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Königsbrunn

20.04.2019

Ein Buch übers Erwachsenwerden in dunklen Zeiten

Die Königsbrunner Brigitte Diefenthaler hat das Buch „Ins Dunkel geboren“ veröffentlicht.
Bild: Teresa Reindl

Brigitte Diefenthaler erzählt in ihrem Roman die Geschichte von einem traumatisierten Jungen. Die Geschichte ist durch eine besondere Freundschaft inspiriert.

Sie lässt sich Geschichten von ihren Patienten erzählen, die die meisten Anderen nicht hören wollen. Daraus strickte Brigitte Diefenthaler die Geschichte ihres Romans „Ins Dunkel geboren“. Die Autorin aus Königsbrunn arbeitet als Medizinisch-technische Assistentin im Krankenhaus. Dort berührten sie zu ihrer Anfangszeit verschiedenen Erzählungen ihrer teilweise verbitterten Patienten. So begann sie diese als Inspiration für ihre Bücher zu benutzen.

So richtig zum Schreiben ist die zweifache Mutter erst mit 40 Jahren gekommen. „Ich habe eine sehr wirre Schrift und überarbeite alles 100 mal. Mein erster Computer hat mich dann von meinem Chaos erlöst“, sagt Brigitte Diefenthaler. Geschichten erzählt habe sie aber immer schon gerne – erst ihren vier Geschwistern, später ihren beiden Kindern. Der erster Roman „Still wie der Tod“ erschien 2016 – sie verlegte ihn selbst bei Amazon. Heute schreibt die Autorin Spannungsliteratur wie zeitgenössische Romane, Jugendromane, Kurzgeschichten und Thriller.

Alter Mann berichtet von brutaler Familiengeschichte

Zu ihrem Roman „Ins Dunkel geboren“, der im Dezember 2018 beim Wissner Verlag erschien, inspirierte sie die Geschichte eines Patienten: „Ich bekam ein freundschaftliches Verhältnis zu einem Herren. Er hatte beide Beine verloren und war eigentlich verbittert, bösartig und alleine. Doch ich akzeptierte ihn so und fing an, ihn regelmäßig zu besuchen“, sagt Brigitte Diefenthaler. Der Mann stammte aus einer Bauernfamilie, die extrem hierarchisch gegliedert war und bei der er viel Brutalität erlebte. Ähnliche Familienverhältnisse spiegeln sich in „Ins Dunkel geboren“ wider.

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Der Roman beruht auf wahren Begebenheiten, unter anderem die Ereignisse während der Bombennacht 1944 in Augsburg. Auch der geschichtliche Rahmen orientiert sich an der Realität. Alle Figuren sind jedoch fiktiv. Brigitte Diefenthaler beschreibt das Erwachsenwerden des zu Beginn neunjährigen, traumatisierten Johanns, der unter der Diktatur des Nationalsozialismus und der Gewalt seiner Brüder beziehungsweise Vaters aufwächst. Das Buch ist regional verortet und spielt in Schwaben. „Mir war es wichtig auch den Alltag während des Krieges zu beschreiben“, sagt die Autorin. Die hier oft herrschende Einfachheit verdeutlicht auch der teilweise starke schwäbisch-augsburgerische Dialekt der Charaktere. „Ich wusste von Beginn an, wo die Figuren am Ende emotional stehen, aber lange nicht, wie die Geschichte ausgeht. Es gab einen Knackpunkt, den ich lieber anders gehabt hätte, aber wenn die Figuren gut ausgearbeitet sind, leben sie so stark, dass sie manchmal mir zuwiderhandeln“, sagt die Königsbrunnerin.

Die Hauptzielgruppe des Romans sind Erwachsene. Es wird aus der Ich-Perspektive von Johann erzählt, immer wieder steht die Autorin als Erzähler aber auch über ihren Figuren und weiß mehr als diese. „Gerade als Johann noch jünger ist, fiel mir das Schreiben schwerer. Die Gedanken eines neunjährigen Jungen müssen einerseits für meine Leser interessant sein, aber andererseits darf man nicht über seinen Horizont hinausgehen und ihm zu erwachsene Gedanken in den Mund legen. Ich war froh, als Johann älter war“, sagt Brigitte Diefenthaler.

Abends halten sie starke Bilder vom Schlafen ab

Die Königsbrunnerin schreibt vor allem morgens und nachmittags, abends kann sie nicht mehr schreiben: „Die Bilder sind dann so stark, dass ich nicht schlafen kann und zehn bis 20 mal aufstehe, um etwas aufzuschreiben.“ Die Abendstunden sind für das Lesen reserviert: „Wenn man selbst nicht ließt, kann man auch nicht schreiben“, sagt Brigitte Diefenthaler.

„Ins Dunkel geboren“ ist eine Geschichte über Mut, Liebe und Zivilcourage. Die Autorin will dazu auffordern, sich selbst und andere Dinge, die man als wahr verkauft bekommt, zu hinterfragen. „Wenn man das Buch weglegt, soll man merken, dass die Welt nicht zugrunde gegangen ist“, sagt die Königsbrunnerin. Auch das rote Fahrrad auf dem Cover verdeutlicht diesen Hoffnungsschimmer. „Ins Dunkel geboren“ ist keine reine Kriegsgeschichte.

Der Roman ist in ausgewählten Buchhandlungen in der Region, sowie auf Amazon erhältlich.

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