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Bobingen

18.07.2019

Ein Bobinger baut riesige Teleskope für die ganze Welt

Wolfram Felber mit einem seiner Teleskope, die er immer wieder auch in Bobingen zu Testzwecken aufbaut und kurzzeitig betreibt.
Bild: Wolfram Felber

Plus Wolfram Felber baut große und teure Fernrohre für Sternwarten und andere professionelle Anwender. Es ist eine Teamarbeit von Firmen im Augsburger Land.

Der 21. Juli 1969 war für Wolfram Felber und seine Eltern ein ganz besonderer Tag. Seine kleine Schwester kam zur Welt und zuvor sah er die Mondfähre landen. Wolfram Felber weiß zwar nicht, ob er als Chef von Alluna Optics deshalb heute astronomische Teleskope baut, weil er damals die Mondlandung mitverfolgt hat, aber inspiriert habe ihn das mit Sicherheit, sagt er.

Seine Begeisterung für Technik und den Weltraum könnten schon daher kommen. Denn wie viele seiner Generation war er Fan von Weltraumabenteuern wie Star Wars und Star Trek, sah alle damaligen Science-Fiction-Serien. Dass er später seine Passion zum Beruf machen konnte, betrachtet er als Glücksfall. Und nun sorgt er mit seiner Firma dafür, dass viele seiner Kunden einen Blick ins All werfen können. Denn er baut professionelle Spiegelteleskope. Vom Augsburger Land aus gehen sie in alle Welt. Sie stehen in Nord- und Südamerika, in Australien, Asien, Europa und auf einer Insel vor Afrika.

Der Hauptsitz der Firma ist in Bobingen, die Endfertigung der Teleskope in Königsbrunn. Angefangen hat Felber vor 25 Jahren. Damals schuf er verschiedene Optiken. Seit 15 Jahren nun baut er zusammen mit weiteren Unternehmen aus der Region Teleskope. So entstehen dann die großen Fernrohre in Teamwork.

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Das Einsteigermodell von Wolfram Felbers Teleskopen kostet 80.000 Euro

Einer seiner Zulieferer, der Kuppelbauer von Dome Parts in Wehringen, installiert gerade eines seiner Teleskope unter einer großen Schutzschale in El Salvador auf. Viele seiner Kunden sitzen im Ausland, sagt Wolfram Felber. Hier in Bayern stehen nur drei seiner Teleskope. Aber das ist nicht verwunderlich. Denn seine Geräte können sich nur professionelle Sternwarten oder sehr gut betuchte, semiprofessionelle Hobbyastronomen leisten. Für das „Einsteigermodell“ von Alluna Optics werden bereits stolze 80 000 Euro aufgerufen. Die größeren Teleskope liegen dann alle im sechsstelligen Bereich.

Bei der Frage, ob es denn mit seinen großen Teleskopen möglich sei Zeugnisse der Mondlandung, wie zum Beispiel die Reste der Mondlandefähre „Eagle“ zu sehen, kann er sich ein Lachen nicht verkneifen. „Nein, das ist leider nicht möglich“. Dann greift er zu Papier und Stift, um seine Erklärungen zu verdeutlichen.

Durchmesser Erde: 12.700 Kilometer, Durchmesser Mond: 3470 Kilometer, durchschnittliche Distanz: 384 000 Kilometer. Bei dieser Entfernung könne das menschliche Auge Gebilde erkennen, die ungefähr 300 Kilometer groß sind. Ein Sternwarten-Teleskop von Alluna Optics mit 60 Zentimeter Spiegeldurchmesser schaffe bereits eine Auflösung von 400 Metern. Somit sei ein Objekt mit einer Größe von ungefähr vier Fußballfeldern als einzelner Pixel sichtbar.

Darum kann man mit einem Teleskop nicht die amerikanische Flagge auf dem Mond sehen

Das weltbekannte „Hubble Weltraumteleskop“ würde eine Auflösung von 100 Metern erreichen. Aber selbst damit sei es noch nicht möglich, die Spuren menschlicher Anwesenheit auf dem Mond zu sehen. „Die Hinterlassenschaften der Astronauten sind einfach zu klein“, so Felber. Erst das momentan in Bau befindliche „Extremely Large Telescope“ in Chile wird dazu wohl in der Lage sein, so Felber. Mit seinem 39 Meter-Spiegel und einer Auflösung von 6,5 Meter auf der Mondoberfläche sollte es dann möglich sein, die Mondlandefähre, die so um die neun Meter Durchmesser haben soll, auf einem Bild als einen einzigen Pixel sehen zu können. Um die auf dem Mond gehisste amerikanische Flagge zu sehen, müsste ein Teleskop einen Spiegel mit 250 Meter Durchmesser besitzen. Das sei natürlich utopisch.

Nur mit einem Laserstrahl ist der von den Astronauten aufgestellte Reflektor nachweisbar. Somit müsse man weiter darauf verzichten, die Beweise der menschlichen Anwesenheit auf dem Mond direkt in Augenschein nehmen zu wollen. Aber das sei nicht weiter schlimm, denn „kein vernünftiger Mensch kann heute noch ernsthaft anzweifeln, dass damals Menschen auf dem Mond gelandet sind“, ist Felber sicher.

Wann wird wieder ein Mensch den Mond betreten?

Spannender sei für ihn die Frage, wie sich alles entwickelt hätte, wenn die Mondlandung damals nicht erfolgt wäre. Wie hätte die technische Entwicklung ausgesehen? Wäre alles anders? Oder wären wir halt einfach ein paar Jahre später auf dem Mond gelandet und alles wäre genauso wie jetzt? Und schließlich sei es auch interessant zu sehen, wann der Mensch den Mond wieder betreten wird. Bis dahin bliebe nur: Auf die Terrasse gehen, einen guten Feldstecher zur Hand nehmen und dann den Blick schweifen lassen über die Berge, Täler und Krater, die an guten Tagen sehr deutlich beobachtet werden könnten.

Lesen Sie hierzu auch: Wie die Mondlandung die Bobinger in ihren Bann zog

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