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21.03.2015

Disput um Keller und Kugel

Ein Blickfang im Zentrum von Königsbrunn ist der Infopavillon, der in wenigen Wochen eröffnet wird. In seinem Untergeschoss sollen die Dioramen zur Lechfeldschlacht präsentiert werden. Das Bauprojekt aus der Ära Fröhlich sorgt im Rat immer wieder für Diskussionen. Das Bild zeigt auch, wie sehr die Hülle der Museumskugel inzwischen ausgebleicht ist.
Bild: Hermann Schmid

Zwei Projekte sorgen für Kosten und Diskussionen. Dabei machen sie die Stadt überregional interessant

Beim Thema Infopavillon, in dessen Untergeschoss am Sommer drei Dioramen zur Lechfeldschlacht zu sehen sein werden, fühlt sich Stadtrat Peter Sommer (Bürgerbewegung Königsbrunn BbK) „mal wieder für dumm verkauft“. Diese Einschätzung kommt nicht daher, dass in Fachkreisen derzeit diskutiert wird, ob die epochale Schlacht im August 955 nicht auf dem Lechfeld, sondern am Rand des Rieses stattgefunden hat (wir berichteten).

Nein, Sommer kommt zu diesem Schluss, weil die Stadt im Haushalt 2015 für die Ausstattung dieses Untergeschosses zu den veranschlagten 50000 Euro weitere 80000 bereitstellen soll. Die Nachmeldung von Werner Lohmann, dem Chef des technischen Bauamtes, löste kürzlich im Hauptausschuss eine Diskussion aus, die viel Emotionen und einige ungewöhnliche Details zu diesem Projekt zutage förderte.

Ursprünglich sei vorgesehen gewesen, dass sich die Regio Augsburg Tourismus GmbH um das Untergeschoss kümmere, stellte Lohmann fest. Jetzt wolle sie nur die drei Präsentationskästen und den Umzug finanzieren. „Gibt es keine vertragliche Regelung?“, wollte Kulturreferent Christian Toth (FDP) von ihm wissen. „Nein“, so die knappe Antwort, „das war von meiner Zeit.“ Die Planer des Infopavillons hätten für die Stadt eine Minimallösung erarbeitet, wie man die drei Dioramen, die je mit Ton- und Bildprojektionen ausgestattet sind, in drei Nischen präsentieren könne. Günstiger gehe es nicht.

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„Dann schmeißen wir es doch weg!“, schlug Sommer spontan vor. „Das können wir nicht“, stellte Bürgermeister Franz Feigl fest. Denn die Stadt erhalte für das insgesamt rund drei Millionen Euro teure Projekt zwischen Hydro-Tech Eis-arena und Gymnasium über 800 000 Euro an Zuschüssen. „Fassungslos“ mache ihn dieses Thema, wann immer es auf der Tagesordnung stehe, bekannte Wolfgang Peitzsch (SPD). „Wir waren, wir sind gegen das Ding!“ Alwin Jung (Grüne) sieht den Infopavillon durchaus kritisch. „Da hilft die ganze Schimpferei nichts“, so seine Schlussfolgerung, „ein kahler Keller wird keine Werbung für uns sein.“ Das Projekt sei in einer „euphorischen Phase im Rat“ beschlossen worden, so Norbert Schwalber (CSU), jetzt stecke die Stadt in einer Zwangsjacke. „Unsere Kontrollmechanismen müssen sehr viel schärfer werden.“

Ludwig Fröhlich (Freie Wähler), der das Projekt als Bürgermeister vorangetrieben hatte, verteidigte es ausführlich. „Wer jetzt über Kosten klagt, der denkt viel zu kurz.“ Christian Toth hielt ihm allerdings vor: „Der Chef der Verwaltung hätte mit der Regio einen ordentlichen Vertrag aushandeln müssen – und der Chef waren damals Sie!“ Letztlich stimmten Toth, Sommer, Peitzsch und Werner Schuler (FW) gegen die weiteren Ausgaben.

Wenn der Pavillon im Juni eröffnet wird, dann werden die Besucher den großen historischen Globus des Mercateums nebenan nur noch als ausgebleichte Kugel wahrnehmen. Seit Jahren setzt UV-Strahlung der bedruckten Kunststofffolie zu. Im Haushalt waren 70000 Euro eingestellt, um sie zu erneuern. Doch weil der Hersteller keine zehn Jahre Garantie gegen Ausbleichen gibt, will Bürgermeister Feigl das nicht weiter verfolgen. Wolfgang Knabe, der das Mercateum gegründet hat, sucht nach einer anderen Lösung.

Im Gespräch mit unserer Zeitung verwahrte sich Knabe gegen den Vorwurf von Florian Kubsch (SPD), das Mercateum sei ein „Fast-Millionen-Grab“. Für den Globus habe die Stadt etwa 70000 Euro gezahlt, so Knabe. Die Kosten für Unterbau mit Wasserbecken und den Park seien da nicht eingerechnet, das könne man nicht dem Museum zurechnen. „Das, was die Stadt an Geld für das Museum gebracht hat“, so Knabe, „ist in doppelter Weise durch Spender dazugekommen.“ "Kommentar Seite 1

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