrenamt hat auch einen Vorteil

Trotz der vielen positiven Erinnerungen ist Schäfer froh, nicht mehr Bürgermeister zu sein. Urlaub gab es quasi keinen, „es ist ja ein Ehrenamt“. Wenn es Probleme gab, wurde an der Haustür geklingelt. Obwohl viele Termine abends waren, sollte die Familie nicht unter seiner Tätigkeit leiden. „Vor 9 Uhr war ich nie im Rathaus. Und mittags habe ich zu Hause bei meiner Familie gegessen“, sagt Schäfer und lacht. Das sei ein Vorteil des Ehrenamts, man kann seine Arbeitszeit flexibel einteilen.

Sein Ruhestand ist klar geregelt: „Frühstück, Mittag- und Abendessen sind gesetzt. Ansonsten schaue ich, was der Tag so bringt“, sagt Schäfer, der Vater eines Sohnes und einer Tochter ist, in seiner gewohnt humorvollen Art. Auch wenn der 69-Jährige nicht mehr politisch aktiv ist, so ist er aus dem Gemeindeleben nicht wegzudenken. Er gehe auf jede Vereinsversammlung, schon allein aus dem Grund, da er überall Mitglied ist. Zudem ist er Vorsitzender des Kommunalunternehmens „Barrierefreies Wohnen“ sowie des Gartenpflege- und Heimatvereins. Dieses Amt hatte er von 1971 bis 2001 sowie seit 2015 inne. Vor Kurzem wurde er für zwei weitere Jahre wiedergewählt. „Das ist aber meine letzte Amtszeit“, sagt Schäfer. Ihn für eine weitere Periode zu überreden, sei chancenlos. Das haben viele schon bei der Bürgermeisterwahl 2014 vergeblich versucht.

Lesen Sie hier den Artikel über Untermeitingens Altbürgermeister Georg Klaußner, der ebenfalls seinen 70. Geburtstag feiert. Georg Klaußner: vom politischen Parkett in den Garten

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