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Königsbrunn

29.06.2017

Ein Chemiker gibt der Wasserleitung Feuer

Bevor Chemiker Gerhard Scheller die Wasserprobe zieht, tötet er alle Keime im und am Wasserhahn ab. Das geht am effizientesten mit Hitze.
Bild: Marion Kehlenbach

Erste Ergebnisse geben Anlass zur Hoffnung auf ein baldiges Ende. Die Sanierung des Wasserwerks stockt dagegen.

Gestern wurden die – wenn alles gut geht – letzten Proben aus dem Königsbrunner Wassernetz gezogen. Doch Lebensmittelchemiker Dr. Gerhard Scheller ist zuversichtlich, dass das Abkochgebot bald wieder aufgehoben werden kann. „Die erste Serie war in Ordnung“, ist von ihm zu erfahren.

Mit der ersten Serie meint der Analytiker die Wasserproben von Montag dieser Woche. Für den Nachweis von coliformen Keimen wird das Wasser gefiltert und der Filter auf einer Nährlösung circa 21 Stunden in einem Brutschrank bei 36 Grad Celsius, also der menschlichen Körpertemperatur „bebrütet“. Nach dieser Zeit ist eine mögliche Bakterienkolonie mit dem bloßem Auge erkennbar, sagt Scheller.

Labor prüft die mikrobielle Kontamination des Trinkwassers

In einem zweiten Verfahren prüft das Labor die Koloniezahl, dabei geht es nicht um ein bestimmtes Bakterium, vielmehr um eine generelle mikrobielle Kontamination des Trinkwassers. Dafür wird ein Milliliter der Probe in einem Nährmedium 48 Stunden auf einer Petrischale bebrütet. „Unser Problem ist, dass die Menschen schnelle Ergebnisse wollen. Wir können es aber nur so schnell machen, wie die Keime wachsen“, erläutert Scheller sein Dilemma.

Doch bevor der Chemiker die Analyse vornehmen kann, muss er erst einmal die Proben ziehen, das heißt, das zu analysierende Wasser abfüllen. Hierbei geht er besonders sorgfältig vor, damit die Wasserprobe nicht durch äußere Einflüsse kontaminiert wird. Als erstes erhitzt Scheller den Wasserhahn mit einer Lötlampe. Die Hitze desinfiziert den Hahn nicht nur von außen, sonder würde auch mögliche Keime im Inneren abtöten. Und dann dreht er den Wasserhahn auf. Es zischt ein wenig, als das kalte Wasser durch den noch heißen Wasserhahn läuft und eine kleine Dampfwolke steigt auf. Scheller hält ein Thermometer in den Wasserstrahl. „An der Temperatur kann man erkennen, ob es sich um frisches Wasser vom Versorger handelt oder ob es schon eine Weile in der Leitung stand“, erklärt Wassermeister Andreas Penner vom den Königsbrunner Wasserwerken. Nach einem kurzen Augenblick zeigt das Thermometer konstant 11,5 Grad Celsius an. Nun zapft der Chemiker für die Analyse 250 Milliliter Trinkwasser ab.

Gesundheitsamt lobt Krisenmanagement

An elf Zapfstellen im gesamten Stadtgebiet nimmt Scheller nach diesem Verfahren Wasserproben. In erster Linie hat man hierfür die Schulen ausgesucht. Dass sein Labor den Auftrag für die Überprüfung bekam, hat verschiedene Gründe, so Scheller. Die Akkreditierung durch den Freistaat setzt voraus, dass das Analyselabor über die entsprechenden Analyseverfahren- und Geräte verfügt und natürlich das entsprechend ausgebildete Personal hat. „Hier ist Weiterbildung ein ganz großes Thema“, sagt Scheller.

Uwe Breitfelder vom Gesundheitsamt hat die ganze Prozedur der Probenentnahme mitverfolgt und ergänzt: „Die Parameter, die wir sehen wollen, sind eigentlich die gleichen, die wir immer sehen wollen.“ Die Analysen die zurzeit täglich vorgenommen werden, gehören in Königsbrunn zur zweiwöchentlichen Routine. Und der Mann vom Gesundheitsamt lobt das Krisenmanagement der Stadt: „Die Logistik hat super funktioniert.“

Was nicht funktionierte war eine Pumpe, für die es schon seit fünf Jahren keine Ersatzteile mehr gibt, ist vom technischen Leiter Rudolf Willer zu erfahren. Seit zwei Jahren plant die Stadt eine Erweiterung des Wasserwerkes mit neuen Pumpen und neuer Technik. „Wir hätten schon lange den Spatenstich dazu gehabt, wenn bei den Ausschreibungen ein verwertbares Angebot für den Rohbau eingegangen wäre“, sagte Willer weiter.

Bau eines neuen Pumpenhauses ist schwierige Angelegenheit

Das Problem ist auch Bürgermeister Franz Feigl bewusst: „Die Erneuerung des Wasserwerks ist seit langem geplant und genehmigt.“ Das Problem: Es findet sich keine Firma, die das neue Pumpenhaus zu einem halbwegs akzeptablen Preis bauen würde. Die Technik halte die Stadt sogar bereits vor, sagte Feigl. Allerdings ist ein Bau aufgrund des hohen Grundwasserspiegels eine höchst diffizile Angelegenheit, ebenso der Einbau der langen Röhrenpumpen: „Da hat jede Biegung der Röhre Auswirkungen auf das Gesamtsystem“, sagt Feigl. Und: Wenn man die Pumpen erneuere, baue man zuerst ein neues Gebäude und setzt dort die neuen Pumpen ein. Erst wenn das fertig ist, könne man die alte Anlage abschalten. Um neue Pumpen ins alte Gebäude einzubauen, fehlte dort bislang der Platz.

Hier könne durch den Schaden Abhilfe geschaffen werden. „Auf dem Platz der defekten Pumpe können wir nun übergangsweise zwei neue einbauen, mit neuer Steuerung und Technik“, sagt Feigl. Diese könnten dann auch einen möglichen Notbetrieb sichern.

Die Entscheidung, ob die Königsbrunner das Leitungswasser wieder nutzen können, wird heute Nachmittag im Königsbrunner Rathaus mitgeteilt.

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